Unsichtbare Gesundheitsgefahr!

Asbest nach Feuer verteilt: Droht jetzt ein gefährlicher Albtraum?

Zerborstene Dachplatten verteilen gefährliche Asbestteile im Umkreis.
Archivfotos: O|N / Philipp Apel

05.05.2026 / ESCHWEGE - Ein Brand, der längst gelöscht ist - und doch bis heute nachwirkt: Wochen nach dem verheerenden Feuer in einer Scheune im Eschweger Stadtteil Niederdünzebach (Werra-Meißner-Kreis) treibt viele Anwohner vor allem eine Frage um: Sind sie weiterhin einer unsichtbaren Gefahr ausgesetzt?



Am Tag des Unglücks schlugen die Flammen meterhoch in den Himmel. Wie OSTHESSEN|NEWS berichtete, stand die Scheune beim Eintreffen der Feuerwehr bereits in Vollbrand. Rund 100 Einsatzkräfte kämpften gegen das Feuer, während dichter Rauch durch den Ort zog. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Ein angrenzendes Wohnhaus konnte geschützt werden, ein weiteres Gebäude wurde leicht beschädigt.

Doch was zunächst wie ein "klassischer" Großbrand wirkte, entwickelte sich im Nachhinein zu einem viel komplexeren Problem.

Asbestteile im Umkreis verteilt

Im Dach der Scheune waren asbesthaltige Platten verbaut - und genau diese zerbarsten durch die enorme Hitze. Bruchstücke wurden durch die Thermik in die Luft geschleudert und verteilten sich teilweise über mehrere hundert Meter.

Für viele Anwohner begann damit die eigentliche Sorge erst nach dem Feuer. Familien meiden seitdem ihre Gärten, Kinder spielen nicht mehr draußen wie zuvor. Die Unsicherheit ist allgegenwärtig. Ein Anwohner schilderte der Hessenschau, er fühle sich "von morgens bis abends verunsichert". Auch die Angst, möglicherweise Schadstoffe mit ins Haus zu tragen, sei ständig präsent.

Asbest: Eine tödliche Gefahr

Asbest gilt als besonders gefährlich, weil seine feinen Fasern beim Einatmen tief in die Lunge gelangen und dort dauerhafte Schäden verursachen können. Das Tückische: Die Fasern sind unsichtbar und werden oft unbemerkt aufgenommen.

Im Körper können sie Entzündungen auslösen und schwere Krankheiten wie Lungenkrebs oder Asbestose verursachen – häufig erst Jahrzehnte nach dem Kontakt. Gerade bei Sanierungsarbeiten in älteren Gebäuden besteht deshalb ein erhebliches Risiko, wenn Schutzmaßnahmen nicht konsequent eingehalten werden.

Stadt warnt - aber gibt Entwarnung

Die Stadt Eschwege hatte kurz nach dem Brand Hinweise herausgegeben. Darin wurde unter anderem geraten, auf Kehr- und Mäharbeiten zu verzichten und Staubaufwirbelungen unbedingt zu vermeiden. Hintergrund: Durch mechanische Einwirkungen könnten sich gefährliche Fasern weiter lösen.

Nach Einschätzung der zuständigen Ordnungsbehörde besteht aktuell jedoch keine akute Gefahr. Das Risiko werde als gering bewertet, eine weitere Freisetzung von Fasern sei eher unwahrscheinlich. Zudem sei die Umgebung bereits durch eine Fachfirma gereinigt worden.

Zweifel bleiben - und viele offene Fragen

Trotz dieser Einschätzung bleibt die Lage für viele Menschen vor Ort unklar. Immer wieder berichten Anwohner, dass noch kleine Bruchstücke durch Windbewegungen verteilt würden. Auch eine Sachverständige sieht die Situation kritisch und hält eine fortlaufende Beobachtung für notwendig.

Hinzu kommt: Die Brandstelle ist weiterhin nicht vollständig beseitigt. Eine Abdeckung der Ruine war laut Versicherung aus Sicherheitsgründen bislang nicht möglich. Gleichzeitig laufen Abstimmungen über das weitere Vorgehen.

Warten auf Antworten

Für die Menschen in Niederdünzebach ist das schwer zu ertragen. Sie wünschen sich vor allem eines: Klarheit. Fragen wie, ob Kinder wieder unbeschwert draußen spielen können oder ob alltägliche Arbeiten im Garten wieder möglich sind, bleiben bislang unbeantwortet.

Ein erstes Treffen zwischen Behörden und Anwohnern ist angekündigt - fast zwei Monate nach dem Brand. Für viele kommt das spät. Denn auch wenn die Flammen längst erloschen sind, ist die Verunsicherung geblieben. (Constantin von Butler) +++

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