Borussia Fulda-Hauptsponsor R+S
Markus RÖHNER: "Politik und Region müssen mitziehen" - Ziel: Regionalliga
Fotos: Hendrik Urbin
14.08.2015 / FUSSBALL -
Der SC Borussia Fulda ist eine Marke in der Region und weit darüber hinaus bekannt. Die guten alten Zeiten, als der Club kurz vor dem Aufstieg in die zweite Liga mit 18.000 Zuschauern im Stadion stand, kennen noch viele. Dann kam aber die schwere Krise mit Insolvenz und Totalabsturz. Erst nach der Wiedergeburt des Vereins im Jahr 2013 geht es aufwärts. Einer von drei großen Förderern ist Markus Röhner, Vorstandsvorsitzender der R+S solutions Holding AG – nach eigenen Angaben "der größte Elektrokonzern in Deutschland". Sein Ziel war es damals, den Traditionsverein wieder zum einstigen Aushängeschild machen. Mit ON|Sport sprach der Manager über das Hessenliga-Derby 2.0 gegen den TSV Lehnerz.
ON|Sport: Das erste Derby haben die Borussen 1:0 gewonnen. Das war für Sie schon so ein besonderer Sieg, oder?
Markus Röhner: Ja, es war schon ein super Gefühl. Ich war vor dem Spiel sehr vorsichtig mit Prognosen. Mit einem Unentschieden wäre ich zufrieden gewesen, aber der Sieg hat richtig gut getan. Es war schon ein innerer Vorbeimarsch, die Belohnung für zweieinhalb Jahre harte Arbeit. Ich habe viele SMS, Mails und Anrufe bekommen - auch vom TSV-Management.
Drei Spiele sind rum, wir haben sieben Punkte. Besser hätte es gar nicht laufen können. Die Weichen werden jetzt aber neu gestellt. Die Lehnerzer sind sehr hoch motiviert: sie werden kämpfen bis zum Umfallen. Unsere Mannschaft ist aber gut gerüstet – Olli hat sie gut vorbereitet. Die Kulisse wird denk ich mal nicht ganz so groß sein. Aber 4.000 Zuschauer sind schon drin.
Klar. Schlimm wäre es, wenn es keine Rivalität geben würde. Das gehört einfach dazu. Lehnerz macht einen tollen Job und Borussia hat verbrannte Erde hinterlassen. Aber wir sind die Traditionsmarke der Region. Wir spornen uns gegenseitig an. Ob es gut ist, das Fulda zwei professionelle Hessenliga-Mannschaften hat, steht auf einem anderen Blatt.
Ganz einfach. Wir haben in der Region mit Flieden insgesamt drei Hessenligisten. Zählt man Hünfeld noch mit dazu, sind es sogar vier gute Clubs. Die Sponsoren können ihr Geld nur einmal ausgeben. Ich glaube die Region muss entscheiden, was zukünftig passieren soll. Die Frage heißt: Wer soll in den nächsten zwei Jahren höherklassig spielen? Das entscheiden die Zuschauer und die Sponsoren, die sich natürlich von ihrem Engagement einen Werbeeffekt versprechen. Es geht um Image und die überregionale Präsenz durch den Fußball.
Was bedeutet das für Borussia Fulda?
Die Politik muss sich klar zum Profi-Sport bekennen und kommunalen Unternehmen als Sponsoren mit ins Boot nehmen. Ohne sie geht es höherklassig (ab der Hessenliga, d. Red.) nicht. Die Clubs sind Wirtschaftsunternehmen. In Fulda denke ich da an die Sparkasse und die RhönENERGIE als Energieversorger der Region. Unser Ziel für Borussia sollte die Regionalliga sein. Dafür ist ein Etat zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Euro notwendig.
Und was heißt das wiederum für die R+S-Gruppe als Hauptsponsor?
Wenn wir erkennen, dass sich die Region beteiligt, gehen wir als Hauptsponsor definitiv mit. Das ist ein klares Bekenntnis. Wenn aber ein Unternehmen kommt, das mehr Geld bietet, ziehen wir uns auch ein Stückchen zurück.
Wenn es einem gut geht, muss man etwas für die Allgemeinheit tun. So viel zum Punkt Gesellschaft. Der Sport ist für uns als moderner Arbeitgeber wichtig und Fußball ist nun mal die Sportart schlechthin. Es ist ein Türöffner für junge Leute. Wir erreichen sie dort, wo sie ihre Freizeit verbringen, nämlich auf dem Sportplatz. Da ergeben sich Stellen für Auszubildende, Berufserfahrene und Praktikanten. Sport und Handwerk passen einfach zusammen.
Herr Röhner, Sie kommen viel in Deutschland rum. Werden Sie auch mal auf Borussia Fulda angesprochen?
Schon oft. Wie gesagt: Borussia war und ist Tradition. Wir sollten schon Trikotsponsor von Mainz, Nürnberg oder Lübeck werden. Auch Eintracht Frankfurt hat schon mal bei uns angeklopft. Das habe ich aber abgelehnt (lacht).
Interessant. Gehen wir aber wieder zurück zur Region. Ist es Ihnen wichtig, dass nur heimische Spieler bei Borussia spielen.
Von dem Thema „nur Spieler aus der Region“ müssen wir uns verabschieden. Das kann man gar nicht leisten. Wer höherklassig mitspielen möchte, muss den Anteil von Fremdspielern steigern. Das ist überall so. In dem Zusammenhang: wenn wir zwischen Borussia und Lehnerz ständige Wechsel von Spielern hätten, wäre das für mich ein K.O.-Kriterium. Es kann nicht sein, dass man sich gegenseitig die guten Leute wegschnappt. Das ist nicht fair.
Und der Wechsel Pomnitz (zu Borussia), Reith (zu Lehnerz)?
Das war eine Ausnahme.
Spannend. Dann zum Schluss: Wie geht das Derby 2.0 aus?
3:1 für Borussia Fulda – mit dem Quäntchen Glück werden wir in Lehnerz gewinnen.
Vielen Dank! (Christian P. Stadtfeld) +++