TSV Lehnerz - SV Wehen/Wiesbaden 1:2 n.V. (1:1, 1:0)
"Einfach nur wahnsinnig bitter" - TSV verpasst die Pokal-Sensation um Haaresbreite
Alle Fotos: Julius Böhm
16.11.2014 / FUSSBALL -
Es war mehr als nur ein tausendfaches Raunen, als der Ball nach 119 Minuten an die Latte klatschte und vor der Linie wieder aufdoppte - den Nachschussversuch per Kopf hatte Wehens Keeper Florian Fromlowitz sicher in den Händen. Dies war die letzte Chance eines denkwürdigen Pokalspiels und die letzte Chance, die der TSV Lehnerz gegen den SV Wehen Wiesbaden hatte. Mit einem blauen Auge ist der Drittliga-Tabellenführer davon gekommen und zieht mit einem 2:1-Sieg nach Verlängerung in das Halbfinale des Hessenpokals ein.
"Das ist einfach nur wahnsinnig bitter da in der letzten Minute die Latte zu treffen", sagte Lehnerz’ Kemal Sarvan, der die Sensation auf dem Fuß hatte, "wir haben wirklich gut gespielt und wollten unbedingt gewinnen - schade, dass wir so ein Pech hatten." Sarvan kam in der letzten Minute der Verlängerung irgendwie an den Ball, zog ab, traf aber nur die Latte. Auch Pierre Mistrettas Flugkopfball-Nachschuss blieb erfolglos. Bereits wenige Minuten zuvor scheiterte Mistretta im Eins-gegen-Eins gegen Florian Fromlowitz, der immerhin schon einige Bundesliga-Spiele auf dem Buckel hat und alle Junioren-Nationalmannschaften durchlaufen hat.
Aus Lehnerzer sich begann das Spiel jedoch perfekt: Defensiv hatte man die Profis aus der Landeshauptstadt so gut wie im Griff. Mit zwei Viererketten machte der TSV die Räume extrem eng und zwang den SVW dazu, über die Außenbahnen zu spielen. Bis auf einige Versuche aus der Distanz blieb der Tabellenführer der dritten Liga äußerst blass. Auf der anderen Seite fiel das frühe 1:0. Dominik Rummel setzte sich schön durch, zog einige Verteidiger auf sich und schloss ab. Der Ball wurde abgefälscht und landete per Bogenlampe beim völlig freistehenden Patrick Lesser, der die Ruhe behielt.
Nach der Wehener Führung in der Verlängerung verpasste Lehnerz mehrfach den Ausgleich. "Trotz der klaren spielerischen Überlegenheit hatten wir sogar mehr und auch die klareren Torchancen", bilanzierte TSV-Trainer Henry Lesser den Pokalfight, "ich bin froh, dass wir so gut gespielt und gekämpft haben - das ist für mich das wichtigste." Der TSV Lehnerz hat sich mit diesem sensationell spannenden Pokalnachmittag beinahe selbst ein Denkmal gesetzt. Im Hessenpokal-Halbfinale hätte Kickers Offenbach oder der KSV Hessen Kassel gewartet - hach, wäre das schön gewesen. (Julius Böhm)
TSV Lehnerz: Kaiser - Odenwald, Kress, Bartel, Breunung - Schaaf, Sarvan - Mistretta, Tusha (55. Wiegand), Lesser (77. Wollny), Rummel (65. Vogt).
SV Wehen Wiesbaden: Fromlowitz - Müller, Funk, Riemann, Benyamina, Wein, Ahlschwede, Schnellbacher (6. Book), Wiemann, Nandzik, Schindler (83. Jänicke).
Schiedsrichter: Timo Ide (Ohetal).
Zuschauer: 1.200.
Tore: 1:0 Patrick Lesser (8.), 1:1 Soufian Benyamina (62.), 1:2 Tobias Jänicke (99.). (jub)+++