Hünfelder SV - SG Bad Soden 0:2 (0:2)

HSV vergibt Chancen en masse - MEHIC: "Sind keine Träumer"

Samet Degermenci (links) und seine SG Bad Soden behielten gegen Hünfeld und Robert Simon die Oberhand
Fotos: Siegmar Larbig

18.10.2015 / FUSSBALL - Verbandsligist SG Bad Soden holte am Samstag mit dem 2:0 in Hünfeld den vierten Sieg in Serie und klettert - zumindest über Nacht - auf den zweiten Tabellenplatz. Vor allem in Durchgang eins zeigten sich die Sprudelkicker effektiv und nutzten die Fehler des HSV eiskalt aus. Mit Wut im Bauch berannten die Hausherren im zweiten Abschnitt das Tor der Gäste, verpassten es aber, ihre Möglichkeiten zu nutzen.


"Genau das war unser Plan für die zweite Halbzeit. Feuer, Hektik und Tempo rein zubringen und Bad Soden aus den Takt bringen, dass sie ihre Ordnung verlieren", sagte Hünfelds Trainer Dominik Weber nach Abpfiff über die Marschroute seiner Mannen in Durchgang zwei. Die Hausherren hatten sich nach durchwachsener erster Hälfte viel vorgenommen und wollten zum vereinseigenen Oktoberfest die Begegnung drehen. Doch kurz nach Wiederanpfiff wäre der Plan fast schon nach hinten los gegangen: die Sprudelkicker kombinierten sich über Anil Albayrak und Halil Kutlu in den Strafraum der Hausherren, wo Sven Hassler, der eine starke Vorstellung zeigte, völlig blank stand - und das Leder über den Fangzaun jagte (46.). "Da müssen wir den Sack zu machen", sagte Bad Sodens Trainer Sead Mehic, der in der Folge mit ansehen musste, wie der HSV zu zahlreichen Abschlüssen kam.

Sebastian Alles (50.) und zweimal Lukas Budenz (55., 57.) vergaben aus aussichtsreicher Position und verpassten es, frühzeitig den Anschluss zu erzielen und das Spiel wieder offen zu gestalten. "Ich habe das Gefühl, unser Tor ist wie ein kleiner Kasten und das eigene ist ein Scheunentor. Auf der einen Seite brauchen wir viele Chancen, um ein Tor zu erzielen und auf der anderen Seite fallen die Tore zu einfach", haderte Weber, dessen Schützlinge durch Oliver Krenzer (68.), Kevin Krieger (69.) und Robert Simon (70.) binnen einer Minute drei hochkarätige Chancen vergab.

Durch Hünfelds Flucht nach vorne ergaben sich für die Sprudelkicker viele Räume und Gelegenheiten, per Gegenstoß die Entscheidung zu erzielen. "Wir wussten, dass sie in der zweiten Hälfte Druck machen werden. Wir haben dann weitere Konter gehabt, aber es verpasst, für die Entscheidung zu sorgen", so Mehic weiter. HSV-Torwart Tim Gutberlet vereitelte gegen Halil Kutlu (65.), Niklas Dietz (77.) und Taner Harmancioglu (77.) sehenswert. Wenig später stoppte er zunächst den durchlaufenden Hassler, der erneut an den Ball kam und aus 30 Metern das leere Tor nur knapp verfehlte (80.). "Im Moment läuft es einfach nicht. Die zwei Tore waren Geschenke, das waren keine wirklichen Chancen. In der zweiten Hälfte haben wir fünf, sechs hundertprozentige. Bad Soden kam bis auf ein paar Konter nicht mehr wirklich vor das Tor", sagte Gutberlet nach Abpfiff.

Dass die Gäste den Platz als Sieger verließen, lag an ihrer Effektivität in Durchgang eins. Individuelle Fehler der Hausherren nutzte Bad Soden eiskalt aus, um aus drei Chancen zwei Tore zu machen. Zunächst köpfte Kapitän Tim Mulfinger aus kurzer Distanz über das Tor (15.), dann legte Samet Degermenci den Ball in die Mitte zu Halil Kutlu, der die Führung besorgte (18.). Hünfeld war im ersten Abschnitt vor allem über Standards gefährlich, aus dem Spiel heraus ging wenig, zumal die Hausherren in dieser Phase viel zu viele Fehlpässe produzierten. Eine schöne Kombination über Mulfinger, Degermenci und Kutlu brachte dann das 2:0. Wieder nutzten die Gäste einen Fehler, um schnell umzuschalten. Mulfinger schickte Degermenci, der zurück auf Kutlu legte, der nur noch einschieben musste (28.).

"Die Jungs haben in der zweiten Hälfte alles versucht und Moral bewiesen und gekämpft. Aber Fußball ist eine einfache Geschichte, du musst Tore schießen, das ist uns heute nicht gelungen", sagte Dominik Weber abschließend, der mit seiner Mannschaft vorerst mit dem Mittelfeld der Tabelle vorliebnehmen muss. Auf Seiten der Sprudelkicker lässt man sich angesichts der Platzierung nicht irritieren: "Wir sind keine Träumer, wir sind Aufsteiger. Wir spielen eine gute Runde und haben nächste Woche ein Spitzenspiel. Das haben wir uns erarbeitet und wir wollen da weiter machen. Aber es wäre vermessen zu sagen, dass wir aufsteigen wollen", hält Sead Mehic, der sich freute, dass endlich mal zu null gespielt wurde, den Ball flach. (Tobias Herrling)


DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

Hünfelder SV:
Tim Gutberlet - Ferhat Yildiz, Johannes Helmke, Tarek Belaarbi, Simon Schilling (82. Niklas Wahl) - Oliver Krenzer, Lukas Budenz, Sebastian Alles, Kevin Krieger - Christoph Neidhardt, Robert Simon. 

SG Bad Soden:
Arturo Gonzalez Garcia - Dimitrij Scheller, Anton Römmich, Christian Kress, Damian Sieniawski - Sven Hassler (84. Julian Purcell), Anil Albayrak, Samet Degermenci (67. Taner Harmancioglu), Tuna Moaremoglu - Tim Mulfinger, Halil Kutlu (73. Niklas Dietz).

Schiedsrichter:
Wissam Awada (Kassel).

Zuschauer:
200.

Tore:
0:1 Halil Kutlu (18.), 0:2 Halil Kutlu (28.). +++

X