Tradition verblasst
Hexennacht verliert ihren Schrecken: Warum der Brauch langsam verschwindet
Archivfoto: O|N / Henrik Schmitt
06.05.2026 / REGION -
Die Nacht vom 30. April auf den 01. Mai war in Osthessen lange ein schauriger Termin im Kalender. Wenn die sogenannte Hexennacht begann, zogen Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene durch die Straßen, spielten Streiche und sorgten für Aufsehen. Es wurde geschmunzelt, gelacht - und manchmal auch geflucht. Doch dieses Bild verblasst zunehmend. Vieles deutet darauf hin, dass der einst lebendige Brauch langsam ausstirbt.
Dabei gehört die Hexennacht, auch Walpurgisnacht genannt, zu den Traditionen, die über Generationen weitergegeben wurden. Kleine Streiche, kreative Ideen und ein Hauch von Chaos machten den Reiz aus. Doch genau dieser Mix scheint heute immer seltener zu werden. Statt ausgelassener Nächte herrscht vielerorts Ruhe.
Nur fünf Ruhestörungen in ganz Osthessen
Das zeigt auch der Blick auf die aktuelle Bilanz. "Es war sehr ruhig", heißt es aus dem Polizeipräsidium Osthessen. Und weiter: "Wir haben keine großen Einsätze gehabt." Insgesamt wurden lediglich fünf Ruhestörungen registriert. Eine Entwicklung, die einerseits positiv erscheint - andererseits aber auch Fragen aufwirft.Denn wo früher Leben auf den Straßen war, bleibt es heute oft still. Natürlich gab es auch in diesem Jahr noch vereinzelte Streiche. Mülltonnen wurden verschoben, Fake-Blitzer sorgten für kurze Irritationen. Doch das sind eher Randerscheinungen. Die große Welle an Aktionen, die die Hexennacht einst prägte, bleibt aus.
Eine Tradition vor dem Ende
Die Gründe dafür sind vielfältig. Strengere Regeln, mehr Bewusstsein für mögliche Konsequenzen - aber auch ein verändertes Freizeitverhalten spielen eine Rolle. Viele junge Menschen verbringen ihre Abende heute anders. Traditionen wie die Hexennacht verlieren dadurch an Bedeutung.Und so reiht sich dieser Brauch in eine Entwicklung ein, die in Osthessen immer häufiger zu beobachten ist. Alte Traditionen verschwinden leise, ohne großes Aufsehen. Was bleibt, sind Erinnerungen - und die Frage, ob man diesem Trend einfach zuschauen will. Denn eines ist klar: Wenn selbst die Hexennacht zur stillen Nacht wird, geht mehr verloren als nur ein bisschen Schabernack. Es verschwindet ein Stück gelebte Heimat. (Constantin von Butler) +++