Tolle Atmosphäre auf Point Alpha
Tausende Besucher feierten den "35. Tag der Deutschen Einheit"
Alle Fotos: Johannes Schneider
04.10.2025 / RASDORF (RHÖN) -
Traumhafte Resonanz bei traumhaftem Wetter und traumhafter Kulisse: Zum 35. Tag der Deutschen Einheit und zu 30 Jahre Point Alpha hatte die Point Alpha Stiftung traditionell einen bunten Familientag organisiert und dazu in die Gedenkstätte zwischen Rasdorf und Geisa eingeladen. Tausende Besucher haben gemeinsam Demokratie, Freiheit und den einst heißesten Punkt im Kalten Krieg gefeiert.
Auch in der Rhön und Osthessen herrschte Euphorie am 3. Oktober 1990. In den turbulenten Monaten zuvor hatten die Ostdeutschen sich der SED-Diktatur entledigt, an der Wahlurne das Signal für die rasche Vereinigung gesetzt, die Einführung der D-Mark erreicht. Viele bejubelten das Ende von 40 Jahren deutscher Teilung, den Abbau der tödlichen Grenze und die Friedliche Revolution in der DDR. Jedes Jahr erinnert die Point Alpha Stiftung am 3. Oktober an die deutsche Wiedervereinigung. An diesem Tag im Jahr 1990 trat der Einigungsvertrag in Kraft. Die Teilung war beendet und die deutsche Einheit vollzogen.
Eingeläutet wurde der wichtigste deutsche Feiertag im US Camp traditionell mit einem Ökumenischen Gottesdienst. Vor dem Hintergrund von 35 Jahre Wiedervereinigung hatte sich Dr. Thorsten Waap das Thema "Gesellschaftliche und eigene Grenzen" für seine Predigt gewählt. "Grenzen, Mauern und Abgründe wachsen vor Angst in die Unendlichkeit", erläuterte der Dekan vom Evangelischen Kirchenkreis Fulda und gab die Erzählung eines ehemaligen Grenzsoldaten wieder, der das metallische "Kling-Klick" des Hufeisenspiels im US Camp für ein Geräusch des Teufels hielt. Waap unterschied bei den Grenzerfahrungen von Menschen zwischen äußeren und inneren Grenzen. "Im Gegensatz zu Grenzlosigkeit und Entgrenzung im Umgang miteinander seien Grenzen zunächst einmal nichts Schlechtes. Im Gegenteil, sie gäben Halt, Tradition, Zugehörigkeit oder Maß, erst recht in Zeiten von Social Media."
Zuvor hatte Pastor Dr. Jürgen Kämpf aus dem Dekanat Hünfeld-Geisa die rund 500 Gläubigen begrüßt. Dabei verwies auf eine Spaltung in der Gesellschaft mit Zerrissenheit, Gewalt, Krieg und Ungerechtigkeit. Die Menschen hätten das Gefühl sich in einer Orientierungslosigkeit zu verlieren. Für ihn sei daher der Blick zu Gott so wichtig im Vertrauen darauf, dass dieser Orientierung und Versöhnung schenke.
Bunter und vielfältiger Familientag
Im Anschluss fiel der Startschuss für einen bunten und vielfältigen Familientag. Rundflüge mit dem Hubschrauber boten den Passagieren die Möglichkeit, das Ausmaß der Grenze einmal aus der Luft zu erfahren und die landschaftliche Entwicklung des ehemaligen Sperrgebiets zu verstehen. "Es ist kaum zu glauben, dass früher hier der ehemalige Todesstreifen mit dem Sperrgebiet auf der einen und dem Zonenrandgebiet auf der anderen Zeit Deutschland trennte und heute sich eine solch grünes Band auffällig durch die Landschaft schlängelt", sagte ein Teilnehmer, nachdem er wieder Boden unter den Füßen hatte. "Das Biosphärenreservat Rhön mit dem Nationalen Naturmonument Grünes Band üben aus der Vogelperspektive eine besondere Faszination aus."Über ein dunkles und tragisches Kapitel der DDR-Vergangenheit sprachen auf dem Podium die Zeitzeugen Christel Bittorf-Rasch (Hintere Mühle Unterweid), Bruno Heller (ehemals Seleshof Ketten), und Gerhard Heß (Kohlbachhof Kranlucken) mit Wolfgang Christmann (Burghaun) und Bruno Leister (Meiningen), den Autoren des Buches "Zur eigenen Sicherheit?" Die Diskutanten informierten die Zuschauer anschaulich über die Geschichten der "Geschleiften Höfe", erörterten Hintergründe und die menschlichen Schicksale der damit verbundenen Zwangsaussiedlungen. Heß zum Beispiel resümierte: "Ich kann die Heimat zwar noch besuchen, aber nicht mehr dort sein" und Bittorf-Rasch fügte an "Freiheit ist aber unverhandelbar". Moderiert wurde das Gespräch von Blanka Weber.
"Die Atmosphäre am authentischen Geschichtsort war beeindruckend und viele Gäste haben uns in Gesprächen und Begegnungen bestätigt, dass Point Alpha ein markantes Monument für einen bedeutenden Teil der deutschen Geschichte ist, die nicht in Vergessenheit geraten darf", zog der Point Alpha Vorstand mit Benedikt Stock und Philipp Metzler ein erfreuliches Fazit gegen Ende des Tages. "Freiheit und Demokratie sind nicht selbstverständlich und stets im Wandel. Sich ihrer Geschichte zu erinnern, macht sie lebendig und beständig." (mp/pm) +++