Hilmar HERRMANN verpfeift keinen
Mit 76 Jahren der älteste Schiedsrichter in der Region
Fotos: Stefanie Harth
29.05.2015 / NIEDERAULA -
Hilmar Herrmann (76) fühlt sich auf vielen waldhessischen Sportplätzen heimisch. „Ich kann überall hinkommen – mich wollen sie alle haben“, betont das Schiedsrichter-Urgestein, das seit 2010 vom SV Niederjossa 1920 e.V. abgestellt wird und hauptsächlich Fußballspiele in der Kreisliga C sowie Partien zwischen Jugendmannschaften leitet. Dass der gebürtige Neukirchener, der mittlerweile in Solms (Niederaula) wohnt, auf den heimischen Rasen gerne gesehen ist, ist kein Wunder: kann er doch auf langjährige Erfahrungen als Spieler und Schiri zurückblicken.
40 Jahre lang kickte er aktiv im Amateurbereich – 1. FC Neukirchen (Haunetal), TSG Frankfurt Niederrad, VfL Philippsthal und VfL Heimboldshausen waren seine Vereine. 1991 absolvierte Hilmar Herrmann einen Schiedsrichterlehrgang. „Der VfL Heimboldshausen wollte damals sein 70-jähriges Bestehen mit einer großen Sportwoche feiern, verfügte aber über keinen Referee“, erzählt er. „Damit die Festveranstaltung stattfinden konnte, bin ich eingesprungen und habe die Schiri-Prüfung abgelegt.“ Von den 18 Fußballenthusiasten, die mit ihm gemeinsam die Prüfung erfolgreich abschlossen, pfeifen derzeit neben Hilmar Herrmann nur noch zwei weitere Unparteiische: einer von ihnen ist Kreis-Schiedsrichter-Lehrwart Karsten Vollmar.
„Das Schiri-Dasein hält fit“
Mit seinen 76-Jahren stellt Hilmar Herrmann den ältesten Unparteiischen im hiesigen Bezirk dar. „Kondition habe ich genug“, unterstreicht er. „Als Schiri bist du derjenige Akteur auf dem Platz, der am meisten rückwärts laufen muss – das Schiri-Dasein hält fit.“ Auf dem Rasen gibt sich der beliebte Kultschiri aus Solms sehr human. Mit roten Karten hält er sich zurück. „Als ehemaliger aktiver Fußballer habe ich den Vorteil, dass ich Fouls im Ansatz erkenne und Tätlichkeiten früher und besser einschätzen kann.“ Je näher er am Ballgeschehen sei, desto besser pfeife er. Als alter Fuchs auf dem Platz ist Hilmar Herrmann selbstverständlich für alle Eventualitäten bestens gewappnet. „Ich habe in meiner Brusttasche immer einen Kugelschreiber und einen Bleistift parat. Wenn es regnet, kann ich mit einem Kuli nichts aufschreiben – mit einem Bleistift hingegen schon.“
Überhaupt lässt sich der mit etlichen Auszeichnungen dekorierte Referee auf die mannigfaltigsten Spielweisen, die zwischen den Altersgruppen und Klassen vorherrschen, ein. „Da gibt es gravierende Unterschiede, die du als Schiri berücksichtigen musst“, sagt er. „Wenn ich beispielsweise Jugendmannschaften pfeife, nehme ich mir während des Spiels die Zeit, den Jungs etwas zu erklären. Wenn ein Jungkicker einen falschen Einwurf macht, zeige ich ihm seinen Fehler auf und lasse ihn den Einwurf wiederholen.“ Eine Einstellung, die sich bewährt hat: Respektlos ist Hilmar Herrmann noch kein Fußballer gegenübergetreten.
Gerne erinnert sich der Solmser an seine Zeit bei der TSG Frankfurt Niederrad zurück, für die er von 1955 bis 1958 während seiner Maurerausbildung – Lehrstellen waren in jenen Tagen in seiner Heimat rar gesät – seine Fußballschuhe schnürte. „Anstatt Spielergeld gab es damals Einkaufsgutscheine, so war ich immer topmodisch gekleidet“, meint er augenzwinkernd. „Vom Fußball her war das meine schönste Zeit.“ Vormittags hätten er und seine Mannschaftskollegen den Mädels beim Handballspielen zugeschaut, nachmittags hätten die Mädels den heißen Tanz auf dem Rasen, den die Jungs hinlegten, bestaunt. Einmal seien er und seine Kumpel nach einer Kneipentour durch Frankfurts Ebbelwoi-Kneipen so angetüdelt gewesen, dass sie mitten auf der Adickesallee Fußball gespielt hätten. „Ein Straßenbahnfahrer hat uns vor der anrückenden Polizeistreife gerettet“, verrät er.
In Niederrad tauchte Hilmar Herrmann auch in die Welt der versteckten Fouls ein, die bei der TSG einmal pro Woche trainiert wurden. In Hersfeld-Rotenburg war diese Taktik noch gänzlich unbekannt. „Zurück beim 1. FC Neukirchen titulierte man mich mit Beschimpfungen, wie ‚Diese foule Sau!‘“, erzählt die Niederaulaer Schiri-Legende lachend. Apropos Fouls: Am Samstag, 30. Mai, sorgt Hilmar Herrmann wieder für „Fairplay“ auf heimischem Rasen, wenn er die Kreisliga C-Partie zwischen dem SV Unterhaun II und dem ESV Ronshausen II leitet. Sein letztes Spiel für diese Saison. Nach Ablauf der nächsten Saison will der 76-Jährige seine Schiri-Laufbahn definitiv beenden. Schade, aber nach 25 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit im Referee-Metier hat er sich den Ruhestand vollends verdient. (Stefanie Harth) +++