WIELOCHS WIRRE WELT (71)
Halleluja! Nie mehr Konzerte vorm Dom – Nur Bischof hat Zutritt
20.03.2015 / REGION -
Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen hat es derzeit wirklich nicht leicht. Nachdem er unlängst das Leben im bischöflichen 174-Quadratmeter-Palais als „Zumutung“ bezeichnet hatte, sind ihm jetzt die Konzerte auf dem Domplatz ein Dorn im Auge. Die Kritik ist nachvollziehbar. Der Wimpernschlag von gerade mal 730 Tagen zwischen den Auftritten von heiteren Dorfmusikanten wie Montserrat Caballé, Chris de Burgh, Joe Cocker oder Elton John reicht Algermissen verständlicherweise nicht aus, um sich von tiefen Bässen und fröhlichen Konzertbesuchern zu erholen. Der Menschenfischer im Auftrag des Herrn, der lieber im stillen Waldsee seine Angel auswirft als auf dem überfüllten Domplatz auf Neukunden-Akquise zu gehen, sieht die Würde des Gotteshauses in Gefahr und bemängelt die blockierten Haupteingänge durch monströse Bühnenaufbauten.
Fakt ist: So wie jetzt kann und darf es nicht weitergehen. Das Signal, das Fulda alle zwei Jahre in die Republik entsendet, ist verheerend. Glückliche Menschen, Alte und Junge friedlich miteinander vereint, singend, lachend und klatschend vor einer atemberaubenden sakralen Kulisse. Hätte der liebe Gott eine Eintrittskarte und müsste nicht von oben zuschauen, würde auch er die Pforten des Doms St. Salvator zu Fulda sofort von innen verriegeln. Im schlimmsten Fall könnten sich ja Menschen, göttliche Geschöpfe, in das Gebäude verirren, eine Kerze anzünden, im Gebet verweilen oder gar am Glauben gefallen finden. Gott bewahre! Staubsaugervertreter freuen sich ja auch nicht über Kunden, die offen für ein neues Reinigungsgerät sind.
Algermissens Menschen-Allergie auf dem Domplatz hat das Bistum zum Umdenken veranlasst. Weil es hier künftig ehrfurchtsvoll und mucksmäuschenstill zugehen soll, findet die diesjährige Fronleichnams-Feier mit Prozession unweit des bisherigen Standortes im schalldichten Tunnel der Weimarer Straße statt. Der bietet unabhängig vom Wetter genügend Raum für die erwarteten 150 Teilnehmer. Damit das Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi für jüngere Menschen noch attraktiver wird, will der Bischof das Konzept revolutionieren, frischer und moderner gestalten. Fronleichnam beginnt bereits um 5.15 Uhr mit der Missa lecta, der stillen Messe, im Flüsterton in lateinischer Sprache. Auf Gesänge, musikalische Begleitung, Mikrofone, Lautsprecher und Glockengeläut wird vollständig verzichtet. So soll auch vermieden werden, dass – wie bereits bei einem Konzert geschehen – durch die „unerträglichen Bässe“ der Orgel ein Bild von der Wand im bischöflichen Palais fällt.
Das Begehen des Domplatzes ist ab sofort ein Privileg des Bischofs. Nur in absoluten Ausnahmefällen nach schriftlicher Genehmigung und einer großzügigen Spende in den Klingelbeutel dürfen Einzelbesucher die Pflastersteine in extrem reibungsarmen und damit geräuschdämmenden Museumspantoffeln betreten. Alternativ können bei Regennässe und Glätte vom Bistum lizenzierte Frotteeschuhe mit speziellen Christstollen erworben werden. Diese gewährleisten bei optimierter Bodenhaftung maximale Laufruhe, um der Würde des Platzes zu entsprechen und den Bischof akustisch nicht zu stören.