Staffelstab übergeben
"Mr. Notaufnahme" sagt Ade - Dittmar Happel (64) hat das Klinikum geprägt
Fotos: Hendrik Urbin
03.03.2026 / FULDA -
Er hat die Zentrale Notaufnahme (ZNA) am Klinikum Fulda jahrzehntelang geprägt und sich den Namen "Mr. Notaufnahme" erarbeitet. Jetzt hört Dittmar Happel (64) - der administrative Chef der ZNA - nach rund 25 Jahren auf und verabschiedet sich in den wohlverdienten Ruhestand. Ein in der Notfallmediziner-Szene bekanntes Gesicht sagt "Ade" und übergibt den Staffelstab an seinen Nachfolger Tim Muth (39), der gemeinsam mit Sabrina Sauthoff (46), der ärztlichen Direktorin, die neue Doppelspitze bildet.
Seit dem 1. April 2001 arbeitet Happel am Klinikum, dem osthessischen Krankenhaus der Maximalversorgung. Zuvor hatte er viele Jahre in der Notaufnahme in Offenbach (Main) Erfahrungen gesammelt. "Eine der heftigsten Notaufnahmen in Deutschland", wie er heute zurückblickt. Im Vergleich dazu sei die Zentrale Notaufnahme am Klinikum Fulda damals noch "winzig" gewesen. Heute findet sie bundesweit Beachtung, registriert jährlich rund 60.000 Patientenkontakte (2025) und ist aus der heimischen Notfallversorgung nicht wegzudenken. Im Jahr 2008 wurde Happel ZNA-Koordinator in der Domstadt - und setzte als bundesweit Erster in diesem Job Maßstäbe. Heute kommen nationale wie internationale Gäste aus der Notfallversorgung, um von Fulda Prozesse der Patientensteuerung zu lernen.
"Herr Happel, wir brauchen ein Belegungsmanagement"
Unter seiner Leitung machte die Notaufnahme in den folgenden Jahren regelrechte Quantensprünge. Die Entwicklung des digitalen Systems EDVina (EDV Interdisziplinäre Notaufnahme) wurde zur Grundlage vieler weiterer Verbesserungen. 2012 kam schließlich der nächste große Schritt: "Herr Happel, wir brauchen ein Belegungsmanagement", habe Klinik-Vorstand Priv.-Doz. Dr. Menzel damals gesagt. Happel baute es auf – ein Prozess, der lange dauerte und viel Überzeugungsarbeit erforderte. "Das geht nur über vertrauensbildende Maßnahmen. Und man braucht einen langen Atem."
Höchste fachliche Kompetenz, logistisches Wissen und Sozialkompetenz
Doch nicht nur die Abläufe innerhalb der Notaufnahme veränderten sich – auch das Zusammenspiel mit dem Rettungsdienst wurde völlig neu organisiert. "Vorher war es so: Der Rettungsdienst kam rein und musste sich eine Person suchen, der sie den Patienten übergeben konnte", erklärt Happel. Das Wartezimmer funktionierte häufig nach dem Prinzip 'first come, first serve'. Mit seiner Arbeit als Koordinator führte er ein System ein, das Dringlichkeit, Fachrichtung und auch die Belegung im gesamten Haus berücksichtigt. "Innerhalb von zwei Minuten muss jeder Patient gesehen und bewertet werden." Dafür brauche es höchste fachliche Kompetenz, logistisches Wissen und ein hohes Maß an Sozialkompetenz. Heute arbeiten acht Koordinatoren in der Zentralen Notaufnahme; zwischen 8 und 20 Uhr müsse man mittlerweile zwingend zu zweit sein, "sonst geht das gar nicht mehr".
Happel: "Für diesen Job braucht man ein breites Kreuz"
Eine besondere Herausforderung blieb über all die Jahre der stetige Anstieg der Patientenzahlen und damit verbunden auch immer wieder Reibereien mit dem Rettungsdienst. Dennoch ist Happel überzeugt: "Wir nehmen jeden Patienten, der in eine Notaufnahme gehört." Dass die Abläufe trotz der Belastung funktionieren, führt er vor allem auf eines zurück: Rückhalt. "Man braucht ein breites Kreuz. Der Rückhalt des Vorstands war ganz entscheidend." Vor allem in den vergangenen fünf Jahren sei die Akzeptanz der ärztlichen Direktoren enorm gewachsen. "Und dann bremse ich ab, von hundert auf null"
Nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt – und eine deutliche Zäsur. "Ich bin hier immer auf 100 Prozent gefahren. Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen." Die kommenden vier Monate wird er seinen Nachfolger Tim Muth noch begleiten, dann folgt ein radikaler Schnitt. "Jacke aus! Und dann bremse ich ab, von hundert auf null." Angst habe er davor nicht. "Ich werde nicht zuhause die Füße auf den Tisch legen, sondern mich neu erfinden." Ein Schmunzeln folgt: "Und dann hab ich eine neue Chefin: meine Frau. Sie geht drei Wochen nach mir in Rente." Er werde das "bis zum Schluss durchziehen".Happel wird in diesem Jahr 65 – und auch wenn ihm der Abschied schwerfällt, sagt er mit echter Herzlichkeit: "Das hab ich gern gemacht hier." (Moritz Bindewald) +++