Abschied nach 26 Jahren
"Ehrenstadtführer" Hans-Jürgen Stinder nimmt seinen Hut
Fotos: Gerd Ochs
07.05.2026 / ALSFELD -
Eine Institution geht in Alsfeld von Bord: mehr als ein Vierteljahrhundert lang verkörperte Hans-Jürgen Stinder wie kaum ein anderer das Ehrenamt des Stadtführers in seiner innig geliebten Heimatstadt. In einer kleinen Verabschiedungsfeier würdigten Bürgermeister Stephan Paule und die Stinder nahestehenden Mitarbeiter des Tourist Center (TCA) sein "mit Leib und Seele" geprägtes Wirken, wie Paule es treffend formulierte. Was diese Tätigkeit für den 80jährigen Stinder bedeutete, wurde auch durch Ergänzungen seiner Ehefrau Marlene mehr als deutlich. Und auch wenn ihm die Lobesworte aus aller Munde fast zu viel wurden: da musste er durch.
Bei Stadtführungen häufig gewünscht
Ihm schlossen sich die städtischen Mitarbeiter Uwe Eifert, Mario Leweke und Romina Scherz an, Stinders engste Kontaktpersonen im TCA. "Ein Stück Attraktivität geht Alsfeld mit deinem Abschied nun verloren", so Eifert. "Viele Gruppen äußerten bei der Buchung schon die Vorgabe: Wir wollen NUR DEN!", plauderten Leweke und Scherz aus dem TCA-Nähkästchen. "Dich konnte man blind an alle Gruppen vermitteln, weil du einfach zu allen den Zugang gefunden hast. Das haben unzählige Rückmeldungen ganz klar bestätigt", so Romina Scherz.Auch Ehefrau Marlene Stinder gewährte persönliche Einblicke: durch das vielfältige Engagement sei sie bei den meisten privaten Feiern und Terminen allein erschienen – allerdings sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, dies ihrem Mann zu ermöglichen. Eine Anekdote darf als Beleg für die Detailgenauigkeit, fast schon -besessenheit Stinders gelten: zu einem Flugurlaub nahm er einen kleinen Extrakoffer mit, gefüllt mit Luther-Literatur. Für eine spezielle Luther-Motto-Führung wollte er sich im Urlaub nämlich eingehend präparieren, um für jede erdenkliche Frage gewappnet zu sein.
Chapeau und alles Gute, Hans-Jürgen Stinder!
Marlene und Hans-Jürgen Stinder blickten natürlich auch lächelnd auf die "Stunde Null" zurück, seine absolute Stadtführungs-Premiere. Just für den Silvestertag 1999 hatte sich eine Gruppe aus Stuttgart angemeldet. Die Nachbarn wurden am Vortag zusammengetrommelt und ein gemeinsamer "Proberundgang" in der Stadt gemacht. "Super!", war das logische Ergebnis der gelungenen Generalprobe und ebenso auch das Silvester-Echo der Stuttgarter Gruppe. Wieviel Hundert Gruppen es seither gewesen sein mögen, habe er zwar im Computer sorgfältig dokumentiert, aber aus der Erinnerung sei dies nicht zu schätzen. Jedenfalls sei es ihm eine riesige Freude, eine wunderbare Erfahrung und Ehre gewesen, die Schönheit seiner Heimatstadt Alsfeld mit so viel Herzblut als ihr städtischer Repräsentant zu vermitteln. Zum "Abschiedsfoto" mit Gattin, Bürgermeister und den städtischen Mitarbeitern musste man ihn nicht zweimal bitten, um auf dem Marktplatz, seiner "guten Stube", genau vor dem Rathaus Aufstellung zu nehmen.