Der Stadtpfarrer bei O|N
Stefan Buß: Allerheiligen - Werden wie Gott uns gedacht hat
Archivfoto: O|N
31.10.2026 / FULDA -
Wie geht es Ihnen mit dem Wort heilig? "Der ist vielleicht ein Heiliger!" Das wird eher verächtlich ausgesprochen, bedeutete so viel wie: Spaßbremse, Besserwisser zu sein, jemand, der die Einhaltung der Regeln über alles andere stellt.
Manchmal muss ich mir auch anhören: Du – gemeint ist: als kirchliche Mitarbeiter – bist ja gar nicht so heilig wie ich befürchtet habe. Auch mit kirchlichen Heiligsprechungen tun sich heute viele Menschen schwer, scheint doch dabei das Urteil der Menschen über einen anderen Menschen das Maß aller Dinge zu sein.
Heilige werden dabei zu oft so idealisiert, dass man hinter diesem Heiligkeitsanspruch den Menschen mit seinen Fehlern und Schwächen gar nicht mehr wahrnimmt. Man selbst kommt sich daneben nur noch kleiner und fehlerhafter vor. Ist heilig zu sein also nur etwas für absolute Ausnahmegestalten oder ist es etwas, was jeder von uns anstreben kann? Gibt es einen zeitgemäßen Begriff der Heiligkeit, den wir als Ziel anstreben können?
Heilig zu sein könnte also auch heißen, trotz allem, was uns widerfährt, an der Positivität des Lebens fest zu halten. Darauf zu vertrauen, dass Gott es gut mit uns meint. Darauf zu vertrauen, dass wir berufen sind, die Würde der Gotteskindschaft zu leben, immer wieder, entgegen allem, was uns immer wieder Unheil macht. Heilig zu sein bedeutet also, ein anderes Leben zu führen als das bequeme. Und Heilige sind Menschen, die den Mut haben, anders zu sein, die sich nicht anpassen an den Zeitgeist. Es sind Menschen, die sich ganz auf Gott einlassen, weil sie daran glauben, dass sie ihren Lohn von Gott bekommen und nicht durch die Zustimmung der Menschen. Und genau das feiern wir an Allerheiligen. Vielleicht begegnen uns immer wieder auch Heilige in unserem Alltag. Menschen, die etwas von der Liebe Gottes in ihrem Alltag durchleuchten lassen. (Stefan Buß) +++