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Keine Mehrheit für eine Zukunft

Entscheidung der Stadtverordneten ein "Todesurteil" für Lullus-Sportpark

Das Bad Hersfelder Hessenstadion wird sich nicht in eine herausragende Sportanlage verwandeln ...
Fotos: Stefanie Harth

29.05.2015 / BAD HERSFELD - Die Mehrheit der Bad Hersfelder Stadtverordneten trug am gestrigen Donnerstagabend den Lullus-Sportpark endgültig zu Grabe: Bei einer Enthaltung aus den Reihen der SPD sprachen sich 24 Parlamentarier gegen und 19 Lokalpolitiker für das Projekt aus. Im Detail votierten bei der namentlichen Abstimmung SPD-Bündnis 90/Die Grünen-Stadtverordnetenfraktion – bis auf besagte Enthaltung – sowie vier Mitglieder der Fraktionsgemeinschaft gegen die Beschluss-vorlage, während CDU-, FDP-, NBL-Stadtverordnetenfraktion und ein Vertreter der Fraktions-gemeinschaft der Weiterführung des Großvorhabens in der Fuldaaue grünes Licht erteilten, das mit einer Erst-Investition (40.000 Euro für das Vergabeverfahren plus 150.000 für die eigentliche Planung) verbunden gewesen wäre.



Fakt ist, dass nun keine Experten mit der Anfertigung der entsprechenden Planungsunterlagen betraut werden, deren Erstellung nötig gewesen wäre, um in den möglichen Genuss von Fördermitteln aus dem Landeshaushalt zu kommen. Die Aufnahme ins Sonderinvestitionsprogramm „Herausragende Sportanlagen“ des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport, das eine Quote von 50 Prozent in Aussicht gestellt hatte, ist vom Tisch. Kopfschüttelnd und hämisch applaudierend verließen die Befürworter des Lullus-Sportparks nach der Abstimmung das Hohe Lufter Bürgerhaus, nachdem sie gespannt auf den Besucherrängen die dreistündige Marathonsitzung verfolgt hatten. Sie konnten es nicht fassen, dass die Mehrheit der Stadtverordneten zum dritten Mal dem Projekt „Lullus-Sportpark“, das Breiten-, Leistungs- und Behindertensport miteinander verbinden und das Miteinander unter den hiesigen Vereinen stärken sollte, keine Chance gaben.

Vorausgegangen war eine langwierige Diskussion, in deren Verlauf alle Fraktionen ihre Positionen verdeutlichten und verteidigten. Zu Beginn der Debatte gab sich Bürgermeister Thomas Fehling recht optimistisch: „Es wird gekämpft bis zum Abpfiff – und noch ist nicht abgepfiffen“, betonte der Rathaus-Chef. Dieter Herter (SPD) entgegnete: „In Zeiten des Haushaltssicherungskonzeptes können wir uns einen Lullus-Sportpark, der zurzeit noch viel zu viele ungeklärte Fragen aufwirft, schlicht und ergreifend nicht leisten.“ CDU-Fraktionsvorsitzender Gunter Grimm konterte: „Zur Umsetzung einer Idee bedarf es einer Planung – und diese kostet Geld. Nur dann ist eine Förderung seitens des Landes möglich.“ Zudem unterstrich er, dass sich 19 Bad Hersfelder Vereine für die Sportstätte ausgesprochen hätten. „Die Zeit, nur den Kontrahenten schaden zu wollen, sollte vorbei sein – im Interesse der Stadt, im Interesse der Vereine und im Interesse der Bürger.“ Hans-Jürgen Schülbe, Vorsitzender der Fraktionsgemeinschaft beteuerte: „Ich unterstütze alle Vereine, und nicht nur einige wenige. Überhaupt ist das Projekt auch im zweiten Jahr nicht durchdacht; es entpuppt sich als finanzielles Abenteuer.“

Ein Einwand, den Bernd Böhle, Vorsitzender der FDP-Fraktion, sogleich abschmetterte: „Der Lullus-Sportpark ist ein einzigartiges Pilotprojekt, das Breiten-, Leistungs- und Behindertensport miteinander verknüpft.“ In Hinblick auf den demographischen Wandel müsse zu einer ganzheitlichen Lösung gefunden werden. Wer etwas gestalten wolle, müsse auch in die Planung investieren. In gewohnter Manier schoss NBL-Fraktionsvorsitzender Michael Bock scharf in Richtung Lullus-Sportpark-Gegner: „Beim Jahnpark waren Sie dafür, beim Schilde-Park auch – und jetzt kommen Sie mit Haushaltsbedenken?! Lassen Sie uns die Planungsmittel – trotz aller Bedenken – bereitstellen. Wenn wir dann wissen, wie viele Mittel wir vom Land bekommen, können wir entscheiden, wie wir weiter vorgehen wollen.“

Nach einem nicht enden wollenden Schlagabtausch, ergriff ein sichtlich aufgewühlter Armin Leckel (NBL) das Wort: „Ich beantrage eine Sitzungsunterbrechung für zehn Minuten. Lasst uns eine Beschlussvorlage erarbeiten, mit der allen gedient ist. Lasst uns endlich mal etwas Vernünftiges auf den Weg bringen.“ Jedoch blieben auch nach dieser kurzen „Pause“ die Fronten verhärtet. Während Bürgermeister Thomas Fehling die Argumente der SPD-Bündnis 90/Die Grünen-Stadtverordnetenfraktion mit Nebelkerzen verglich, bekundete Carsten Lenz, dass man sich für alle Vereine einsetzen solle und nicht für ein mit hohen Kosten verbundenes, einzelnes Leuchtturmprojekt. „Wir werden in der nächsten Sitzung einen Antrag auf ein Gesamtkonzept zur Förderung aller Vereine einbringen.“ Schließlich: die ersehnte Abstimmung, die Klarheit bringen sollte. Das Todesurteil für den Lullus-Sportpark. (Stefanie Harth)  +++

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