Vom blonden Dummchen zur roten Zora

Studien zeigen: Was meine Haarfarbe über mich verrät


Foto: Jörg Brinckheger/ pixelio.de

31.03.2015 / REGION - Das blonde Blödchen, die rote Temperamentvolle, die braunhaarige Solide und die melancholische Schwarze – alles Verbindungen, die uns keinesfalls fremd sind. Haarfarben werden gern mit bestimmten Charaktereigenschaften in Zusammenhang gebracht. Das ist nicht ausgedacht, sondern wird im Gegenteil eher befeuert: es gibt nicht nur Blondinenwitze, es ist auch erwiesen, dass Haarfarben in der Film- und Werbebranche gezielt eingesetzt werden, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Sind es also nur gängige Klischees oder stimmt es, dass jede Haarfarbe mit bestimmten Eigenschaften besetzt ist?



Das erste Mal Gedanken über die Wirkung meiner Haare habe ich mir als Promoterin gemacht, sozusagen in der Direktkommunikation. Ich war neben meinem Studium für eine der ältesten Promotionsagenturen in den neuen Bundesländern tätig, habe für alles auf der Straße geworben, egal ob für Vita Cola, Handyverträge oder Zeitungsabos. Ich habe es immer schon geliebt, meinen Typ zu verändern. Das geht nicht nur über Kleidung – denn das kostet eine Menge, sondern schnell und einfach über verschiedene Frisuren. Die radikale Veränderung meiner Haarfarbe und –länge ist bis heute unter Kollegen berühmt. Und je nachdem, welche Haarfarbe ich gerade trug, wurde ich auf der Straße anders wahrgenommen. Als blondes Mädchen wurde ich nicht ernst genommen, mit roten Haaren bekam ich schon mal einen überflüssigen Anmachspruch gedrückt, der weit über „wollen wir zusammen einen Kaffee trinken", hinausging.

Es war eine Art Selbststudie sozusagen. Trotzdem konnte ich es nicht fassen: sollte meine Haarfarbe wirklich so sehr darüber entscheiden, wie ich beim ersten Eindruck wahrgenommen werde? Ist die Wirkung der Haarfarben tatsächlich so klischeebesetzt? Doch nicht nur mein eigener kleiner Selbstversuch hat genau das bestätigt, es gibt mittlerweile ganze Reihen an Studien zum Thema Haare und Psychologie.

Laut Studie sind Blonde labil und Schwarzhaarige erfolgreich

Experte auf diesem Gebiet ist vor allem Professor Ronald Henss, der mit seinem eigenen Verlag viel Literatur zum Thema herausgegeben hat. Auf seiner Homepage stellt er zum Beispiel die Diplomarbeit von Martin Rinck aus dem Jahre 2002 vor. Ausgangspunkt der Studie war die Annahme, dass unterschiedliche Haarfarben beim Betrachter unterschiedliche Eindrücke erwecken. Dazu wurden Portraitfotos von zehn jungen Frauen genutzt und mit Hilfe eines Programmes zu jedem Foto acht Bildvariationen mit unterschiedlichen Haarfarben und –längen gebastelt und verschiedenen Betrachtern vorgelegt. Die Ergebnisse sprechen für sich (Quelle: http://www.haar-und-psychologie.de/haarfarben/haarfarben-rinck.html )

Emotionale Labilität: Am labilsten wirkte blondes Haar, am stabilsten rotes. Dieser Unterschied ist statistisch signifikant. Braun und schwarz nehmen eine Mittelstellung ein, wobei sich diese weder signifikant von blond noch von rot unterschieden.
Risikobereitschaft/Extraversion: Rotes Haar erzielte mit Abstand die höchsten Werte. Schwarzes Haar eindeutig die niedrigsten. Blond und Braun lagen in der Mitte.
Soziale Verträglichkeit: Das exakte Spiegelbild zu Risikoberetischaft/Extraversion. Das heißt: Schwarzes Haar erschien mit Abstand am verträglichsten, rotes am unverträglichsten und blond und braun lagen gleichauf dazwischen.
Berufserfolg: Schwarzes Haar schnitt wesentlich besser ab als blondes, braunes und rotes, die sich ihrerseits nicht voneinander unterschieden (dieser Effekt kann aber nicht uneingeschränkt über alle zehn Frauen verallgemeinert werden).
Unstetigkeit: Hier erzielte blondes Haar die höchsten Werte (also: gesellig, aber ungenau), schwarzes die niedrigsten und braun und rot lagen dazwischen. 

In ihrer empirischen Untersuchung „Die Psychologie des ersten Eindrucks“ aus dem Jahr 2008 haben Professor Reinhold Bergler und die Psychologin Dr. Tanja Hoff festgestellt: Frauen meinen an den Haaren ablesen zu können, wie gesund, trendy oder temperamentvoll jemand ist. Männer trauen sich sogar zu, über die Haare etwas zu Intelligenz, Leistungsorientierung und Selbstbewusstsein sagen zu können. Allerdings würden sie sich damit laut Studie weit überschätzen.

Friseure wissen: der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Dass viele Menschen ihre Haare bewusst tragen und mit einer Frisur die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe ausdrücken wollen, weiß auch Kim Döppler aus Fulda. Sie ist Friseurin bei der Cutting Crew und hat schon die verschiedensten Leute frisiert. Dabei ist ihr aufgefallen, dass sich vor allem Frauen oft nach den Vorstellungen ihrer Männer richten würden mit Sätzen wie „also kurz mag mein Mann gar nicht“ o.ä. Außerdem stimme es, dass Frauen sich radikal verändern, wenn sich auch in ihrem Leben etwas verändert hat, wie z.B. die Trennung von einem Mann. Man möchte sozusagen das alte Ich ablegen. „Man wird durch Haarfarben schon in Schubladen gesteckt“, so Döppler. Sie ist der Ansicht, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Dadurch würden auch die gängigen Klischees entstehen, da aber in den seltensten Fällen stimmen.

Es war also keine Einbildung meinerseits, dass ich unterschiedlich wahrgenommen wurde, je nach Haarfarbe. Die Klischees halten sich seit Jahren hartnäckig in den Köpfen – vor allem – der Männer. Aber daran muss man nicht verzweifeln: im Gegenteil, man kann auch gut damit spielen. Wer wirklich an mir als Mensch interessiert ist, der lässt sich auf lange Sicht sowieso nicht von meiner Haarlänge oder -farbe beeinflussen, sondern nutzt eine andere Art der Kommunikation: das Gespräch. (Anne Baumann) +++

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