"Wir haben mehr Ausgaben als Einnahmen"

Spritkrise im Alltag: Wie lange können Taxi-Unternehmen die Preise noch halten?

Die hohen Spritpreise setzen Taxi-Unternehmen in Osthessen massiv unter Druck.
Fotos: Marvin Myketin

09.04.2026 / REGION - Jeder, der aktuell zur Arbeit fährt, merkt: Das Leben ist teuer. Während man vorher mit dem Auto unterwegs war, um zu arbeiten, geht man mittlerweile arbeiten, um wieder mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Ein scheinbarer Teufelskreis, an dem sich derzeit nichts ändert. Auch die neue Regel, Spritpreise nur einmal am Tag um 12 Uhr erhöhen zu dürfen, scheint nichts zu bewirken.



Eine Berufsgruppe, die bei den aktuell teuren Spritpreisen oft vergessen wird, sind die Taxiunternehmen. Ihr Beruf hängt wortwörtlich vom Auto ab. Sie sind also mindestens genauso abhängig von den Spritpreisen wie die restliche arbeitende Bevölkerung, die nicht im Homeoffice bleiben kann. Profitieren sie von den steigenden Spritpreisen, weil viele lieber Taxi statt ihr Auto fahren, oder bleiben die Kunden aufgrund der teureren Preise aktuell aus? OSTHESSEN|NEWS hat bei einigen Unternehmen der Region nachgefragt.

Taxiunternehmen entscheiden nicht selbst über die Preissteigerung

So macht Yasin Ari, Inhaber von "City Taxi Fulda" in der Petersberger Straße in Fulda, direkt klar: "Wir haben auf jeden Fall weniger Kunden." Viele Menschen seien abgeschreckt von dem Gedanken: "Die Spritpreise steigen, dann auch die Kosten für das Taxi." Doch diese Annahme ist vollkommen falsch. Die Unternehmen entscheiden nämlich nicht über die Tarifpreise. In Deutschland legen die örtlichen Behörden die Taxipreise durch eine verbindliche Taxitarifordnung fest. Innerhalb des Pflichtfahrgebiets sind diese festen Tarife wie Grundgebühr, Kilometerpreis und Wartezeit zwingend einzuhalten, sie sind nämlich nicht frei verhandelbar. Ein Lichtblick für Ari: "Die Kunden, die mit uns fahren, sind wie immer sehr zufrieden."

Auch dem Unternehmen "Taxi Blitz" in der Fuldaer Straße "Am Schützenhaus" geht es ähnlich. "Wir leiden wie andere Beförderungsbetriebe", sagt Chef Eugen Hasenkampf im Gespräch mit O|N. Auch hier sind weniger Kunden aufgefallen. Das könne aber auch an der Ferienzeit und dem aktuell sonnigen Wetter liegen. Aktuell gebe es für Hasenkampf keine andere Möglichkeit als abzuwarten und zu hoffen.

"Wir leiden extrem"

Ähnlich fällt die Rückmeldung aus den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg und Vogelsberg aus. So antwortet Lisa Henkel vom Taxi- und Busunternehmen Hebeler: "Wir verzeichnen mehr Ausgaben als Einnahmen." Neben den bekannten Taxifahrten kümmert sich das Unternehmen auch um den Krankentransport, was die Sache nicht angenehmer macht. "Die Krankenkasse zahlt für die Transporte nicht, trotzdem müssen die Patienten gefahren werden – und das machen wir nach wie vor in vollem Umfang."

Wie zu erwarten betrifft auch die Vogelsberger Stadt Lauterbach die steigenden Preise. "Wir leiden extrem. Wir müssen schauen, wie sich die Preise auf Dauer entwickeln, aber den Unterschied spüren wir am Ende des Monats", so der Inhaber Ömer Gilavuz. Es gibt jedoch einen kleinen, wenn auch entscheidenden Unterschied zu den anderen Unternehmen. Für seinen Betrieb gibt es einen Mietwagen, dadurch könne er selbst die Preise anpassen. "Das habe ich erstmal aber nicht vor. Die Kunden können nichts dafür und verdienen schließlich auch nicht mehr Geld", stellt Gilavuz klar. Er möchte erstmal abwarten und schauen, wie sich die Lage des Irankriegs entwickelt.

Etwa 3.000 bis 4.000 Euro mehr Tankkosten

Vorerst bleibt es scheinbar bei den enormen Tankpreisen. Für die Unternehmen bedeutet das: für den Sprit etwa 3.000 bis 4.000 Euro mehr als vor der Krise. Der Chef von "Fulda Taxi" in der Buttlarstraße, Mahmood Chaudry, teilt gegenüber O|N mit: "Vor einiger Zeit hat die Stadt Fulda eine Anfrage verschickt, ob wir für die Erhöhung der Preise sind. Diese Antworten müssen geprüft werden. Selbst wenn die Änderung kommen soll, passiert das nicht von heute auf morgen." Auch er besitzt einige Mietwägen und ist dadurch flexibler bei den Preisen, hat diese aber noch nicht erhöht. Auch ein E-Auto befindet sich in seinem Repertoire. "Sollte sich die Krise weiterentwickeln, hole ich mir eventuell noch weitere."

Am Mittwochmittag verschickte unsere Redaktion eine Anfrage an die Stadt Fulda. Bislang ist noch keine Rückmeldung eingetroffen.

Wie sich die Situation weiterentwickelt, bleibt ungewiss. Klar ist jedoch: Die hohen Spritpreise setzen den Taxiunternehmen der Region spürbar zu – finanziell, organisatorisch und menschlich. Jetzt heißt es für alle Beteiligten: durchhalten, hoffen und darauf vertrauen, dass sich die Lage durch die Waffenruhe schnell entspannt. (Mia Schmitt) +++

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