Landschaftspflegeverband
Pflegemaßnahmen zum Erhalt wertvoller Kalkmagerrasen
Foto: Dieter Gothe
02.12.2025 / HEF-ROF -
Mit Beginn der kalten Jahreszeit beginnen die Pflegemaßnahmen, die im Landkreis Hersfeld-Rotenburg durch den hiesigen Landschaftspflegeverband (LPV) umgesetzt werden. In diesem Jahr stehen die Kalkmagerrasen im nördlichen Landkreis im Fokus.
Sie sind wertvolle Lebensräume, in welchem sich seltene Arten wie das Dreizähnige Knabenkraut (Orchis tridentata) und der ThymianAmeisenbläuling (Maculinea arion) wohl fühlen. Damit diese besondere Artenvielfalt auch in Zukunft erhalten bleibt, ist eine manuelle Pflege oft auch nach jährlicher Beweidung mit Schafen und Ziegen notwendig.
In der Pressemitteilung vom Landschaftspflegeverband Hersfeld-Rotenburg heißt es weiter: Für zwei Kalkmagerrasen des FFH-Gebietes Kalkmagerrasen zwischen Morschen und Sontra wurden dieses Jahr Pflegemaßnahmen durch den LPV organisiert: Am Hesselkopf bei Bebra-Solz und am Allerhättenberg bei Bebra-Iba wurden standortfremde Waldkiefern entfernt, um die Kalkmagerrasen zu vergrößern. Diese wurden Mitte des letzten Jahrhunderts auf den nährstoffarmen Böden angepflanzt, als die Flächen, aufgrund Aufgabe von Schaf- und Ziegenhaltung, brachfielen. Durch die Entnahme der Kiefern gelangt Licht auf den Boden, sodass die Samen im Boden den Kalkmagerrasen wieder erblühen lassen.
Seit über 25 Jahren beweidet und gepflegt
So kann in Zukunft wieder Beweidung stattfinden. Die Maßnahmen wurden in enger Kooperation mit Flächeneigentümern, Landwirten, der NABU-Gruppe Solz, dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg und RP Kassel geplant und umgesetzt. Finanziert wurden sie aus Natura 2000- Schutzgebietsmitteln, die speziell der Verbesserung von Lebensräumen in FFH- und Vogelschutzgebieten dienen. Der Hesselkopf – von Einheimischen auch "Spembel" genannt –, wird bereits seit über 25 Jahren durch Landwirte und der NABU-Gruppe-Solz beweidet und gepflegt. Hier wurden ca. 200 Festmeter Waldkiefern auf einer Fläche von 7000 m² gefällt.Zudem gibt es eine Besonderheit: ein alter Steinbruch angrenzend an einen Kalkmagerrasen. Dieser ist in den vergangenen Jahrzehnten zugewachsen und wird derzeit freigestellt. Dabei werden Gehölze entfernt und Unrat beseitigt, der sich über die Jahre angesammelt hat. Die Entsorgung übernimmt der Bauhof der Stadt Bebra. Die steile, nach Süden ausgerichtete Abbruchwand kann sich künftig in der Sonne wieder stark erwärmen und bietet ideale Bedingungen für wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten, die auf offene, sonnenexponierte Lebensräume angewiesen sind.
Fäll- und Rückearbeiten
Durch die notwendigen Fäll- und Rückearbeiten kann es zu vorübergehenden Beeinträchtigungen an Wegen kommen. Trotz sorgfältiger Durchführung lassen sich Flurschäden nicht immer vermeiden und werden bei Bedarf behoben. Wir bitten um Verständnis. Die betroffenen Stellen erholen sich erfahrungsgemäß schnell. Schafe und Ziegen leisten durch Beweidung einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt. Gerade deshalb spielen deren Halterinnen und -halter eine zentrale Rolle für den Erhalt der Kulturlandschaft und den Naturschutz in der Region. Neben dem Offenhalten von Kalkmagerrasen verbreiten die Tiere, über Fell, Hufe und Kot, Pflanzensamen von einer Fläche zur nächsten.Er dient als Pufferbereich zwischen Weg und Acker und ist selbst ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Bei Fragen und Anregungen können Interessierte Kontakt aufnehmen mit dem LPV Hersfeld-Rotenburg unter der Telefonrufnummer 06621- 944181, buero@lpv-hef-rof.de. Der LPV wird über die hessische Richtlinie zu Förderung der Landschaftspflegeverbände finanziert. Hintergrund: Natura 2000 ist ein europaweites Netz von Schutzgebieten, das dem Erhalt gefährdeter und typischer Lebensräume sowie Arten dient.
Es besteht aus FFH- (Flora-Fauna-Habitat-) und Vogelschutzgebieten. Grundlage sind die europäische FFH- und Vogelschutzrichtlinie, deren gemeinsames Ziel die Sicherung der biologischen Vielfalt in Europa ist. In Deutschland werden 93 Lebensraumtypen und fast 300 Tier- und Pflanzenarten als besonders schützenswert eingestuft, so der Landschaftspflegeverband Hersfeld-Rotenburg in der Pressemitteilung abschließend. (pm/hhb) +++
Foto: Zarah Greiner