Längere Flugzeiten bis in die Dunkelheit

Nachbarland Bayern stärkt die Luftrettung - zieht Hessen jetzt nach?

Wie steht es um die Luftrettung in Hessen?
Symbolbild: O|N / Henrik Schmitt

02.06.2026 / REGION - Die Luftrettung im Freistaat Bayern soll künftig gestärkt werden - vor allem im ländlichen Raum. Basis dafür ist das Ergebnis eines notfallmedizinischen Gutachtens. Unter anderem soll es eine Ausweitung für die Flugzeiten von Rettungshubschraubern geben – besonders in den späteren Abendstunden. Zieht Hessen mit diesem Plan jetzt nach?



Hintergrund: Das Bayerische Innenministerium hat angekündigt, die Luftrettung insbesondere in ländlichen Regionen auszubauen. Grundlage ist ein notfallmedizinisches Gutachten, das eine Ausdehnung der Betriebszeiten empfiehlt. Künftig sollen Rettungshubschrauber an mehreren Standorten perspektivisch auch nach Einbruch der Dunkelheit starten können. Heißt konkret: Im Sommer von 7 bis 21:45 Uhr und im Winter von 7 bis 20:15 Uhr. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sieht darin auch eine Reaktion auf Veränderungen in der Krankenhauslandschaft: Längere Flugzeiten könnten helfen, schneller geeignete Kliniken zu erreichen. Mehr fliegende Minuten bieten eine höhere Versorgungsqualität.

Zahlen zeigen Bedeutung der Luftrettung

Die Luftrettung ist unverzichtbar für die rettungsdienstliche Infrastruktur, wie die Zahlen verdeutlichen: Mehr als 4.500 Einsätze sind die hessischen Retter im Jahr 2025 geflogen, hinzu kommen über 3.000 Intensivtransporte mit Spezialfahrzeugen. Aktuell sind im Land mehrere Hubschrauber stationiert, unter anderem in Fulda, Gießen, Frankfurt am Main und Kassel. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn schnelle Notarzt-Hilfe gefragt ist oder große Distanzen zu überwinden sind.

Der Rettungshubschrauber "Christoph 28" von der ADAC Luftrettung ist seit mehr als 42 Jahren am Klinikum in Fulda stationiert und Garant für schnelle medizinische Hilfe aus der Luft. Für ganz Osthessen ist "Gelbe Engel" zuständig, aber auch für Südthüringen und Unterfranken. Der Einsatzschwerpunkt: schwere Unfälle, aber auch internistische und neurologische Notfälle wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle – immer dann, wenn es schnell gehen muss. Andere Rettungshubschrauber in Hessen, etwa in Frankfurt, Gießen oder Kassel, werden nicht vom ADAC, sondern überwiegend von der Bundespolizei und der Johanniter Unfallhilfe (JUH) betrieben.

In der Rhön ist beispielsweise auch regelmäßig der in Unterfranken stationierte ADAC-Rettungsheli "Christoph 18" im Einsatz. Innenstaatssekretär Sandro Kirchner (CSU) aus Bad Kissingen geht auf die Verbesserungen für den Standort Ochsenfurt näher ein: "Mit der Ausweitung der Betriebszeiten im Ein-Schicht-Betrieb auf 7 bis 20:15 Uhr in den Wintermonaten und sogar 7 bis 21:45 Uhr in den Sommermonaten ermöglichen wir eine noch bessere Notfallversorgung in ganz Bayern. Auch für Unterfranken ist das ein großer Gewinn, denn vom Standort Ochsenfurt aus gewährleistet der Rettungshubschrauber 'Christoph 18' die flächendeckende Versorgung in Unterfranken und Teilen Mittelfrankens."

Ausbau der Luftrettung? Das ist in Hessen geplant

In Hessen ist man noch nicht so weit wie im benachbarten Freistaat. Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) hat zunächst eine grundlegende Analyse der bestehenden Strukturen angestoßen. "Die Rettung per Hubschrauber sorgt dafür, dass Menschen in Not umgehend Hilfe bekommen, wenn es besonders schnell gehen muss oder der Einsatzort schwer erreichbar ist", so Stolz. Ziel sei es definitiv, die Luftrettung zukunftsfähig aufzustellen: "Damit das auch in Zukunft zuverlässig gelingt, entwickeln wir die Strukturen entlang der neuesten medizinischen und technischen Anforderungen weiter." Dabei legt die Ministerin großen Wert auf eine enge Verzahnung mit anderen Reformen, wie etwa der Krankenhausreform.

Konkrete Aussagen zu möglichen längeren Flugzeiten, wie sie unter anderem in Bayern geplant sind, gibt es derzeit noch nicht. Esther Walter, Leiterin des Referats Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege erklärt auf OSTHESSEN|NEWS-Nachfrage: "All diese Einzelmaßnahmen müssen und werden bei uns ganzheitlich betrachtet und müssen und sollen ineinandergreifen, damit die Patienten in Hessen zur richtigen Zeit, am richtigen Ort die für sie bestmögliche bedarfsgerechte Behandlung und Hilfe erfahren."

Die laufende Analyse soll klären, wie viele Luftrettungsmittel künftig landesweit benötigt werden, wo sie stationiert sein sollten und auch, wann sie einsatzbereit sein müssen. Dabei wird ein Blick bis ins Jahr 2035 geworfen und auch die Auswirkungen der Krankenhausreform berücksichtigt. Ob Hessen also dem Beispiel Bayerns folgen wird und das Land die Flugzeiten der Rettungshubschrauber ausweitet, bleibt vorerst offen.
(Emely Schrön / Christian P. Stadtfeld) +++

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