Seit einem Jahr im Amt

KBI Marcell Büttner: "Jeder Ehrenamtler hat seine eigene Geschichte"

Seit einem Jahr im Amt: Kreisbrandinspektor Marcell Büttner
Fotos: Rene Kunze

02.10.2025 / LAUTERBACH - In den Dörfern des Vogelsbergs scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Hier zählt das Miteinander, der Zusammenhalt. Davon profitieren auch die Feuerwehren. Rund 4.500 Menschen engagieren sich im örtlichen Brandschutz und weiteren Organisationen. Eine stolze Zahl in dem weitläufigen Landkreis mit seinen gut 100.000 Einwohnern in 19 Städten und Gemeinden.



"Das Ehrenamt bei der Feuerwehr hat noch einen hohen Stellenwert. Ich bin wirklich begeistert, wie viele Einsatzkräfte wir im Vogelsberg haben, was ehrenamtlich geleistet wird und welches Engagement gebracht wird. Und das ist nicht nur bei den Feuerwehren so, sondern zum Beispiel auch bei den Rot-Kreuz-Bereitschaften", sagt der Kreisbrandinspektor Marcell Büttner.

Seit genau einem Jahr ist der zweifache Familienvater aus Ebsdorfergrund (Landkreis Marburg-Biedenkopf) nun Leiter des Amts für Gefahrenabwehr im Vogelsbergkreis. "Ich bin überall mit offenen Armen empfangen worden, sei es hausintern, aber auch extern bei allen Hilfsorganisationen. Das ist ein riesiges Plus, das passt und ich fühle mich akzeptiert", sagt Büttner im Gespräch mit OSTHESSENlNEWS zum "Einjährigen".

Aus der Großstadt wieder aufs Land

Der Kreisbrandinspektor löste seinen Vorgänger Dr. Sven Holland ab. Dieser wechselte ins Regierungspräsidium nach Gießen, Büttner war zuvor 27 Jahre lang bei der Berufsfeuerwehr in Frankfurt am Main und dort seit 13 Jahren in Führungspositionen tätig. Im Vogelsberg ist sein Aufgabengebiet noch vielfältiger. Sämtliche Feuerwehren sind ehrenamtlich aufgestellt. Einzige Ausnahme: In Alsfeld gibt es festangestellte Mitarbeiter für die Werkstatt. Die Menschen in den Dörfern sind es, die den Brandschutz genauso wie das Vereinsleben prägen. "Jeder Ehrenamtler hat seine eigene Geschichte", sagt Büttner. Sei es der Alltag, der Bezug zur Feuerwehr, die persönlichen Umstände und Berufsanforderungen.

Für Marcell Büttner ging es in seinem ersten Amtsjahr vor allem auch darum, die einzelnen Wehren kennenzulernen. Auch der Kontakt zu den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern stand und steht auf seiner Tagesordnung. Sein Aufgabenfeld ist breit gefächert. Als Leiter des Amts für Gefahrenabwehr gehören der Brandschutz in seinen unterschiedlichen Formen, die Zentrale Leitstelle/Rettungsdienst und der Katastrophenschutz zu seinem Verantwortungsbereich.

"Es gibt viel Überarbeitungspotenzial"

Der Bürokratieaufwand und die schwierige Finanzierung von neuen Einsatzfahrzeugen und Gerätehäusern sind auch im Vogelsbergkreis Herausforderungen, welchen sich die Führungskräfte stellen müssen. "Ich glaube, manche Prozesse müssen einfach beschleunigt und entschlackt werden. Das ist wichtig, hier gibt es Überarbeitungspotenzial und natürlich auch Diskussionsbedarf", sagt Büttner. Der Spagat sei schwierig, schließlich haben die Gesetze und Regelungen ihren Sinn. Es wäre sicherlich gut, alle zuständigen Behördenvertreter und politischen Kräfte an einen Tisch zu bringen. Büttner sieht das Brandschutzamt eher als Dienstleister mit dem Fachpersonal, welches die Ehrenamtler unterstützt.

Ein Ansatz für die bessere Finanzierung sei, den Einkauf zu standardisieren. "Im Moment ist ein Feuerwehrfahrzeug ein individuelles Fahrzeug. Jedes Auto wird anders gebaut und es gibt kein Fließband", sagt der Kreisbrandinspektor. Er sieht Einsparpotenzial, wenn die Neubeschaffungen über Landesbestellungen getätigt werden und die Fahrzeuge bei Großbestellungen günstiger sind im Vergleich zu den Einzelanfertigungen. Auch beim Bau der Gerätehäuser seien einheitliche Lösungen vermutlich günstiger. Gerade am Bau seien die Kosten gestiegen. "Früher haben wir ein Feuerwehrhaus für 800.000 Euro gebaut oder umgebaut. Heute bauen wir es um, und es kostet zwei Millionen Euro, weil einfach die Preise so hoch sind", sagt Büttner.

Wechsellader-Konzept wird sukzessive umgesetzt

Im Vogelsbergkreis wird an der Einführung und sukzessive Umsetzung eines Wechsellader-Konzepts an den Standorten in Lauterbach, Alsfeld, Homberg (Ohm) und Grebenhain zur flexibleren Ausstattung im Katastrophenfall gearbeitet. Die interkommunale Zusammenarbeit spare Kosten und Personal, zum Beispiel bei der geteilten Fahrzeug- und Ressourcennutzung. Büttner sieht bei den Führungskräften der Feuerwehren und den Bürgermeisterämtern zudem einen guten Kooperationsgeist.

Natürlich macht er sich auch seine Gedanken, wie das Feuerwehrwesen auch in Zukunft auf sicheren Beinen stehen kann? Die Nachwuchsarbeit habe einen hohen Stellenwert. Damit der Nachwuchs den Weg zu den Feuerwehren findet, sei das Angebot an Kinder- und Jugendfeuerwehren wichtig. Zudem kann sich Büttner durchaus vorstellen, dass es neben der Wehrpflicht auch das Angebot wieder eingeführt werden könnte, im zivilen Bereich seinen Dienst ableisten zu können. in früheren Zeiten hätten so immer wieder Kameraden den Weg in die Feuerwehren gefunden.

Der Kreisbrandinspektor sieht sich als Teil der Blaulichtfamilie, bezeichnet sich selbst als "Kind vom Dorf" und ist jederzeit ein Ansprechpartner. "Wenn du den Büttner fragst, bekommst du auch eine Antwort", beschreibt er seine Vorgehensweise. "Man muss natürlich immer wieder selbst in sich hineinhören und reflektieren. Ich mache meinen Job unheimlich gerne. Wenn man eine gewisse Wertschätzung für das erfährt, was man so täglich macht, dann motiviert mich das", sagt Büttner. Persönlich muss er in der nächsten Zeit den Spagat zwischen seinem Job und der Weiterbildung in den höheren Dienst schaffen. Beides sei sehr aufwändig. Aber genau dies reizt den sympathischen KBI auch.

Marcell Büttner stellt sich den vielen Herausforderungen. Er weiß, auf die Männer und Frauen der Feuerwehren im gesamten Vogelsbergkreis kann er sich verlassen. Hier packen sie mit an, die Bereitschaft, für die Mitmenschen da zu sein, ist am Dorf eben besonders ausgeprägt. (Hans-Hubertus Braune) +++

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