Stockhäuser Theatergruppe

Phänomenaler Auftakt für Ohnsorg-Klassiker "Mensch sein muss der Mensch"

Phänomenaler Auftakt für "Mensch sein muss der Mensch"
Fotos: Frank Lang

10.01.2026 / HERBSTEIN - Die Stockhäuser Theatergruppe präsentiert derzeit das orig. Ohnsorg-Theaterstück "Mensch sein muss der Mensch" von Günther Siegmund mit phänomenalen Theaterabenden unter der Regie von Frank Lang.



Wer kennt sie nicht, die seit langem überregional bekannte und beliebte Stockhäuser Theatergruppe, die seit fast 40 Jahren das Publikum mit Einfallsreichtum, Authentizität, Spielfreude und detailgetreuem Bühnenbild das Publikum immer wieder verzaubert, erstaunt und zum Lachen bringt. Der Autor Günther Siegmund hat das Stück in 1970 speziell für die Ohnsorg-Truppe geschrieben, seitdem wurde es immer wieder aufgeführt und mehrfach verfilmt. Schon der Titel "Mensch sein muss der Mensch" könnte mit seiner Message nicht aktueller sein, wahrscheinlich sogar dauer-aktuell, solange es Menschen gibt. Das Stück ist angesiedelt in einem Polizeirevier in dem kleinen norddeutschen Örtchen Freedensee, irgendwann in der jüngeren Bundesrepublik.

Dort trifft man auf Polizeimeister Wilke, der seine Polizeistation sowie die fast gesamte Bevölkerung begeisternd im Griff hat, da er Bürokratie und Vorschriften nicht so genau nimmt und z.T. seine eigenen Methoden entwickelt, um Mensch zu bleiben und Gutes für den Ort sowie die Bevölkerung zu tun, wobei seine eignen Vorlieben natürlich auch nicht zu kurz kommen. (Achtung Spoiler): Da dies nicht ausnahmslos jedem gefällt, taucht ein anonymer Brief auf, der ihn und seine Methoden anklagt und offiziell anschwärzt. So kommt ein Stein ins Rollen, der die gesamte Handlung des Stückes auslöst und mit seinen Verwechslungen, in Verbindung mit den auftauchenden Charakteren, kein Zuschauerauge trocken bleiben lässt, wobei der Ausgang in keinster Weise vorhersehbar ist und zu großem Erstaunen führt. Jürgen Kimpel spielt seine Figur des Polizeimeister Hanes Wilke ausgezeichnet, ja er ist einfach der gewiefte, z.T. strenge, aber herzliche Chef der Polizeistation, der immer mal ein Schnäpschen zwischendurch braucht und während der Dienstzeit mit seinem Freund über das Telefon Schach spielt.

Die zweitgrößte Rolle hat Nadine Borrmann mit großer Begeisterung übernommen; nämlich die der Kommissarin Hanne Kleinschmidt, die sich unter einem Vorwand aufgrund des anonymen Briefes einschleicht und bald enttarnt wird und somit in ihrer Funktion die Sache einer auftauchenden Leiche dirigieren kann, aber Freedensee wäre nicht Freedensee, wenn nicht sogar sie mit ungeahnten Wendungen konfrontiert und klar kommen müsste; eine Rolle, die Nadine wie auf den Leib geschrieben scheint, denn sie wächst geradezu über sich hinaus. Der örtliche Pastor Petersen wird von Neuzugang Paul Miller gespielt, der mit seiner anfänglich moralischen Steifheit zuletzt ein Mensch zu werden bzw. doch zu sein scheint, denn er ist dem Schnäpschen sowie den Frauen auch nicht abgeneigt; auch ihm nimmt man diese Rolle absolut ab und begeistert mit seiner Spielweise entsprechend. Emma Wiggers wird von Beate Eidmann ebenso authentisch dargestellt in ihrer Funktion der resoluten Reinemachefrau, die kein Blatt vor den Mund nimmt und sich dennoch mit Herzlichkeit und Elan in die Zuschauerherzen spielt.

Der Gemeindediener Stingel wird von Sebastian Wahl gespielt, ein eher bequemer, gerne mal ein Schnäpschen trinkender, liebenswürdiger Zeitgenosse, der für 2 Flaschen Schnaps sogar seinen Freund Wilke versetzt; eine Rolle, die dem Zuschauer –so gespielt- einfach gefällt. Daniel Fritz schlüpft mit Bravour in die Rolle des Polizeibeamten Benthin, der aus Eigennutz um die Chefstelle von Hanes Wilke den anonymen Brief verfasst hat und vom im Ort weniger gemochten Beamten zu guter Letzt zum wahren Menschen wird, wie sich Wilke ausdrückt, da auch er nunmehr bereit ist, auch mal 5 gerade sein zu lassen. Seine Angebetete Friedel wird so schön von Lisa-Marie Eidmann gemimt, ein sympathisches einfaches hübsches Mädchen, die u.a. immer mal mit Fahrrad hinter dem großen Fenster auf der Bühne vorbeifährt, mit Ausblick in die Natur von Freedensee.

Der die Handlung immer wieder bis zum Ende in eine andere Richtung verändernde Kleinkriminelle Knoop wird top besetzt von Christoph Kimpel. Er überzeugt mit seiner Spielweise in der Rolle des einfachen, naiven aber dennoch in gewisser Weise auch schlauen anfangs leicht verlotterten Vagabunden. Zu guter Letzt ist auf jeden Fall noch Christian Oestreich zu nennen, der der hinzugefügten Rolle des Hein in seiner Kürze viel Sympathie und Wichtigkeit verleiht, denn er ist es, der die Leiche findet (eine Schaufensterpuppe) und in Absprache mit Wilke seinen Onkel Pastor mit Boxhandschuhen ausstattet für einen fingierten Schaukampf mit Wilke, um Geld für den Gemeindesaal zu sammeln, während Wilke seit drei Jahren mit dem Schnäpschengeld den örtlichen Sportplatz mitfinanziert. Des Weiteren überführt Hein Frau Emma, welche eine heimliche Beziehung mit dem Pastor hegt und übernimmt auch den letzten Satz des Stücks, als er noch die echte Leiche findet.

Es wären noch so viele schöne Details und Begebenheiten zu nennen, die diese Komödie ausmachen und unterstreichen. Man sollte sich dieses Event nicht entgehen lassen, ist es doch immer wieder das Highlight in der Region um die Jahreswende. (mp/pm) +++

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