Tagesablauf dreht sich um schwerbehinderten Sohn
"Delphine sind so wunderbar" - Therapie gibt NICO (16) Kraft
28.08.2014 / HAUNECK -
"Nico blüht richtig auf, die Therapie gefällt ihm super gut", beschreibt Tina Heidler den Gemütszustand ihres Bruders Nico. Der 16-Jährige leidet seit seiner Geburt an einer schweren Hirnschädigung. Er kann weder laufen noch sprechen. Nico muß gefüttert werden. Praktisch rund um die Uhr benötigt er Betreuung. Seine Schwester Tina ist für ihn da, ebenso die Oma und ihre gehörlosen Eltern. Der Alltag ist keineswegs einfach und geprägt von Therapien und dem Besuch der praktisch-bildbaren Schule in Bebra.
Doch Tina klagt nicht. "Sein Lächeln ist für mich Motivation und Ansporn", sagt die 24-Jährige. Und doch machen sich die Heidlers Gedanken, wie sie Nico in seiner Entwicklung noch besser unterstützen können. In 2005 erfahren sie erstmals von einer Delphin-Therapie in der Karibik und beschließen, diese Methode auszuprobieren. In zwei Wochen fliegen die Heidlers nun schon bereits zum elften Mal rüber zu den Delphinen. Und nein, es ist kein Urlaub. Die Bankkauffrau beschreibt, wieso sich die Delphin-Therapie lohnt. Immerhin kostet die zweiwöchige Behandlung rund 5.500 Euro - ohne Flug und Hotel. Tina Heidler macht aber auch deutlich: "Ob eine Delphin-Therapie Sinn macht, muß jede betroffene Familie für sich selbst herausfinden."
Zu der zweiwöchigen Behandlung gehört auch das Familienschwimmen. "Man kann es nicht in Worte fassen. Die Delphine sind große Tiere, so schön", sagt die 24-Jährige begeistert. Der gemeinsame Kontakt zu den Meeressäugern sei wichtig. Die Delphine sind gutmütiige Tiere, die spüren, was das Kind braucht. So schwimmen die Delphine etwa bei Kindern mit halbseitiger Einschränkung bewusst an die eingeschränkte Körperseite und regen so die Bewegung an. Sie spielen mit den Menschen, sie geben Entspannung, Lockerheit, eben ein gutes Gefühl weiter. "Einige Patienten sagen, Delphine seien so eindrucksvolle Wesen, doch könnten sie weder sprechen noch laufen. „Der Delphin ist genau wie ich“. Das mache den Delphin zum erkennbaren Therapiepartner, für die Kinder und Jugendlichen gerne mehr zu leisten bereit seien.
Die Delphintherapie wirke allerdings kein Jahr nach. Zu Hause im Haunecker Ortsteil Eitra stehen nahezu täglich weitere Therapien an. Ob Logopädie, Mundtherapie, Ergotherapie oder pysikalische Behandlungen - der Alltag ist neben dem Besuch der Schule mit Fahrten in Therapieeinrichtungen oder den Besuchen in den eigenen vier Wänden etwa vom Ergotherapeuten Peter Ellenberger bestimmt. Seit wenigen Wochen besucht Nico die Reittherapie auf dem Hof Schnuppstrupp in Haunetal-Oberstoppel. "Er knutscht das Pferd. Nico freut sich so, wenn er bei den Pferden ist", sagt seine Schwester.
Ihre Erfahrungen gerade auch mit den Delphinen gibt Tina Heidler gerne weiter. So kam über ihren Arbeitskollegen Rene Altmann der Kontakt zur Familie Diebel aus Niederaula zustande. Der dreijährige Sohn Ben leidet ebenfalls an einer Hirnschädigung, benötigt viele Therapien und musste mehrmals operiert werden. Zusammen mit seinen Eltern Martin und Anja und Bruder Lucas befindet sich Ben derzeit zur Familientherapie auf Curacao. Gerade sein Bruder Lucas ist für Ben die beste Therapie. "Für uns ist es wichtig, dass wir uns mit ebenfalls betroffenen Eltern austauschen können. Sie haben mehr Verständnis für die Situation. Es sind bereits neue Freundschaften entstanden", sagt Martin. In wenigen Tagen werden sich die beiden Familien an der Südkaribik wiedersehen. Wenn die Augen ihres Kindes oder ihres Bruders strahlen, dann wissen sie genau: Die Therapie mit den Tieren ist ein Schatz, für welchen sich jede Mühe lohnt.
Weitere Informationen: Delphintherapie: http://www.curacaodolphintherapy.com
Pferdetherapie in Haunetal-Oberstoppel: http://www.schnuppstrupp.de . (Hans-Hubertus Braune) +++