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Es war einmal ... (1)

... ein abgestürzter Traditionsverein zu Gast in der Johannisau

Kultklub: Die Fans des SV Darmstadt 98
Archivfotos: Hendrik Urbin

08.10.2015 / FUSSBALL - Wer erinnert sich nicht an Gerd Müllers goldenes Tor 1974? Oder an Boris Beckers historischen Sieg in Wimbledon? Sportliche Höhepunkte, die in die Geschichte eingingen. Doch nicht nur auf der großen Bühne des Sports, sondern auch im Kleinen gibt es Momente, die mehr oder weniger präsent im Bewusstsein sind. "Es war einmal ..." ist eine Rubrik, die verblasste Erinnerungen an besondere Ereignisse oder Veranstaltungen wecken soll. Den Anfang macht die Borussia aus Fulda, die vor nicht allzu langer Zeit in einem Pflichtspiel auf einen jetzigen Bundesligisten traf.



6. Oktober 2007: Heimspiel für Borussia Fulda in der damaligen Oberliga in der heimischen Johannisau. Zu Gast ist der abgestürzte Traditionsverein SV Darmstadt 98, der nur noch von seinem ruhmreichen Namen als von sportlichen Glanzlichtern lebt und 2.500 Zuschauer in das Stadion der Stadt Fulda zieht. Acht Jahre später ist die Situation eine ganz andere: die Borussia spielt nach zwischenzeitlichem Absturz wieder in der Oberliga, die mittlerweile Hessenliga heißt. Doch die "Lilien" beeindruckten in den letzten Jahren ganz Fußball-Deutschland, als sie sich vom Fast-Absteiger in die Regionalliga binnen zweieinhalb Jahren zum Bundesligisten mauserten. "Aus Tradition anders", mit diesen Worten beschreibt sich der Verein, der sich über bundesweite Sympathien erfreut. Ein altes, abgeranztes Stadion, eine Mannschaft aus "Gescheiterten", die alles was sie hat in die Waagschale wirft und wenig Brimborium - es ist vermutlich gerade diese Kombination, warum man den Darmstädtern in Zeiten von Einheits-Arenen, VIP-Logen und bis in den letzten Winkel durch-kommerzialisierten Fußball die Daumen drückt. Denn Darmstadt, das ist Fußball-Romantik pur.

In der damaligen Startformation der Borussia stand Christopher Krause, der nach Stationen in Hünfeld und Flieden, seit zwei Jahren wieder in der Johannisau spielt und in der bisherigen Spielzeit auf sechs Einsätze kommt. Und an der Seitenlinie standen mit Karl-Josef Müller und Henry Lesser zwei Übungsleiter, die mit ihren jetzigen Vereinen Steinbach und Lehnerz Erfolge feiern. Während "Kalle" Müller von "Highlights für die Region" spricht, sieht Lesser die Spiele gegen Darmstadt gelassener. "Das war ganz normal in dieser Zeit, dass man gegen solche Vereine gespielt hat. Aber da sieht man mal, wie unterschiedlich Entwicklungen sein können“, spricht Lesser die verschiedenen Wege der Vereine an. Sein damaliger Trainerkollege, "Kalle" Müller, ist von der Darmstädter Renaissance angetan. "Die Geschichte von Darmstadt ist natürlich eine tolle Sache. Daran sieht man, dass Geld keine Tore schießt und der Stil von ehrlicher Arbeit leichter zum Erfolg führt als früher", kommt in Müller der Fußball-Romantiker durch.

Gleichzeitig trauert er aber besseren Zeiten hinterher: "Es ist schade, dass es schon so lange her ist, dass zuletzt so ein großer Name zu einem Pflichtspiel hier war." Der Steinbacher Trainer wünscht sich, dass ein hiesiger Verein wieder in solche Sphären vor stößt. "Wenn man sieht, wie viele Zuschauer die Hessenliga anziehen kann, dann merkt man, dass die Region nach höherklassigem Fußball lechzt." Klar, dass damit die Borussia gemeint ist, die mit großer Tradition, nostalgischem Stadion und enormen Fanpotential aufwarten könne. Übrigens: das Spiel damals endete aus Borussen-Sicht 1:5, weswegen sich "Kalle" Müller lieber an das Rückspiel im altehrwürdigen Böllenfalltor erinnert: "Dort haben wir 1:0 gewonnen und ihnen die Meisterschaft versaut", lacht "Kalle" Müller. (Tobias Herrling)+++

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