Immer wieder 19 zu 18
Nur eine Stimme entscheidet: Polit-Krimi in der Stadtverordnetenversammlung
Archivfoto: O|N
07.05.2026 / BEBRA -
Es war ein Abend, der deutlich machte, wie knapp es in der Bebraer Kommunalpolitik zugeht: In der Stadtverordnetenversammlung wurde fast jede Entscheidung zur Zitterpartie. Immer wieder fiel das Ergebnis gleich aus - 19 zu 18. Und immer wieder entschied damit genau eine Stimme. Am Ende setzten sich CDU und FWG durch, doch der Weg dorthin war geprägt von Spannung und klaren Fronten.
Schon zu Beginn der Sitzung wurde klar, wie knapp die Kräfteverhältnisse verteilt sind. Die neue Mehrheit aus CDU und FWG verfügt über exakt eine Stimme Vorsprung. Und genau diese machte den Unterschied - gleich mehrfach an diesem Abend.
Bereits bei der ersten wichtigen Entscheidung zeigte sich das Machtgefüge: Mit 19 zu 18 Stimmen setzte die neue Mehrheit durch, dass ein Tagesordnungspunkt gestrichen wurde. Für die Opposition aus SPD, Gemeinsam für Bebra und den Grünen war das ein erstes Signal - gegen die geschlossene Front war kaum ein Durchkommen möglich.
Wahl des Vorstehers wird zur Zitterpartie
Besonders spannend wurde es bei der Wahl des neuen Stadtverordnetenvorstehers. Hier trat die bisherige Amtsinhaberin Stefanie Koch (SPD) gegen Roland Soldan von der CDU an. Die Abstimmung erfolgte geheim - wohl auch in der Hoffnung, dass es innerhalb der Mehrheitsfraktionen zu Abweichlern kommen könnte. Serie setzt sich fort
Wer dachte, damit sei die Spannung vorbei, lag daneben. Auch bei weiteren Personalentscheidungen zog sich das gleiche Muster durch den Abend. Friedhelm Claus (CDU) wurde zum Ersten Stadtrat gewählt - ebenfalls mit 19 zu 18 Stimmen.Auch bei der Wahl der Stellvertreter zeigte sich das identische Bild: Markus Schneider (CDU), Bernd Holzhauer (FWG) und Stefanie Koch (SPD) wurden in dieser Reihenfolge bestimmt - wieder mit der denkbar knappsten Mehrheit - 19 zu 18. Diese Serie an Abstimmungen machte deutlich, wie stabil, aber gleichzeitig auch anfällig die neue Mehrheit ist. Jeder einzelne Abgeordnete zählt, jede Stimme kann den Ausschlag geben.
Machtverhältnisse klar - aber sensibel
Die CDU konnte ihre Position im Vergleich zur vergangenen Legislaturperiode stärken und stellt nun wieder zentrale Posten. Gemeinsam mit der FWG reicht es für die Mehrheit - allerdings nur hauchdünn. Für die Opposition bedeutet das: Politische Gestaltung wird schwierig, Überraschungen bleiben aus. Gleichzeitig zeigt der Abend aber auch, dass schon kleinste Veränderungen im Abstimmungsverhalten große Auswirkungen haben könnten.Die konstituierende Sitzung hat eindrucksvoll gezeigt, wie die kommenden Jahre in Bebra aussehen dürften: klare Fronten, knappe Entscheidungen - und ein permanenter Balanceakt. Denn eines ist nach diesem Abend sicher: In Bebra reicht eine einzige Stimme, um Politik zu machen. Oder um sie zu verhindern. (Constantin von Butler) +++