Närrischer Gottesdienst

Friedensmesse in Stadtpfarrkirche: "So könnt´s jeden Sonntag abgehen!" VIDEO

Anzünden der Friedenskerze durch Pfarrer Werner Vogel ...
Fotos: Martin Engel

19.01.2015 / FULDA - Drei Löwenköpfe schauten am Sonntagmittag in der Stadtpfarrkirche St. Blasius Richtung Altar, als Pfarrer Werner Vogel eine ungewöhnliche Predigt hielt. In Reimen – wie es schon Tradition hat bei der Friedensmesse zur Fuldaer Foaset. Zum 25. Mal wurde in Fulda dieser Gottesdienst gehalten, bei dem auch an diesem Sonntag wieder das Narrenvolk zahlreich zugegen war. Prinz Olaf Denticus LXXIV., Prinzenmariechen Sofia Alexiou, die Adjudanten Andreas Muhl und Karsten Quell, das Gefolge der Fuldaer Karneval-Gesellschaft, die Tollitäten der Randstaaten und die vielen Narren der regionalen Vereine zauberten ein ungewöhnliches Bild in die Stadtpfarrkirche.

Hinter den Messdieners waren zwar die Fahnenträger der Randstaaten und benachbarten Vereinen eingelaufen, es sollte dennoch ein Gottesdienst werden, der zur Nachdenklichkeit und Friedfertigkeit aufrief. In Gedenken an aktuelle Geschehnisse, Krieg und Gewalt, wurde die Friedenskerze zum 25. Mal entzündet. Dazu spielte der Musikverein Niesig eine feierliche Fanfare. Prinz Olaf hielt die Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an die Kolosser – „Ertragt euch gegenseitig. Vor allem aber: liebt einander.“

Pfarrer Vogel, der den Gottesdienst schon viele Jahre begleitet, predigte traditionell in Reimform. Auszüge aus der elfminütigen Predigt:

„Ihr wisst, ich brauch es nicht zu sagen,
es ist so Brauch in diesen Tagen,
dass der Prediger in Versen spricht
um zu verkünden Gottes Licht,
das die Herzen der Menschen erleuchten soll
und auch die Fastnachtsgemeinde von Föllsch Foll.
In Reimen halt ich heute den Spiegel euch vor
und verbinde das Ernste mit Humor.

Dieser Friede Gottes soll uns heute berühren,
seine Liebe uns zur Umkehr führen.
Das ist heute unsre Bitte,
dass Gott den Frieden stärkt in unsrer Mitte.

Lasst Güte, Demut und Liebe walten,
dann werden die Herzen nicht erkalten.
Verzeihen und wirklich vergeben,
das schenkt jedem ein neues Leben.
Vertragen wir uns wieder wie in alten Zeiten,
versöhnen und lieben uns und beenden das Streiten.

Ich glaube fest daran,
dass Freude ein Weg zum Himmel sein kann.
Und die wünsch ich allen, die heut hierher kamen.
Wie in jedem Jahr sag´ ich auch heute
- und bin dabei erfüllt von Freude -
Fölsch Foll hinein und
in Gottes Namen: Amen.“


Die Fuldaer Stadtschisser, das singende Quartett der Florengäßner Brunnenzeche, hatte sich für die Zeit des Gottesdienstes unbenannt: Als Florengäßner Halleluja-Singers gestalteten auch sie den Gottesdienst mit. „So könnt´s jeden Sonntag abgehen!“ – Pfarrer Stefan Buß war begeistert vom närrischen Gottesdienst. „Ich bin noch nicht so lang dabei, ihr müsst mich in vielen Dingen noch ein wenig schulen. Aber ich finde das einfach toll!“ rief er den vielen Menschen zu, die gekommen waren. Der Bitte von Pfarrer Vogel, den Gottesdienst ein letztes Mal halten zu können, sei er ebenso gern nachgekommen, wie der Bitte, dessen Nachfolge anzutreten. Pfarrer Vogel tritt seinen wohlverdienten Ruhestand an - nicht ohne einen langen Beifall der närrischen Gemeinde.


Hintergrund:


Die Friedensmesse wird seit 1991 gehalten. Damals wurden wegen des Golfkrieges alle närrischen Veranstaltungen abgesagt. Auf Initiative des Carneval-Clubs Haimbach hatte man damals begonnen, zu einem Friedensgottesdienst in die Haimbacher St. Markus-Kirche einzuladen. Seit einigen Jahren findet das Ereignis nun in der Stadtpfarrkirche statt und wird von Familie Süssemilch (Florengäßner Brunnenzeche) organisiert. Viele Jahre wurde der Gottesdienst geleitet von Pfarrer Werner Vogel, der in diesem Jahr an seinen Nachfolger Stefan Buß übergeben hat. (am)+++

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