O|N-Sommerinterview

IHK-Hauptgeschäftsführer Konow: "Einigen Unternehmen brennt der Kittel"

IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow
Fotos: Maurice Schumacher

02.09.2025 / FULDA - Die wirtschaftliche Lage ist angespannt. Das betrifft nicht nur die gesamte Republik - auch unsere Region spürt die Folgen der Corona-Krise und des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine deutlich. Die Folgen: Insolvenzen, hohe Energiepreise und geringere Margen.


IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow spricht im OSTHESSEN|NEWS-Sommerinterview über die aktuelle Situation der heimischen Wirtschaft, die Hintergründe und darüber, was noch auf uns zukommt.

"Wirtschaft befindet sich in einer Poly-Krise"

"Unsere Wirtschaft befindet sich in einer Poly-Krise. Es gibt unglaublich viele Herausforderungen und Dinge, die sich ständig ändern. Wir sind im dritten Jahr der Rezession und das wirkt sich auch auf die regionale Wirtschaft aus", macht Konow deutlich. Zwei Branchen betrifft es laut dem IHK-Hauptgeschäftsführer besonders hart: das verarbeitende Gewerbe und die Automobilzulieferer. "Diese Branchen suchen nach Wegen aus der Krise heraus", erklärt Konow.

Und er wird noch deutlicher: "Die aktuelle Lage ist gedämpft. Einigen Unternehmen brennt der Kittel. Immer da, wo wir als Deutschland antworten geben können, müssen wir das auch tun", so Konow zum Ernst der Lage. Die IHK unterstützt, wo sie kann. Dennoch gibt es immer wieder Faktoren, die es den Unternehmern noch schwerer macht.

Aktuell sind das besonders die Rückmeldeverfahren zu den Corona-Soforthilfen. "In einer solchen Lage führt das zu einem zusätzlichen Schock für Unternehmen", sagt der 44-Jährige. Bei den meisten Unternehmen gehe es hier im ersten Schritt erstmal um einen Abgleich. Im zweiten Schritt folgen dann eventuelle Rückforderungsbescheide. "Ich glaube, dass hier politisch erkannt wurde, dass es in dieser Form optimierungsbedürftig gewesen ist", so Konow. Er rechnet aber nicht damit, dass es deshalb zu vermehrten Insolvenzen führen wird.

Krieg, Corona und die wirtschaftliche Lage

Ein großer Treiber für eine schlechte wirtschaftliche Lage war die Corona-Krise. "Seit Corona kommen wir nicht aus diesem Hochrisikoumfeld raus. Corona war ein erster Schock. Im Nachhinein war es wirtschaftlich zwar weniger schlimm, als erwartet. Aber dann kam der nächste Schock mit dem russischen und völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine. Das war viel tiefgreifender, weil er das über Jahrzehnte gut funktionierende deutsche Wirtschaftsmodell auf den Kopf gestellt hat", macht Michael Konow klar. Von einem auf den anderen Tag sei es nicht mehr möglich gewesen, günstige Energie aus Russland zu bekommen. Das führte besonders für Deutschland zu extrem hohen Energiepreisen, verstärkt durch Atom- und Kohleausstieg und den zu langsamen Ausbau der erneuerbaren Energien.

Seit 2022, also seit dem Krieg, befinde man sich in einer rezessiven Lage. "Dazu kam noch die unglücklich agierende Bundesregierung, die Ampelregierung. Das wirtschaftliche Grundverständnis der neuen Regierung ist zwar da, aber so ganz reibungslos läuft es jetzt ja auch nicht", bedauert der 44-Jährige. Zu dieser erst schon schwierigen Situation komme noch das Handeln der USA dazu. "Zölle zu erhöhen, ist ja das eine. Da kann man sich noch drauf einstellen. Aber wenn morgen nicht mehr gilt, was heute verkündet wird, ist das sehr, sehr schwierig. Unsicherheit ist das, was die Wirtschaft am wenigsten mag", erklärt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Er geht davon aus, dass die Inflation in den USA stark ansteigen wird, was dort den Druck auf die Regierung erhöhen könnte.

"Fulda scheint einen Sondereffekt zu haben"

In den letzten Monaten haben sich Insolvenzen und Schließungen gehäuft. Auch wir von O|N haben mehrfach darüber berichtet. Dazu sagt Konow: "Insgesamt ist die Situation im Landkreis Fulda, gerade was die Innenstädte betrifft, besser als im Rest von Hessen. Da stehen wir noch relativ gut da, wenn auch eine gewisse Bewegung zu verzeichnen ist. Es ist noch nicht so, dass flächendeckend die Region abschmiert. Aber der Landkreis kann sich auch nicht abkoppeln vom allgemeinen Trend."

Für die Gastronomie und Hotellerie hingegen sieht es, gerade in den Sommermonaten, laut Konow auf den ersten Blick besser aus. "Fulda scheint einen Sondereffekt zu haben. Gerade, weil wir so fantastische Dinge haben, wie den Musicalsommer, die Domplatzkonzerte oder auch den Hessentag im nächsten Jahr. In diesen Zeiten profitiert die Gastronomie und Hotellerie. Allerdings werden die Margen geringer und das Personal knapp", betont er.

Ein weiteres Problem: Die Bürokratie

Zu den Schließungen der Goodyear- und Mehler Texnologies-Werke merkt Konow an: "Das ist menschlich und standortpolitisch hart. Die Frage ist aber auch, was mit den Grundstücken passiert. Es gibt Potenzial für industrielle Produktion im Herzen unserer Stadt. Ich hoffe sehr, dass dort zukünftig verarbeitendes Gewerbe angesiedelt sein wird. Das ist das, was Wertschöpfung und positive Effekte für unsere Region schafft", so der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Was der Wirtschaft jetzt helfen würde, ist unter anderem weniger Bürokratie. "Da muss dringend ran gegangen werden. Vor ein paar Wochen gab es den Entwurf des Tariftreuegesetzes. So etwas brauchen wir in der aktuellen Zeit sicherlich nicht." Seine Hoffnung legt er auch auf die aktuelle Regierung. "Beide Koalitionspartner sind sich bewusst, dass sie das Ruder rumreißen müssen, wenn man vermeiden will, dass in Deutschland andere Dinge passieren. Deshalb hoffe ich sehr, dass sie sich zusammenraufen werden", sagt Konow.

Und abschließend macht er deutlich: "Wenn alle Akteure in diesem Land an den entsprechenden Stellen die Weichen richtig stellen, dann wird es auf jeden Fall vorangehen." (Moritz Pappert) +++

X