Friedhofsbus von Bosold Bestattungen
Ehrenamtliches Angebot: "Herzenswege" ermöglicht den Weg zum Grab
Fotos: Felix Weigl
07.05.2026 / KÜNZELL -
Manchmal sind es die kleinen Wege, die plötzlich unüberwindbar erscheinen. Der Gang zum Grab eines geliebten Menschen gehört für viele dazu. Gerade ältere oder eingeschränkte Menschen stehen dabei oft vor großen Hürden. Genau hier setzt ein neues Angebot von Bosold Bestattungen aus Künzell (Kreis Fulda) an.
Mit dem Projekt "Herzenswege" bietet Bestatter Frank Bosold nun kostenlose Fahrten zum Friedhof an. Die Idee entstand direkt aus dem Alltag: "Wir haben immer wieder gemerkt, dass Menschen gerne nochmal an die Grabstätte möchten, aber einfach nicht wissen, wie sie hinkommen sollen", erzählt Bosold im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.
Vom Einzelfall zum festen Angebot
Das Motto: "Niemand soll allein gehen müssen, wenn das Gehen schon schwer geworden ist". Was früher eher spontan organisiert wurde, ist jetzt also ein eigenes Projekt. "Am Anfang haben wir einfach mal ein Fahrzeug genommen und sind zu den Leuten gefahren", berichtet Bosold. Besonders für Menschen mit Gehproblemen sei das eine große Hilfe gewesen - auch, weil Bestatter mit ihren Fahrzeugen bis nah an die Grabstelle heranfahren dürfen.Seit rund zwei Wochen ist das Angebot nun offiziell gestartet. Ein eigener Kleinbus wurde vorbereitet, beschriftet und steht bereit. Das Fahrtenangebot soll bewusst überschaubar bleiben. "Es geht nicht um Massentransport", so der Bestatter gegenüber O|N. Vielmehr stehe der einzelne Mensch im Mittelpunkt. Der Einsatzradius liegt zunächst in der Region. Das Fahrzeug ist dabei auf die Bedürfnisse der Fahrgäste ausgelegt, mit bequemen Einstiegsmöglichkeiten und Platz für Rollator oder Rollstuhl.
Das steckt hinter dem Projekt
Die Fahrten sind für die Nutzer komplett kostenfrei. "Ehrenamt bedeutet für mich, dass für die Menschen keine Gebühren entstehen", sagt Bosold. Die Kosten trägt er selbst, unterstützt von seinem Team aus mehreren fachgeprüften Bestattern, die sich die Fahrten aufteilen. Wichtig ist Bosold eine klare Abgrenzung von privaten Fahrdienstleistern und Krankentransporten: "Wir wollen keine Fahrten zum Arzt oder zum Einkaufen machen und das können wir auch gar nicht, das Fahrzeug ist für medizinische Transportfahrten nicht ausgelegt. Es geht für uns darum, diesen Herzenswunsch zu erfüllen, nochmal am Grab eines geliebten Menschen zu stehen." Das kann zu ganz besonderen Anlässen sein: Geburtstage, Jahrestage oder einfach der Wunsch, einem verstorbenen Menschen nahe zu sein. Erste Resonanz macht Mut
Auch wenn das Angebot noch ganz am Anfang steht, ist die Resonanz bereits positiv. "Es gab schon viele interessierte Nachfragen, und die Rückmeldungen sind durchweg schön", sagt Bosold. Konkrete Fahrten hat es bisher noch nicht gegeben, doch das liegt daran, dass das Projekt gerade erst gestartet wurde. "Es ist wie bei allem - wir hoffen, dass es sich rumspricht und wir damit Menschen den Gang zum Grab erleichtern können."