Bahn statt Auto?
Muss Zugfahren einfach nur günstiger werden? Rabatt-Ideen unter Beschuss
Archivfoto: O|N/ Hendrik Urbin
08.04.2026 / REGION -
Statt teuer tanken nun Zug fahren? Bei ständigen Diskussionen um Entlastungen bei steigenden Energiepreisen kommen Vorschläge aus den verschiedensten Bereichen. Oft mit dabei: pauschale Rabatte im Nah- und Fernverkehr, die die Bevölkerung dazu animieren sollen, auf Zug und Bahn auszuweichen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sieht diese Forderungen allerdings kritisch und bezeichnet sie als unausgereift, in der aktuellen Lage auch als verantwortungslos und schädlich für die Beschäftigten der Bahn.
Besonders abwegig seien nach Ansicht der GDL die Forderungen nach extremen Preisreduzierungen im Fernverkehr, Rabatte von nahezu 50 Prozent würden die Nachfrage in einem bereits schon stark belasteten System weiter erhöhen – zusätzliche Kapazitäten seien aber nicht vorhanden. Das Resultat: noch vollere Züge und steigender Druck auf das Personal.
Keine konkreten Ideen, sondern politischer Geltungsdrang?
Gleichzeitig bleibt zunächst auch noch weiterhin offen, wie solche Pauschalmaßnahmen überhaupt finanziert werden könnten. "In einer Zeit allgemein knapper Kassen und ungeklärter Finanzierungsfragen derartige Forderungen aus öffentlichem Profilierungsdrang in den Raum zu stellen, ist wirtschaftlich wie verkehrspolitisch verheerend", heißt es in einem Schreiben der GDL. GDL-Bundesvorsitzender Mario Reiß hat hierzu einen klaren Standpunkt: "Diese Vorschläge sind nichts anderes als populistische Schnellschüsse zur eigenen Profilierung", so Reiß. "Man muss sich ernsthaft fragen, ob auf Führungsebene der EVG hier überhaupt noch das Wohl der Eisenbahner im Mittelpunkt steht oder vielmehr der eigene politische Geltungsdrang – anders lassen sich solche Forderungen kaum erklären", führte der Bundesvorsitzende weiterhin aus.
Aus Sicht der GDL macht die aktuelle Debatte vor allem eines deutlich: Zwischen den politischen Forderungen und der Realität im Eisenbahnbetrieb klafft zunehmend eine Lücke. Kurzfristige Schlagzeilen allein reichten nicht aus – vielmehr sei eine nachhaltige und ernsthafte Auseinandersetzung mit den strukturellen Problemen der Branche notwendig.