"Wollen die Gesellschaft besser machen"
Sechs Millionen Euro für Forschungsprojekt "eParT" an der Hochschule
Fotos: Julia Schuchardt
02.10.2025 / FULDA -
Großer Tag für die Hochschule Fulda: der Forschungsverbund "eParT" erhält eine Förderung in Höhe von sechs Millionen Euro. Bei einer Ausschreibung der Deutschen Fördergemeinschaft (DFG) setzte sich die Hochschule durch - rund acht Kolleginnen und Kollegen werden sich künftig mit dem Thema "Forschungsimpulse" befassen. Wesentliche Frage dabei: Wie können Bürger aktiv im Leben mitgestalten?
Der Forschungsverbund "E-Partizipation für Transformationen nutzbar machen: Erkundung von Anwendungsfeldern, Einflussfaktoren und Wirkungen ('eParT')" erhält in den kommenden fünf Jahren Geld, um zu untersuchen, wie digitale Partizipation dazu beitragen kann, gesellschaftliche Veränderungsprozesse erfolgreich umzusetzen. Am Donnerstagmorgen luden die Verantwortlichen zu einem Pressegespräch in der Hochschule Fulda ein.
"Das ist für uns etwas ganz Hervorragendes"
Was macht das Forschungsprojekt eigentlich genau? In "eParT" arbeiten nicht nur Forschende aus verschiedenen Fachrichtungen zusammen, auch die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft wird gestärkt. Bundesweit hatten sich 77 Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) an der Ausschreibung beteiligt. Im Rahmen eines Begutachtungsprozesses wurden schließlich die besten fünf Anträge ausgewählt. Hessenweit ist die Hochschule Fulda die einzige HAW, die sich dabei durchsetzen konnte. "Das ist für uns etwas ganz Hervorragendes", betonte Hochschulpräsident Professor Dr. Karim Khakzar. Bereits in der ersten Ausschreibungsrunde der DFG im Jahre 2023 zählte die Hochschule Fulda zu den wenigen geförderten HAWs. Bundesweit gelang es neben der Fuldaer Hochschule nur der Technischen Hochschule Nürnberg in den beiden bisherigen Ausschreibungsrunden erfolgreich zu sein.
"Suche nach Lösungen nur im Zusammenspiel möglich"
Der Hochschulpräsident zeigte sich hinsichtlich des Projektes vorab schon überzeugt: "Fünf von acht Fachbereichen sind an dem Forschungsverbund beteiligt, und die Forschenden kommen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen. Darauf sind wir besonders stolz. Ein weiterer Aspekt, der dieses Projekt auszeichnet, ist die Einbeziehung außerwissenschaftlicher Akteure. Die Suche nach Lösungen für die großen gesellschaftlichen Herausforderungen ist hochkomplex und nur im Zusammenspiel möglich." Beteiligt sind acht Wissenschaftler aus den Gesundheits- und Sozialwissenschaften, der Elektrotechnik, der Politikwissenschaft, der Angewandten Linguistik und der Informatik, die gemeinsam Erkenntnisse darüber gewinnen wollen, wie E-Partizipation, also digitale Beteiligungs- und Entscheidungsprozesse, die Transformation in den Bereichen Gesundheit, Energie, Mobilität und Bildung fördern kann. Angesichts der wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen und des rasanten Fortschritts digitaler Technologien wird die digitale Partizipation immer wichtiger.
Ziel: "Praxisnahe Lösungen für Alltagsprobleme entwickeln"
"Dem Projekt liegt ein transdisziplinäres Verständnis zugrunde, wir beziehen also auch Ressourcen außerhalb der Hochschule ein. Zudem nutzen wir konsequent den 'Citizen-Science-Ansatz', das heißt, Bürger können aktiv an Forschungsprozessen mitwirken – von der Entwicklung von Fragestellungen bis hin zur Datenerhebung und -auswertung. Und wir verfolgen im Sinne angewandter Forschung das Ziel, praxisnahe Lösungen für Alltagsprobleme zu entwickeln", erklärte Professor Dr. Benjamin Ewert, Sprecher des Forschungsverbundes, zum Ansatz. Erprobung neuer Beteiligungsformate mit Praxispartnern
"eParT" arbeitet künftig mit regionalen Partnern zusammen, die für Bürger wichtige Angebote und Strukturen bereitstellen. Gemeinsam mit den Praxispartnern wollen die Forschenden neue Wege erproben, wie digitale Beteiligung praktisch genutzt werden kann. Über die Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (HAGE) e.V. beispielsweise könnten die Bürger über digitale Beteiligungsplattformen mitentscheiden, welche Präventionsangebote in Schulen und Stadtteilen gebraucht werden. In Kooperation mit der Region Fulda GmbH soll ein Pop-Up-Lab im Stadtzentrum entstehen, in dem Bürger ihre Ideen zur Gestaltung von Mobilitätskonzepten oder klimafreundlicher Stadtentwicklung einbringen. Die RhönEnergie Fulda GmbH arbeitet gemeinsam mit "eParT" an Lösungen, wie Bürger ihre Perspektiven zum Beispiel bei Fragen zur Ladeinfrastruktur für E-Mobilität oder zu Energiesparmaßnahmen in der Region digital einbringen können. Und mit der Stadt Fulda will das Projekt neue Beteiligungsformate mit Blick auf die kommunale Entwicklung erproben, etwa zur nachhaltigen Stadtplanung oder zu Bildungsangeboten. Damit die Ergebnisse des Projekts nicht in der Schublade verschwinden, baut der Forschungsverbund ein "Participation Hub", eine digitale Plattform, auf. Ergebnisse, Methoden und Empfehlungen rund um digitale Beteiligung sollen dort leicht verständlich und frei zugänglich gebündelt werden.
Für Bürger in Fulda und Umgebung bedeutet das: Sie können auf einfache Weise erfahren, welche Möglichkeiten es gibt, sich an Entscheidungen in den Bereichen Gesundheit, Energie, Mobilität oder Bildung zu beteiligen – sowohl online als auch vor Ort. Praktische Werkzeuge, Beispiele und Tipps sollen helfen, eigene Initiativen zu starten oder bestehende Beteiligungsprozesse besser zu nutzen. Der "Participation Hub" bringt damit Forschung und Alltag zusammen: Er stärkt die Stimme der Bürger, fördert Transparenz und schafft neue Wege, um gemeinsam gesellschaftliche Veränderungen aktiv mitzugestalten – in Fulda, der Region und darüber hinaus. (js/pm)++