Gedenkfeier für Verstorbene am Weltaidstag
Mit Solidarität gegen das Aufflammen der Pandemie: "Gemeinsam gerade jetzt"
Fotos: Anna Weißenberger
02.12.2025 / FULDA -
9.060 in Hessen, fast 100.000 in Deutschland und 41 Millionen Menschen weltweit leiden am Immunschwäche-Virus, besser bekannt als HIV. Anlässlich des Weltaidstages am 1. Dezember veranstaltete die Aidshilfe Fulda e. V. am Montagnachmittag einen Informationstag mit anschließender Schweigeminute, aufzuklären, zu warnen und verstorbenen Erkrankten zu gedenken.
"Die diesjährige Kampagne zum Weltaidstag bringt eine besondere Botschaft mit, die kaum aktueller sein könnte: gemeinsam gerade jetzt", begann Susanne Maul von der Geschäftsführung der Aidshilfe Fulda, "Diese Worte richten sich an alle hier in Deutschland und weltweit. Sie erinnern daran, dass Solidarität kein leeres Wort ist, sondern eine Haltung, die Menschen schützt, Leben rettet und Zukunft ermöglicht."
Menschen schützen, Leben retten, Zukunft ermöglichen
Denn in Zukunft sind Erkrankte mit noch größeren Herausforderungen konfrontiert, wie Maul erklärte: "Weltweit leben 41 Millionen Menschen mit HIV, viele von ihnen verdanken ihr Überleben einer gesicherten medizinischen Versorgung und genau diese Versorgung gerät gerade massiv ins Wanken." Über Jahrzehnte hinweg seien die USA die Geldgeber im weltweiten Kampf gegen HIV und Aids gewesen, was sich inzwischen geändert hat. "Die Folgen sind dramatisch: Die UNAIDS warnt, dass bis 2029 vier Millionen Menschen an Aids sterben könnten und sieben Millionen zusätzliche HIV-Infektionen zu erwarten sind", betonte sie, "Diese Zahlen sind nicht abstrakt, hinter ihnen stehen Familien, Kinder und Hoffnungen." Zu wenig Anlaufstellen
Auch in Fulda selbst ist man mit Herausforderungen konfrontiert, allerdings aus einem anderen Grund, wie Susanne Maul äußerte: "Dank modernen Medikamente können Menschen mit HIV heute ein langes, gesundes Leben führen. Wer erfolgreich therapiert wird, gibt das Virus nicht mehr weiter. Das ist zwar ein medizinischer Durchbruch, aber der ist in Fulda leider noch immer nicht angekommen." Im Umkreis gebe es nur eine Praxis, die Menschen mit HIV behandelt. Wer auf eine spezialisierte Versorgung für HIV angewiesen ist, müsse in eine Schwerpunktpraxis nach Frankfurt, Würzburg, Gießen oder Kassel fahren. "Diese Versorgungslücke ist mehr als eine Unannehmlichkeit. Sie ist ein Risiko", betonte sie, "Ein weiteres wichtiges Instrument der HIV-Prävention ist Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP). Die Krankenkassen übernehmen dafür mittlerweile die Kosten, doch wir haben in Fulda keine Praxis, die PrEP verschreibt und das ist eine riesige Lücke."
Gegen Diskriminierung, Tabuisierung und Stigmatisierung
Prof. Dr. Mike Laufenberg hat seit einem Jahr die Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Geschlecht und Sexualität inne und ordnete die Situation anschließend ebenfalls ein: "Ein Leben mit Aids ist heute kein Todesurteil mehr. Wir sind sogar so weit, dass Menschen, die HIV-positiv sind, nicht mehr infektiös sind. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass nicht alle gleichermaßen von den medizinischen Möglichkeiten und staatlichen Förderprogrammen profitieren." Der Zugang zu Testungen und Medikamenten für Prävention und Therapie bleibe in vielen Regionen in der Welt weiterhin eingeschränkt. Die Gründe dafür: finanzielle, politische und wirtschaftliche Entscheidungen.Am Ende appellierte er an die Anwesenden: "Wir gedenken heute all jenen, die an Aids gestorben sind. Ihre Geschichten verpflichten uns, engagiert und solidarisch zu handeln: Für eine Welt, in der niemand mehr an Ausgrenzung, Nichtwissen und fehlendem Zugang zu Prävention und lebensrettenden Maßnahmen sterben muss." (Anna Weißenberger) +++