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Das Schlüchterner Läuferwunder

Trainer Ewald Heckmann führt Leichtathletiktalente an die deutsche Spitze



20.08.2014 / LAUFEN - Rang fünf, vier, drei und zwei: Die SG Schlüchtern ist in der deutschen Leichtathletikszene derzeit in aller Munde. Bei den U16-Deutschen Meisterschaften gewann Charlotte Föller über 300 Meter Hürden Silber. Bronze gab es für Jaakkima Rösler (U20) über die 400 Meter Hürden, Rang fünf für seinen Zwillingsbruder Aleksi über die Flachstrecke. Und die 4x400 Meter-Staffel wurde mit den beiden Röslers, Oliver Egner und Veit Schmitt Vierter. Der Vater des Erfolges ist Ewald Heckmann. Seit drei Jahrzehnten kümmert sich der 64-Jährige um die Talente. Auch der schnellste Hesse, Michael Pohl, und Dirk Löwe, Bronzegewinner über 100 Meter bei den Deutschen Meisterschaften M45, haben bei dem ehemaligen Lehrer der Beruflichen Schulen Schlüchtern das Sprinten gelernt.



„Talent macht 20 Prozent aus, der Rest ist harte Knochenarbeit“, betont Ewald Heckmann, der selbst erst im Alter von 41 Jahren beim Rhön-Super-Cup mit Langläufen angefangen hatte. Wichtig sei die Freude am Sport und dem Wettkampf. Dies habe man bei den Europameisterschaften vor einer Woche beim Hammerwurf der Frauen deutlich gesehen. „Weltrekordlerin Betty Heidler war verkrampft und wurde nur Fünfte, Kathrin Klaas hat gelacht und es nicht knochenernst genommen, wenn ein Versuch misslang und hätte fast Bronze gewonnen.“ In Schlüchtern nimmt Heckmann alle Athleten unter seine Fittiche. „Ich bin der einzige Trainer im Verein. Immer wieder stoßen junge Leute dazu. Der Zuspruch ist enorm. Ich kann mich nicht beklagen. “ Der Coach legt großen Wert darauf, dass alle Disziplinen trainiert werden. „Egal, ob einer im Wettkampf Stabhochsprung oder Hürdenlauf macht, da beim Mehrkampf die meisten Muskelgruppen angesprochen werden.“ Trainiert wird dreimal wöchentlich auf der Anlage in den Auwiesen. Die Kaderathleten Charlotte Föller und Aleksi und Jaakkima Rösler sind zusätzlich zweimal in der Woche im Stützpunkt in Neu-Isenburg. Oliver Egner trainiert unregelmäßig ebenfalls dort mit.

Akribisch genau arbeitet der Heimtrainer den von Kadertrainer Robert Schieferer aufgestellten Trainingsplan ab. Und der hat es für die Rösler-Zwillinge in sich: 5x800 Meter unter 2:48 Minuten, kurze Pause, 5x100 Meter unter 14,5 Sekunden bei 30 Sekunden Pause. Charlotte Föller läuft sechsmal über 600 Meter, hat zweieinhalb Minuten Pause zwischen den Läufen und geht dann sechsmal auf die 100 Meter. „Um schneller zu werden, müssen die unteren Distanzen trainiert werden. Alle drei haben Ausdauer und können das Feld von hinten aufrollen wie Jaakkima Rösler bei seinem Bronzelauf, als er als Vorletzter auf die Ziellinie einbog. Auch Charlotte kam bei der DM die letzten 100 Meter angeflogen und hat in ihrem Endlauf alle überholt“, berichtet Ewald Heckmann.

Dass die Mittelstreckler der SG Schlüchtern so erfolgreich über die Hürden-Strecken sind, liegt auch an der intensiven Arbeit an der Hürdentechnik. „Charlotte Föller beispielsweise wechselt in der Kurve das Bein und geht mit dem Schwungbein über die Hürden. Bei vielen anderen sieht es dagegen nach Hürdenspringen aus, das den Laufrhythmus unterbricht“, plaudert der Erfolgstrainer aus dem Nähkästchen und verrät, dass sich Aleksi Rösler in diesem Jahr noch an den 800 Metern versuchen will. Ewald Heckmann ist in der Schlüchterner Leichtathletik der Mann für alle Fälle. Ob Hochleistungssport à la Michael Pohl oder wettkampforientierter Breitensport, Heckmann fördert und fordert sie alle. Da ist der Start beim Jedermanns-Zehnkampf am 13./14. September für die Trainingsriege Pflicht. „Im Vorjahr waren wir die beste Mannschaft in Hessen.“ Und diesem Titel will er nach den grandiosen Erfolgen der vergangenen Wochen und Monaten nur zu gern verteidigen. (Dietmar Kelkel) +++

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