Weiterbildung für angehende Lehrkräfte
Bildungsunternehmen Dr. Jordan will Lehrkräftemangel aktiv entgegenwirken
Fotos: Tizia Wegfahrt
08.05.2026 / FULDA -
Die angespannte Situation rund um den Lehrermangel zwingt staatliche und private Bildungseinrichtungen zu neuen Maßnahmen. Das Bildungsunternehmen Dr. Jordan möchte mit Beginn des kommenden Jahres in Form einer neuen pädagogischen Nachqualifikation, Berufsumsteiger in den Lehrerberuf bringen. Die Erfahrungen aus der Lebenswirklichkeit sollen auch für die Schülerseite von Vorteil sein.
Gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Stagflation und des Abbaus von tausenden Industriejobs, soll das neue Angebot für Neu- und Quereinsteiger in den Lehrerberuf eine echte Chance darstellen. "Die Menschen aus dem Arbeitsleben haben meist ein sehr gutes Professionsverständnis und sind mittendrin in der Lebenswirklichkeit, was im Lehramtsstudium oft zu kurz kommt", so Prof. Dr. Ernst Fritz Schubert von der Bildungsakademie. Das Versprechen ist klar: Ein Einstieg in das Lehrerdasein soll nach dem Wechsel aus der Arbeitswelt möglichst sehr zeitnah erfolgen. Grundlage ist ein bereits vorher absolviertes bachelor- oder masterbasiertes Studium, unabhängig von der jeweiligen Fachrichtung.
Schnelle Einstiegsmöglichkeiten
Die Weiterbildung findet über Module in Form einer 90-stündigen pädagogischen Grundqualifikation, einer 60-stündigen Erweiterung des pädagogischen Professionsverständnisses sowie eines 30-stündigen Tablet-Teachings statt, um den Anforderungen an eine moderne Schulbildung gerecht zu werden. Die Kosten pro Teilnehmer beinhalten 2.700 Euro. Somit gibt es nach bereits 180 Seminarstunden die Möglichkeit, als Lehrkraft zu arbeiten. Prof. Dr. Schubert betont: "Die Nachqualifikation ist keineswegs nur für spätere Berufsschullehrer relevant, sondern querbeet für angehende Lehrkräfte von Grundschulen, über die Mittelstufe bis hin zu gymnasialen Oberstufen." Daniel May als Sprecher für Bildung, Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Hochschulmedizin der Grünen Fraktion Hessen kennt das Programm bereits außerhalb Hessens und besuchte die Privatschule am Freitag zur Presserunde: "Andere Bundesländer nutzen bereits diese neuen Wege der Lehrkräfteausbildung, um dem bundesweiten Lehrkräftemangel zu begegnen. Hier darf Hessen nicht den Anschluss verlieren", so der Landtagsabgeordnete.
Potenzial für das Schulwesen
Als internationale Vorbilder werden vergleichbare Initiativen aus Kanada, Schweden oder Finnland genannt. Prof. Dr. Schubert ist überzeugt: "Viele wissen gar nicht, dass sie als Lehrperson hervorragend qualifiziert sind. Hiermit möchten wir bisher unentdeckte Potenziale für den Lehrerberuf gewinnen". Er betont, dass dies auch im Sinne der Schüler sei, wenn sie zukünftig vermehrt von Personen außerhalb der üblichen akademischen Laufbahn unterrichtet werden. Angesprochen sind Personen jeglichen Alters, die betriebsbedingt oder auf persönlichen Wunsch einen Wechsel in ihrem Berufsleben vollziehen. (Nils Otterbein) +++