Der Stadtpfarrer bei O|N
Stefan Buß: "Im Herzen eins"- Motto der Kirchen auf dem Hessentag
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch
06.05.2026 / FULDA -
Mitten hinein klingt dieses Motto: Im Herzen eins. Es sagt nicht: Wir müssen alle gleich denken. Es sagt nicht: Wir müssen alle dieselben Ansichten haben. Es sagt nicht: Wir müssen alle gleich leben. Nein. Es spricht vom Herzen.
Das Herz ist in der Bibel der Ort, an dem der Mensch wirklich lebt. Dort wohnen Liebe, Hoffnung, Vertrauen, Schmerz, Sehnsucht und Glaube. Wenn Menschen im Herzen eins sind, dann verbindet sie etwas Tieferes als bloße Meinung: gegenseitiger Respekt, Mitgefühl, der Wille zum Frieden, die Offenheit füreinander. So beschreibt es die Apostelgeschichte: "Sie waren ein Herz und eine Seele."
Jesus selbst sagt: "Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr Liebe untereinander habt." (Johannes 13,35) Nicht an Perfektion. Nicht an Lautstärke. Nicht an Macht. Sondern an Liebe. Vielleicht fragen wir uns heute: Wie kann das gehen – eins im Herzen sein in einer so zerrissenen Welt?
Die Antwort beginnt klein. Ein freundliches Wort. Ein offenes Ohr. Ein erster Schritt zur Versöhnung. Ein Gebet für jemanden, mit dem ich ringe. Ein Tisch, an dem wieder Platz ist für andere. Gott beginnt Großes oft im Kleinen.
Wenn wir uns von Christus berühren lassen, weitet sich das Herz. Und wo Herzen weit werden, wächst Gemeinschaft. Darum lasst uns bitten: Herr, mache unsere Herzen weich, wo sie hart geworden sind. Mache unsere Herzen mutig, wo sie ängstlich sind. Mache unsere Herzen weit, wo sie eng geworden sind. Und schenke uns, was wir selbst nicht schaffen: dass wir im Herzen eins werden. (Stefan Buß) +++