240.000 Vertrauensbeweise

Klinikum Fulda kombiniert medizinische Exzellenz mit Innovationskraft

Knapp 60.000 Patientenkontakte konnte der 1.000-Betten-starke Maximalversorger Klinkum Fulda 2025 allein für die Zentrale Notaufnahme vorweisen. Etwa 40.000 Patienten wurden stationär behandelt.
Fotos: Hendrik Urbin

09.04.2026 / FULDA - "Wir haben uns im vergangenen Jahr außerordentlich gut geschlagen – auch im bundesweiten Vergleich", konstatiert Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Sprecher des Vorstands am osthessischen Klinikum der Maximalversorgung in Fulda. Trotz eines gesundheitspolitisch herausfordernden Umfelds blickt die Führungsebene im exklusiven Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS optimistisch auf das Erreichte und die kommenden Meilensteine.



Das Jahresgespräch mit der Redaktion hat für den Klinikvorstand mittlerweile Tradition. Es ist ein Moment der Bilanzierung, aber auch der Visionen. Zwar ist die wirtschaftliche Lage im deutschen Krankenhaussektor angespannt – "die Kostenseite steigt schneller als die Vergütung", so Finanzvorstand Michael Wilhelm –, doch das Klinikum Fulda setzt dieser Entwicklung aktives Wachstum und Effizienz entgegen. Man befindet sich aktuell mitten im Jahresabschluss, wobei die Tendenz klar nach oben zeigt.

Rekordzahlen und Effizienz in der Notaufnahme

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Stolze 240.000 Patientenkontakte verzeichnete der Maximalversorger inklusive des MVZ Osthessen im vergangenen Jahr. Davon entfielen allein 60.000 Kontakte auf die Zentrale Notaufnahme (ZNA) – eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den 50.000 Notfällen im Jahr 2024.

Besonders beeindruckend: Trotz des höheren Patientenaufkommens ist es gelungen, die durchschnittliche Verweildauer in der ZNA auf unter vier Stunden (240 Minuten) zu reduzieren. "Natürlich werden dringliche Fälle dabei priorisiert behandelt", hebt Menzel hervor. Beiden Vorständen ist es dabei ein Herzensanliegen, das Team in den Fokus zu rücken: "Die Mitarbeitenden machen einen super Job! Nur durch diesen außergewöhnlichen Einsatz - an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr – garantieren wir die Verlässlichkeit und medizinische Qualität, die uns als Maximalversorger auszeichnet."

Moderne Personalstrategie: Flexibilität statt starrer Regeln

Der Generationenumbruch ist im Klinikum Fulda in vollem Gange. "Die Babyboomer gehen jetzt sukzessiv in Rente", erklärt Menzel. Das Haus begegnet diesem Wandel jedoch proaktiv: Die Nachbesetzung der wichtigen Chefarzt-Positionen läuft erfolgreich, auch wenn das Angebot deutschlandweit knapper wird. Mit mittlerweile beinahe 4.000 Mitarbeitenden wächst die Belegschaft stetig weiter.

Um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, bricht das Klinikum veraltete Strukturen auf. "Wir müssen flexibler sein, um einer neuen Generation entgegenzukommen", betont Wilhelm. Das Klinikum erprobt daher neue Arbeitsmodelle, die über das klassische "One-Size-Fits-All" hinausgehen. Statt starrer Regeln entstehen individuelle Lösungen. Dies ist ein notwendiger Schritt, um Fachkräfte langfristig an den Standort Fulda zu binden, da heute persönliche Bedürfnisse wie Flexibilität und Lebensqualität eine immer größere Rolle spielen.

Motor für Telemedizin und regionale Vernetzung

Im Zuge der anstehenden Krankenhausreform positioniert sich das Klinikum Fulda als starkes, koordinierendes Zentrum für die gesamte Region. Das Ziel ist eine engere und vor allem intelligentere Form der Versorgung mit umliegenden Krankenhäusern. Wie diese regionale Zusammenarbeit konkret aussehen kann, zeigt das neu gegründete MVZ vom Klinikum Fulda und Herz-Jesu-Krankenhaus. Ein wesentlicher Hebel für die Zukunft ist zudem der massive Ausbau der Telemedizin:

· Telenotarzt-System: Ein Telenotarzt kann künftig direkt aus dem Klinikum heraus auf Notarzteinsätze in der Region zugeschaltet werden. Dies ermöglicht eine sofortige fachärztliche Unterstützung vor Ort und optimiert die präklinische Versorgung.

· Teleintensivmedizin: Durch digitale Vernetzung unterstützt das Klinikum kleinere Häuser bei der Behandlung intensivpflichtiger Patienten. Dies erleichtert nicht nur die medizinische Steuerung, sondern sorgt auch für sicherere Verlegungsprozesse in den Maximalversorger.

· Vernetzung in Kardiologie und Neurologie: In diesen zeitkritischen Fachbereichen wird die telemedizinische Zusammenarbeit intensiviert, um Expertenwissen digital und ortsunabhängig zur Verfügung zu stellen. Ein entsprechender Förderantrag liegt bereits in Berlin, um eine Finanzierung zu sichern, die über die Grenzen Osthessens hinauswirkt.

Lehre, Forschung und die digitale Transformation

Auch wissenschaftlich wächst der Standort: Ab dem Wintersemester 2027/28 soll die Zahl der Medizinstudierenden auf 270 steigen. "Ein wichtiger Schritt, um nicht nur die Lehre, sondern auch die wissenschaftliche Arbeit am Standort zu stärken", betont Wilhelm. Er richtet dabei einen Appell an die Landesregierung, den eingeschlagenen Weg weiterhin mit den nötigen Mitteln und Rückhalt zu unterstützen.

Parallel dazu treibt das Klinikum Fulda die digitale Transformation voran. Ein eigenes, sog. "KI-Board" begleitet seit drei Jahren Projekte in der Diagnostik und Strahlentherapie. Künftig soll Künstliche Intelligenz vor allem administrative Last von den Schultern der Ärzte nehmen – etwa durch die automatische Transkription von Anamnesegesprächen oder die Erstellung strukturierter Arztbriefe. "Durch Innovation wollen wir eine Spitzenposition einnehmen", so der Finanzvorstand.

Investition in Resilienz, Nachhaltigkeit und Komfort

Innovation findet auch direkt am Patienten statt. Aktuell befindet sich eine neue Smartphone-App zur Menüauswahl in Arbeit, über die Patientinnen und Patienten ihre Essenskomponenten künftig bequem selbst zusammenstellen können. Ergänzt wird dies durch eine neue "Premium-Plus-Linie" mit hochwertigen Gerichten wie Lachs oder Rhöner Ochsenbäckchen. "Wir kochen weiterhin selbst und wollen Hotelkomfort bieten", unterstreicht die Klinikleitung.

Darüber hinaus investiert das Klinikum konsequent nicht nur in Sicherheit, sondern auch in Resilienz und Nachhaltigkeit. Neben medizinischen Meilensteinen wie dem neuen Linksherzkatheterlabor und einer hochmodernen Dialyse wurde die Infrastruktur krisenfest gemacht. Eine redundante Wasserversorgung und drei leistungsstarke Notstromaggregate sichern einen autonomen Betrieb für über zehn Tage – ein Spitzenwert im bundesweiten Vergleich, der die Rolle des Klinikums als verlässlicher Anker in Krisensituationen unterstreicht.

Qualität durch Transparenz und ein großes Jubiläum

Fehlerfreiheit gibt es in der Hochleistungsmedizin nicht, aber das Klinikum setzt konsequent auf eine offene Fehlerkultur. Dass dieses Risikomanagement Früchte trägt, belegen unter anderem sinkende Haftpflichtprämien. "Wir nehmen jede Beschwerde ernst, um unsere Abläufe stetig zu verbessern", versichert Menzel.

Das Jahr 2026 ist zudem im Zeichen eines echten Doppel-Jubiläums: Unter dem Motto "220 + 50" feiert das Klinikum die Gründung der Landkrankenanstalt vor 220 Jahren sowie den Bezug des aktuellen Standorts vor 50 Jahren in der Pacelliallee.

Ausblick

Für das laufende Jahr plant das Klinikum Fulda fest mit einer positiven Entwicklung – sowohl bei den Fallzahlen als auch bei der Wirtschaftlichkeit: "Wir haben ein hochmotiviertes Team und die richtigen Weichen gestellt." (Moritz Bindewald) +++

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