Ines Claus wird Stellvertreterin

Friedrich Merz knackt die 90-Prozent-Marke und bleibt CDU-Chef

Friedrich Merz bei seiner Wiederwahl – Der CDU-Chef strahlt nach dem Ergebnis, das ihm 91,2 Prozent der Stimmen sichert.
Foto: Tobias Koch

20.02.2026 / STUTTGART - Nach langem Warten und einigen Pannen steht fest: Friedrich Merz bleibt an der Spitze der CDU. Bei der Wahl zum Parteivorsitz erzielte der 70-Jährige beeindruckende 91,2 Prozent der Stimmen - ein Ergebnis, das sein schon starkes Ergebnis von 2024 (89,8 Prozent) noch einmal übertrifft. Lange war unklar, ob Merz die begehrte 90-Prozent-Marke überhaupt erreichen würde, doch die Delegierten machten am Ende deutlich, dass sie hinter dem Bundeskanzler stehen.



Die Wahl war von Verzögerungen geprägt. Ursprünglich für den Nachmittag angesetzt, zog sich der Parteitag über Stunden hin. Erst nach über drei Stunden Verzögerung konnte die Abstimmung beginnen. Eine Technik-Panne machte das elektronische Verfahren unmöglich, sodass die Delegierten mit Stift und Papier abstimmen mussten. Dennoch ließ sich Merz die Freude nicht nehmen: "Ich bedanke mich herzlich und sage: Auf weiter gute Zusammenarbeit in der CDU Deutschlands."

Merz ruft die CDU zur Geschlossenheit auf

Bereits in seiner Auftaktrede hatte Merz die CDU zur Geschlossenheit aufgerufen. Gleichzeitig übte er Kritik an der schwarz-roten Koalition, mahnte konstruktive Zusammenarbeit zwischen Union und SPD an und warnte vor ritualhaftem Zurückweisen von Vorschlägen. Merz betonte, dass er die politische Mitte Deutschlands konsequent im Blick behalten werde und eine Zusammenarbeit mit der AfD für ihn ausgeschlossen sei. "Ich habe mich abschließend entschieden, die Zustimmung zu unserer Politik ausschließlich in der politischen Mitte unseres Landes zu suchen", erklärte er.

Die Außenpolitik kam in Merz’ Rede eher nebenbei vor. Gleichwohl unterstrich er die Notwendigkeit deutscher Stärke auf internationalem Parkett - wirtschaftlich wie militärisch. Dass ihn Medien und Kritiker häufig als "Außenkanzler" sehen, wertet er mittlerweile als Kompliment. Für Merz ist die Rolle des Regierungschefs eng mit der Führung der Partei verbunden: Er wolle Antreiber sein, ehrgeizige Ziele setzen und die Union motivieren, sich nicht von Pessimismus oder Fatalismus herunterziehen zu lassen.

Auch Angela Merkel spendet Beifall

Die Reaktionen der Delegierten waren zunächst zurückhaltend, doch zum Abschluss gab es langanhaltende stehende Ovationen, die über zehn Minuten anhielten. Auch Ex-Kanzlerin Angela Merkel, erstmals nach ihrem Ausscheiden wieder auf einem Parteitag, spendete Beifall. Merz hatte Merkel zuvor als "eine der treuen Wegbegleiterinnen unserer Partei" begrüßt und ihr Wirken in der Wiedervereinigung Deutschlands gewürdigt.

Mit dem klaren Votum im Rücken geht Merz nun gestärkt in den Wahlmarathon. Die CDU demonstriert damit Einigkeit und Selbstbewusstsein - trotz der internen Spannungen und der hohen Erwartungen an die Regierungsarbeit.

Hessin auf der Überholspur: Ines Claus will stellvertretende Parteichefin werden

Im Laufe des Abends wird auch die Riege der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU neu gewählt. Mitten unter den Kandidaten sticht eine Hessin hervor: Ines Claus, Fraktionsvorsitzende der CDU im hessischen Landtag. Für Claus soll dies ein weiterer Meilenstein auf ihrer blitzartigen Karriere werden: Kaum ein Jahr nach ihrem Einzug in den Landtag hatte sie die Führung der hessischen Fraktion übernommen und war bereits ins Präsidium der Bundes-CDU gewählt worden.

Claus, 48 Jahre alt, bezeichnet sich selbst als Frau, Mutter, Ehrenamtlerin und Volljuristin. Ihr Politikverständnis leitet sie aus ihrem Alltag ab: "Politik vom Küchentisch zu machen", wie sie sagt, bedeutet für sie, nah an den Menschen zu sein und ihre Themen ernst zu nehmen. Mit ihrer Wahl zur stellvertretenden Parteivorsitzenden übernimmt sie nun eine zentrale Rolle in der Bundespartei und stärkt gleichzeitig Merz den Rücken.

Die Erweiterung der Stellvertreter-Riege auf sechs Personen erlaubte es, die Hälfte der Posten mit Frauen zu besetzen – ein Schritt, der Claus den Aufstieg erleichtern soll. Mit diesem Mandat will sich Claus strategisch hervorragend positionieren. Beobachter sehen sie nicht nur als wichtige Stütze von Merz, sondern auch als potenzielle Nachfolgerin von Ministerpräsident Boris Rhein in Hessen oder für künftige Spitzenämter in der Bundespolitik.

OSTHESSEN|NEWS berichtet ausführlich vom Bundesparteitag in Stuttgart. Später mehr. (Constantin von Butler) +++

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