"Wir sind jederzeit vorbereitet!"

Zwischen Flammen und Fluten: Welchen Gefahren stellt sich das THW?

Das THW Fulda stellt sich mutig Katastrophen wie Flut, Feuer und Unglücken entgegen - ob im Ahrtal, im Saarland oder bei Bränden in der Rhön, die Helfer sind jederzeit bereit, Leben zu retten und Infrastruktur wieder aufzubauen.
Fotos: Laura Struppe

02.12.2025 / FULDA - Eine Katastrophe, die apokalyptisch wirkte: das Hochwasser im Ahrtal (Rheinland-Pfalz). Der Deutsche Wetterdienst warnte im Juli 2021 vor extremen Niederschlägen, kurz darauf kam es dann zu den ersten Überschwemmungen. Der sonst so ruhig wirkende Fluss - die Ahr - verwandelte sich in kurzer Zeit in einen reißenden Strom. Autos, Wohnmobile und vieles mehr wurden mitgerissen. Ein Seniorenheim, eine Grundschule, Häuser und Wohnungen sind mit Wasser vollgelaufen. Die Flutkatastrophe forderte etwa 135 Leben.



Genau diesem Schreckensszenario stellte sich das Technische Hilfswerk (THW) des Ortsverbands Fulda. Sie waren wochenlang im Einsatz, um die Menschen vor Ort zu unterstützen. Auch beim Großbrand in Weyhers, als die Leergut-Kisten bei RhönSprudel in Flammen aufgingen, waren sie im Einsatz. Mit ihren blauen Fahrzeugen fallen sie auf, doch um was genau kümmert sich das THW eigentlich? Und wie gefährlich kann der Beruf sein? OSTHESSEN|NEWS hat in einem Exklusiv-Interview mit Jan Fäller, Zugführer und kommissarischer Ortsbeauftragter, und Julian Bolz, stellvertretender Ortsbeauftragter, nachgefragt.

"Wir sind jederzeit vorbereitet, um angefordert zu werden"

Das THW lebt - wie die Freiwillige Feuerwehr - vom Ehrenamt. So arbeitet Fäller als Notfallsanitäter und Bolz als Projektmanager. Deutschlandweit gibt es 668 Ortsverbände. Das THW feierte in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen. Der Ortsverband Fulda lädt dazu am Mittwoch, dem 3. Dezember, auf sein Gelände in der Ludwig-Beck-Straße 34 ein, um Interessierten einen genauen Einblick zu bieten und im besten Fall weitere Mitglieder dazuzugewinnen. Seit etwa 72 Jahren besteht der Verband in Fulda, heute mit etwa 50 Einsatzkräften und 30 Jugendlichen. Zusammen mit Neuhof und Hünfeld verfügt der Landkreis Fulda über drei THW-Standorte. "Im Landkreis Fulda passieren zum Glück keine großen Katastrophen", fasst Fäller zusammen. Gleichzeitig macht er aber klar: "Wir sind als Technischer Zug jederzeit vorbereitet, um angefordert zu werden. Zum Beispiel im Rahmen des Einsatzverbandkonzepts der Regionalstelle Gelnhausen und Frankfurt können wir gemeinsam innerhalb von sechs Stunden 450 Einsatzkräfte auf die Straßen entsenden." Die Mitglieder sind in unterschiedlichen Bereichen geschult - darunter beispielsweise Retten aus Trümmern und die Notversorgung.

Von Hochwasserkatastrophen über Unfälle bis hin zu Brandeinsätzen

Doch wo genau liegen nun die Aufgaben des THW? "Unsere erste Aufgabe ist der Zivilschutz. Wir hoffen natürlich, dass es hier nicht zu einer solchen Katastrophe kommt. Deshalb haben wir uns weiteren Aufgaben wie der alltäglichen Arbeit der Gefahrenabwehr und der technischen Hilfe gewidmet", erklärt der kommissarische Ortsbeauftragte. Bolz ergänzt: "Wir sind vor allem auch auf überregionale Einsätze spezialisiert." Aus diesem Grund war der Ortsverband Fulda auch beim Hochwasser-Unglück im Ahrtal vor Ort. "Damals waren wir etwa acht Wochen im Einsatz. Es ging darum, die entstandenen Schäden zu lindern und die Gefahren einzudämmen. So haben wir auch Zuwege geschaffen und die Infrastruktur wieder hergestellt - das heißt wir haben sowohl beim Straßen- als auch beim Brückenbau unterstützt", so der stellvertretende Ortsbeauftragte im Gespräch mit O|N.

Als es im Jahr 2024 zum Starkregenereignis und daraus resultierenden Hochwasser im Saarland kam, war das THW etwa drei Tage vor Ort. "Auch hier kümmerten wir uns um die Schadensbewältigung und haben das Wasser aus den Gebäuden gepumpt", erklärt Fäller. Hier gab es nur einen entscheidenden Unterschied zum Ahrtal: "Wir wurden früher alarmiert, hatten also zwischen zwölf und 24 Stunden Zeit, Personal zu organisieren." Auch beim RhönSpudel-Brand im April 2025 war das THW im Einsatz. "Wir mussten mit einem Teleskoplader die geschmolzenen Kisten auseinanderziehen, damit die Feuerwehr die Glutnester erreichen konnte", fasste der Zugführer gegenüber O|N zusammen. Weitere Einsätze waren beispielsweise ein Zugunglück - ein Zug raste in eine Schafsherde - und ein Scheunenbrand in Dipperz-Dörmbach vor einigen Jahren, bei dem leider auch Tiere verbrannten. "Jeder Einsatz ist anders und muss für sich betrachtet werden. Wir wissen vorher oft nicht, was uns erwartet", heißt es von den beiden.

Mit Notfalltasche immer einsatzbereit

Wie es sich bereits anhand der genannten Einsätze angedeutet hat, ist das THW selten unter 12 Stunden an den Unfallstellen vor Ort. "Aus diesem Grund ist jeder von uns dazu angehalten, eine Art Notfalltasche zu haben, um im Falle der Alarmierung nicht lange packen zu müssen", schildert Bolz. Dieses Engagement zeigt sowohl die Einsatzbereitschaft der Mitglieder als auch das Vertrauen untereinander. "Wir verlassen uns darauf, dass jeder sein Bestes gibt. Jede Kraft ist wichtig, um vor Ort zu funktionieren." Bedenken haben die beiden definitiv nicht: "Wir sind unglaublich stolz auf die Leistungsfähigkeit hier. Es ist kein Standard, dass unser Team so eingespielt und immer bereit ist, etwas Neues zu lernen." Der THW-Ortsverband Fulda ist also durch und durch zukunftsfähig.

Ob bei Flutkatastrophen, Bränden oder Unfällen - die Einsatzkräfte stellen sich mutig den Herausforderungen, oft unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen. Ihr Einsatz bedeutet nicht nur technische Hilfeleistung, sondern auch Hoffnung und Sicherheit für die Betroffenen. Der Ortsverband Fulda beweist eindrucksvoll, dass Teamgeist, Professionalität und Einsatzbereitschaft Hand in Hand gehen. Dieses Engagement verdient höchste Anerkennung und macht deutlich: Das THW ist eine starke Stütze im Katastrophenschutz und ein leuchtendes Beispiel für gelebte Solidarität. (Mia Schmitt) +++

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