Energie bewiesen und Widerstände überwunden
Elektro-Innung Fulda spricht Elektronikerinnen und Elektroniker feierlich frei
Bei der Freisprechungsfeier der Elektro-Innung Fulda konnten 29 Nachwuchskräfte ihren Gesellenbrief in Empfang nehmen.
Fotos: Uli Mayer
04.02.2026 / FULDA -
Sie haben mit jeder Menge Energie den Ausbildungs-Stromkreis erfolgreich geschlossen: Nach dreieinhalb Ausbildungsjahren war es am vergangenen Freitag so weit, und 29 frisch ausgelernte Elektronikerinnen und Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik konnten bei der Freisprechungsfeier der Elektro-Innung Fulda ihre Gesellenbriefe in Empfang nehmen. Zu diesem feierlichen Anlass war erstmals in das Antonius-Café in Fulda eingeladen worden. Obermeister Johannes Burkart eröffnete die Veranstaltung und begrüßte die Junggesellinnen und Junggesellen mit ihren Familien, Ausbildern und Lehrkräften. Außerdem vor Ort waren der Prüfungsausschussvorsitzende Ulrich Fritz sowie Lukas Henke, stellvertretender Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft (KH) Fulda.
"Damit ein Stromkreis funktioniert, werden alle Komponenten gebraucht – von der Spannungsquelle über Schalter oder Leiter bis hin zum Widerstand", betonte der Obermeister in seiner Ansprache und bezog sich dabei auch auf das Buch "Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird" des Autors Saša Stanišić. Johannes Burkart verglich den Stromkreis mit den verschiedenen Komponenten der Ausbildung: Auch den neuen Fachkräften seien vor dreieinhalb Jahren, als sie ihre Ausbildung begonnen haben, erst einmal neue Abenteuer mit Herausforderungen und großen Unbekannten begegnet – "manches ein großer Widerstand mit hohem Energiegebrauch". Durch das Zusammenspielen der einzelnen Bestandteile war der Erfolg letzten Endes jedoch gewährleistet, und daher galt Burkarts Dank nicht zuletzt auch all denjenigen, die die Absolventinnen und Absolventen in den vergangenen Jahren auf ihrem Weg begleitet und unterstützt hatten – Familien, Eltern, Freunde, Lehrer, Ausbilder oder Kollegen: "Strom fließt nur in geschlossenen Kreisen. Und gerade in der Pubertät kommt es häufiger auch mal zu Kurzschlüssen oder die Sicherungen brennen durch, und manchmal sind Hormone statt Elektronen im Kreislauf. Daher vergesst nicht, allen Danke zu sagen, die euch unterstützt haben – und gebt bitte etwas von der Energie zurück, die ihr bekommen habt."
An der anschließenden Talkrunde "Elektrohandwerk – Branche mit Zukunft!" beteiligten sich Marlene Nattmann, Bastian Siebeck und Leon Schramm als drei der neuen Fachkräfte, darüber hinaus Johannes Burkart, Lukas Henke, Matthias Heitzer – welcher die Veranstaltung moderierte – sowie Ulrike Vogel, Direktorin der Ferdinand-Braun-Schule, und der Lehrlingswart Gerd Röder. Themen der Talkrunde waren unter anderem die Herausforderungen, die der Beruf mit sich bringt, vor allem im Hinblick auf die fortschreitende Digitalisierung und den Einsatz von KI. Zu letzterem äußerte sich Ulrike Vogel jedoch zuversichtlich: "KI spielt in der Schule aktuell noch keine Rolle. Wir müssen in den kommenden Jahren zunächst die Grundlagen legen – dann kann die KI zukünftig als Werkzeug eingesetzt werden, zum Beispiel um schneller planen und kalkulieren oder um Fehler besser vorhersagen zu können." Lukas Henke, der erstmals in seiner Funktion als stellvertretender Geschäftsführer der KH Fulda die Freisprechungsfeier begleitete, positionierte sich ähnlich: "KI spielt nach unserem Kenntnisstand im Handwerk aktuell nur eine unterstützende Rolle. Das Handwerk lebt vielmehr von den Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und das ist eine der großen Stärken, die jede neue Gesellin und jeder neue Geselle nun für sich verbuchen kann."
Ein weiterer wichtiger Inhalt der Talkrunde stellte der Weg von Frauen in das Elektrohandwerk dar. Hier waren sich alle einig, dass es gerne mehr weibliche Fachkräfte geben darf. Dies konnte Marlene Nattmann nur bestätigen: "Mir macht es Spaß, und ich habe nach der Ausbildung direkt meinen Meisterkurs begonnen, da jetzt das Erlernte noch in Gänze präsent ist." Gerd Röder stellte zudem noch einmal den engen Zusammenhalt heraus zwischen allen, die zur Ausbildung beigetragen hatten – denn die Elektro-Innung veranstalte zum Start der Ausbildung immer eine Kennenlernveranstaltung der Auszubildenden mit den Ansprechpersonen in der Innung und der Kreishandwerkerschaft. "Das Verhältnis zwischen den Betrieben und den Auszubildenden ist besser als vor 20 Jahren. Das sieht man auch daran, wie viele Betriebe ihre Auszubildenden zu den Freisprechungen begleiten." Matthias Heitzer richtete sich ebenfalls voll des Lobes an die neuen Elektronikerinnen und Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, gratulierte ihnen zu ihrem Erfolg und gab ihnen mit, dass sie stolz sein könnten auf ihren Beruf und diesen Stolz auch mit Selbstbewusstsein nach außen tragen dürften. Dabei verglich er die 29 Absolventinnen und Absolventen mit "Superheldinnen und Superhelden, die Blitze fangen können". Die feierliche Übergabe der Gesellenbriefe erfolgte anschließend durch Johannes Burkart und den Prüfungsausschussvorsitzenden Ulrich Fritz.
Im Zuge der Freisprechungsfeier wurden zudem die drei Prüfungsbesten ausgezeichnet: Kornelius Weber (Brehl Elektrotechnik), Lars Semler (Fröhlich & Röbig Elektrotechnik) und Marlene Nattmann (Elektrotechnik Nattmann). Letztere war nicht nur die beste Absolventin des Jahrgangs, sondern zugleich auch die einzige Frau. Johannes Burkart nutzte den feierlichen Anlass daher auch für eine Bitte an die erfolgreiche Nachwuchsfachkraft: "Mach bei deiner Arbeit Werbung für deinen Beruf – wir würden uns über mehr weibliche Fachkräfte sehr freuen." (pg/pm)+++