Mehr Jobs, mehr Kaufkraft, mehr Leben

Alsfeld im Aufwind: Warum die Stadt heute besser dasteht als vor Jahrzehnten

An der B62 entsteht aktuell in Alsfeld ein neues Gewerbegebiet "Am weißen Weg".
Foto: Laura Struppe

08.04.2026 / ALSFELD - Die Stadt Alsfeld befindet sich im Aufschwung. Bürgermeister Stephan Paule und Wirtschaftsdezernent Uwe Eifert sehen Alsfeld wirtschaftlich so gut aufgestellt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Von dieser positiven Entwicklung soll auch die historische Altstadt profitieren. Nach Einschätzung der Stadt ist dies das Ergebnis langfristiger Strategien. Denn die letzten Jahre seien vor allem von gezielten Investitionen und wirtschaftlicher Stabilisierung geprägt gewesen.


Noch vor ein paar Jahren war die Situation in Alsfeld eine ganz andere. "Wir haben eine mehr als zehnjährige Aufholjagd hinter uns", beschreibt Paule die Entwicklungen. Denn in den Jahren davor habe es kaum wirtschaftliche Impulse gegeben.

"Von diesen Zahlen träumen andere Kommunen"

Denn damals war das Stadtbild geprägt von Leerständen, sinkenden Einwohnerzahlen und geringen Investitionen. Heute ist das anders: Rund 500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze sind entstanden - und das trotz Rückschlägen wie Unternehmensschließungen - beispielsweise dem Kamax-Standort oder Welle Möbel. Denn dafür haben Unternehmensansiedlungen und Erweiterungen bestehender Betriebe für einen zusätzlichen Aufschwung gesorgt. Derzeit entstehen durch mehrere Großprojekte weitere Arbeitsplätze in Alsfeld.

Eines davon ist das neue Gewerbegebiet "Am Weißen Weg". An der B62, zwischen Alsfeld und Eifa, entstehen gerade auf einer Fläche von rund 44 Hektar zwei hochmoderne Logistikzentren für die Firmen Nordwest Handel AG und DHL Express. Die Gesamtinvestition beträgt rund 500 Millionen Euro, bis zu 1.000 neue Arbeitsplätze werden hier entstehen.

Zudem investiert der Kreis mit einem erheblichen Zuschuss des Landes Hessen in ein neues Kreiskrankenhaus mit 100 Millionen Euro. "Dadurch werden 600 Arbeitsplätze gesichert. Die medizinische Versorgung behält also ihren zentralen Dreh- und Angelpunkt." Außerdem baut das Land Hessen in Alsfeld eine neue Polizeiwache - über die regionale Kriminalinspektion kommen weitere Arbeitsplätze nach Alsfeld. "Das sind Zahlen, von denen können andere Kommunen im ländlichen Raum nur träumen können."

Auf Wirtschaftsförderung und Wachstum gesetzt

All diese Entwicklungen sind für Bürgermeister Paule eine Erfolgsgeschichte aus den letzten zwölf Jahren, "auf die wir unheimlich stolz sind". Er spricht von Früchten aus früheren Entscheidungen, die jetzt geerntet werden können: Nach 2014 wurde auf Wirtschaftsförderung und Wachstum gesetzt, Gewerbeflächen direkt an der A5 ausgewiesen. "Wir haben Ansiedlungen von Unternehmen, bei denen wir heute sagen, es sind eher kleinere Ansiedlungen. Da hätten wir vor zehn Jahren gejubelt."

Ein weiterer positiver Effekt: Die Gewerbesteuern sind von fünf Millionen auf 15 Millionen angestiegen. "Somit konnten wir 30 Millionen Euro Rücklage aufbauen." So kann in die Infrastruktur – wie Kindergärten oder Straßen - investiert werden. Nach Einschätzung der Stadt gehört Alsfeld damit zu den wirtschaftlich stärksten Standorten im ländlichen Raum.

Auswirkungen auf die Innenstadt

"All das hat auch Folgeeffekte, die sich auf die historische Altstadt und ihre Zukunftsfähigkeit auswirken", resümiert Paule und nennt ein Beispiel: "Wenn jemand als Manager bei der Deutschen Post AG arbeitet, wird er am Ende des Tages vielleicht auch mal eine Brille brauchen, die er dann in der Innenstadt kauft." Also: Mehr Arbeitsplätze und Zuzug führen dazu, dass auch mehr Geld in der Stadt ausgegeben wird – wovon Handel, Gastronomie und Dienstleister profitieren könnten.

Ein entscheidender Faktor ist also das Zusammenspiel verschiedener Bereiche: Wirtschaftsentwicklung, Wohnraum, Infrastruktur und Tourismus seien eng miteinander verknüpft, betont die Stadtspitze. "Es gibt kein einzelnes Thema – alles greift ineinander", erklärt Eifert. So investiert die Stadt in neue Wohngebiete und die Nachverdichtung bestehender Flächen, um den Zuzug zu fördern und Familien langfristig zu binden. Ergänzt wird dies durch Maßnahmen wie den Glasfaserausbau oder die Modernisierung öffentlicher Einrichtungen.

Für Paule steht fest: Die positive Entwicklung der vergangenen Jahre ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer langfristigen Strategie. "Wir haben früh die Weichen gestellt und setzen konsequent auf Wachstum und Investitionen." (lu) +++

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