Penicillinallergie
Warum Fehldiagnosen für Patienten und Gesundheitssystem riskant sein können
Symbolbild: Pixabay
02.09.2025 / REGION -
Die Frage nach möglichen Allergien gehört zu den Standards in der medizinischen Versorgung. Ob die Behandlung in der Notaufnahme, in der hausärztlichen Praxis, beim ärztlichen Bereitschaftsdienst oder im Kontakt mit dem Rettungsdienst stattfindet, irgendwann wird diese Frage an Patienten oder deren Angehörige gestellt. Besonders vor der Verabreichung eines Medikaments ist die Abklärung potenzieller Allergien zwingend erforderlich und somit ein elementarer Bestandteil der sogenannten Anamnese.
Die Frage wird allerdings sehr häufig mit einem klaren Ja beantwortet: "Ich bin allergisch gegen Penicillin." Doch diese Annahme ist in vielen Fällen falsch. Die fälschliche Annahme, an einer Penicillin-Allergie zu leiden, ist unter den Patienten weit verbreitet und kann eine optimale Therapie verwehren.
Falscher Allergieverdacht, echte Konsequenzen
Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) setzen sich daher dafür ein, vermeintliche Penicillin-Allergien von einem Spezialisten überprüfen zu lassen. Ziel ist es, Patienten die bestmögliche antibiotische Therapie zu ermöglichen. Denn das Ausweichen auf alternative Medikamente ist oft mit einigen Nachteilen verbunden. Bei einer fälschlich angenommenen Allergie ist der Wechsel sogar unnötig und im Zweifel gefährlich. Penicilline und ihre Derivate zählen nämlich nach wie vor zu den wirksamsten und am häufigsten eingesetzten Antibiotika in der modernen Medizin. Sie gelten zudem als vergleichsweise nebenwirkungsarm. Alternativpräparate haben oft eine schlechtere Wirkung und mehr Nebenwirkungen. Zudem sind diese in einigen Fällen sogar sogenannte Reserveantibiotika, die eigentlich dem Kampf gegen besonders resistente Keime vorbehalten sind.Studien zeigen: Ein großer Teil der Patienten, die glauben, allergisch auf Penicillin zu reagieren, weist in Wirklichkeit keine echte Allergie auf. Stattdessen handelt es sich häufig um erwartbare Nebenwirkungen, wie einen harmlosen Hautausschlag oder Durchfall. Diese Symptome sind im Rahmen der Antibiotikatherapie Symptome, die auftreten können. Diese wurden dann von den Patienten fälschlicherweise als allergische Reaktion interpretiert.
Warum ein Allergietest so wichtig ist
Patienten, die eine Penicillin-Allergie vermuten, sollten sich unbedingt testen lassen, und zwar nicht erst im Notfall. Bei einer schweren Infektion zählt jede Stunde. Verzögerungen bei der Wahl des passenden Antibiotikums können den Krankheitsverlauf erheblich verschlechtern und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Eine vermeintliche Penicillin-Allergie ist kein seltenes Phänomen, aber häufig ein Irrtum. Wer glaubt, betroffen zu sein, sollte frühzeitig eine Allergieabklärung vornehmen lassen. Davon profitieren die Patienten genauso wie das gesamte Gesundheitssystem. Das kann im Ernstfall Leben retten. (Adrian Böhm) +++Archivbild: O|N / Hendrik Urbin