Zeuge wegen Falschaussage angeklagt

Aus Versehen mit dem Ellbogen oder doch Faustschläge gegen Polizisten?

Der damalige Angeklagte soll einem Polizisten ins Gesicht geschlagen haben, doch ein Zeuge sprach von einem Reflex mit dem Ellenbogen
Archivfotos: ON/ci

06.05.2026 / FULDA - Vor dem Amtsgericht Fulda sollte am Dienstag ein Fall von Gewalt gegen einen Polizisten bereits zum zweiten Mal verhandelt werden, der in Fulda für großes Aufsehen gesorgt hatte. Diesmal ging es darum, ob ein Zeuge bei der Verhandlung am 1. Juli 2025 zugunsten des Angeklagten gelogen hat.


Dem 27-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft vor, in der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht als Zeuge der Wahrheit zuwider ausgesagt zu haben, dass der seinerzeitige Angeklagte sein Tatopfer, einen Polizisten aus Fulda, im November 2024 vor dem S-Club in Fulda lediglich reflexhaft mit dem Ellenbogen getroffen habe, während die Anklage davon ausgeht, dass er dem Polizisten zwei gezielte wuchtige Faustschläge ins Gesicht versetzt hatte.

Was war passiert? In der Nacht zum 17. November 2024 war es auf der Verkehrsinsel vor einer Diskothek am Fuldaer Von-Schildeck-Center zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen gekommen – der Streit drohte zu eskalieren. Drei Polizeistreifen wurden deshalb dorthin beordert, darunter auch eine Zivilstreife.

Als ein 35-jähriger Polizeioberkommissar versucht hatte, die Streitenden voneinander zu trennen, hatte ihm der 22-Jährige so heftig ins Gesicht geschlagen, dass der Beamte nach hinten umkippte, mit dem Hinterkopf aufs Pflaster schlug und kurz ohnmächtig wurde. Er erlitt Hämatome und Schürfwunden, musste ins Krankenhaus und war drei Tage dienstunfähig.

Polizist: "Ich hatte Angst um mein Leben!"

Die Anklage hatte ihm in der Verhandlung im Juli vor einem Jahr einen tätlichen Angriff auf einen Vollstreckungsbeamten, Widerstand gegen die Staatsgewalt sowie vorsätzliche Körperverletzung zur Last gelegt. Dabei waren die Aussagen des Polizisten und seiner Kollegin von denen des Angeklagten und eines weiteren Beteiligten deutlich voneinander abgewichen. Der Beamte sagte aus, er sei auf die Kontrahenten zugelaufen, habe gerufen "Halt, Polizei, auseinander!" und dann die beiden Männer jeweils an der Schulter ergriffen und versucht, sie auseinanderzuziehen. Da habe sich der Angeklagte unvermittelt zu ihm umgedreht und ihm die Faust ins Gesicht geschlagen, so dass er zu Boden stürzte. "Ich hatte in dieser Situation Angst um mein Leben", hatte der 35-Jährige berichtet. So schnell wie möglich sei er wieder aufgestanden und sei dem 22-Jährigen hinterhergelaufen, der zu flüchten versuchte. Er habe ihn mit Pfefferspray außer Gefecht gesetzt und zu Boden gebracht. Dann sei ihm seine Kollegin zu Hilfe gekommen und der Mann sei festgenommen worden, während er selbst in die Notaufnahme kam.

Widersprüchliche Zeugenaussagen - Angeklagter nicht erschienen

Der 27-jährige Zeuge, gegen den am Dienstag eigentlich verhandelt werden sollte, hatte damals zugunsten des Angeklagten ausgesagt, dieser habe den Polizisten nicht ins Gesicht geschlagen, sondern ihn quasi versehentlich beim Umdrehen mit dem Ellbogen getroffen. Da er es aber offenbar vorzog, nicht vor Gericht zu erscheinen, kündigt Amtsrichterin Pluta an, ihm einen Strafbefehl zustellen zu lassen. (Carla Ihle-Becker) +++



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