Heißes Regionalliga-Duell

Föllsche Jungs fighten am Bieberer Berg: Coach sieht "zwei verlorene Punkte"

Heißes Flutlichtspiel am Dienstagabend am Bieberrer Berg
Fotos: Hans-Hubertus Braune

02.10.2025 / OFFENBACH - Nicht gewonnen, nicht verloren: So richtig wussten die Protagonisten nach dem intensiven Fußball-Regionalligaspiel zwischen den Kickers aus Offenbach und der Föllschen Elf aus Osthessen nicht, wie sie das 1:1 (1:1)-Unentschieden einordnen sollen.



Für beide Vereine ist der jeweilige Punkt in der augenblicklichen Tabellensituation eher zu wenig. Erst recht für die Offenbacher, deren Mannschaft weit entfernt ist, von dem, was sich der Verein und seine Fans vorstellen. Nach vier Niederlagen in Folge musste der bisherige Geschäftsführer Christian Hock am Montag nach einer Krisensitzung seinen Stuhl in der Geschäftsstelle räumen. Die sportliche Misere und damit die Diskussionen um den Kader wurden ihm zum Verhängnis, der Verein distanziert sich deutlich von den Anfeindungen. Die Fan-Seele kocht am Bieberer Berg.

Da war es sicher ein geschickter Schachzug, eine Legende in der Führungsriege zu installieren: Hans-Jürgen Boysen übernimmt ab sofort. Neue Spieler wird er allerdings nicht aus dem Hut zaubern können, allenfalls vertragslose Spieler sind am Markt. "Mein Leben war immer Fußball, ich kenne die Mannschaft und hab in dieser Saison alle Pflichtspiele gesehen. Jetzt fühle ich mich natürlich sehr stark in die Pflicht genommen", sagte Boysen am späten Dienstagabend nach der Pressekonferenz. "Wir müssen in unserer Situation von Spiel zu Spiel denken, die verletzten Spieler wieder heranführen und sehen, dass wir Stabilität hinkriegen", sagte der ehemalige Aufstiegsheld der Offenbacher.

Trainer Kristjan Glibo (43) habe eine schwere Aufgabe. So konnte er in dieser Saison nur am Saisonstart zweimal mit der nahezu identischen Mannschaft antreten. Verletzungen und ein kursierender Infekt erschweren die Arbeit des Trainers. Deshalb war er mit dem Unentschieden gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz auch nicht unzufrieden. "In der zweiten Halbzeit war es ein Abnutzungskampf. Du musstest bei jeder Standardsituation zittern, dass der ein oder andere auch wirklich hinkommt und so fällt das 1:1. Im Gegenzug haben wir noch den Lucky Punch auf dem Fuß", sagte Glibo in der Pressekonferenz. Nun gelte es, Kräfte zu sammeln, am Samstag geht es dann zum Kellerduell nach Balingen.

Es war durchaus mehr drin

Auch die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz kommt nicht so recht von der Stelle. Nach dem 1:1 am vergangenen Freitagabend in der heimischen Johannisau gegen den starken TSV Steinbach-Haiger musste sich das Team von Trainer Daniyel Cimen auch beim nächsten Flutlichtspiel mit einem 1:1 begnügen. Dabei war durchaus mehr drin. Insbesondere in der zweiten Halbzeit hatten die Osthessen mehrfach den Führungstreffer auf dem Fuß, etwa durch den ehemaligen Offenbacher Moritz Reinhard. Und wer weiß, wie die Partie gelaufen wäre, wenn Keanu Kraft in der Anfangsphase seinen spektakulären Sololauf mit dem frühen 1:0 abgeschlossen hätte?

Danach allerdings waren zunächst die Offenbacher vor dem Tor gefährlicher und hatten ein, zwei sehr gute Möglichkeiten zur Führung. Diese erzielte ausgerechnet Unglücksrabe Pietro Besso kurz vor der Halbzeitpause mit einem Eigentor. "Wir haben in dieser Phase gerade über die Flügel nicht mehr gut verteidigt und hatten nach vorne zu viele einfache Ballverluste", sagte Cimen.

Nach dem Wechsel änderte sich dies grundlegend. Nun war die SGB klar überlegen und zeigte eine starke Auswärtspartie. Die mitgereisten Anhänger peitschten ihre Jungs immer wieder nach vorne. Es war eine feine Fußballstimmung auf dem legendären Bieberer Berg. Mit 5.022 Fans war das Stadion allerdings eher mäßig gut gefüllt. Diese sahen aber eine durchaus sehenswerte, eine heiß umkämpfte Partie. Marius Grösch gelang in der 52. Minute der verdiente Ausgleichstreffer.

Daniyel Cimen zieht seinen Hut

"Was die Mannschaft dann in der zweiten Halbzeit hier gespielt hat, sowohl gegen als auch mit dem Ball, da muss ich vor meiner Mannschaft den Hut ziehen. Wir waren mutig nach vorne, wir haben extrem gut verteidigt, sowohl die langen Bälle als auch die zweiten Bälle und hatten dann, glaube ich, die klareren Torchancen", sagte der Coach.

Letztlich blieb es beim insgesamt leistungsgerechten Unentschieden. "Es fühlt sich trotzdem gerade für mich eher nach zwei verlorenen Punkten an. Dementsprechend bin ich mit der Art und Weise zufrieden, mit dem Ergebnis heute nicht ganz", fasste Cimen die 90 Minuten im Flutlicht vom Bieberer Berg treffend zusammen. Nun gilt es, an die Leistung anzuknüpfen und möglichst in Unterfranken einen "Dreier" einzufahren. Denn bereits am Freitag geht es für die Föllsche Elf um 14 Uhr mit der nächsten Auswärtspartie in Alzenau weiter. (Hans-Hubertus Braune) +++

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