Eklat im Testspiel
Spielabbruch überlagert Sommerfest
Handball ist ein harter Kontaktsport. Doch was der TV Flieden am Samstag in Großenlüder erlebte, ging dessen Trainer deutlich zu weit. Er holte seine Mannschaft vom Feld.
Fotos: Jonas Wenzel yowegraphy
18.08.2025 / GROßENLÜDER -
Das kommt auch nicht alle Tage vor: Das Handball-Testspiel zwischen der HSG Großenlüder-Hainzell und dem TV Flieden wurde abgebrochen. Was war passiert?
Auch mit einem Tag Abstand war Thorsten Seng, der Sportliche Leiter des Bezirksoberligisten TV Flieden, fassungslos über das, was sich am Samstagnachmittag in der Großenlüderer Kreissporthalle abgespielt hatte. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", kann sich Seng nicht an einen Spielabbruch bei einem Testspiel erinnern.
Nach 18 Minuten und beim Stand von 9:6 für den Oberligisten verließ die Mannschaft von Trainer Marc Stallmann das Feld, nachdem HSG-Akteur Felix Grosch Sengs Sohn Tizian rüde gefoult und die Rote Karte gesehen hatte. "Er hätte sich alle Knochen brechen können", sagte Thorsten Seng über die Aktion, bei der Grosch deutlich zu spät kam, Tizian Seng aus der Luft pflückte und heftig in den Wurfarm griff. Unmittelbar danach holte Stallmann seine Mannschaft vom Feld, er hatte genug gesehen.
Denn: Zuvor traf HSG-Spielmacher Lukas Dimmerling Fliedens Rückraumspieler Tim Bagus im Gesicht und kam mit einer Zeitstrafe glimpflich davon. Bagus (Gehirnerschütterung) und Tizian Seng (Rücken) würden nun erst einmal ausfallen. Die erste Rote Karte des Tages ging allerdings auf das Konto der Gäste, als Manuel Betz Elia Sippel im Konter in die Parade fuhr. Das Spiel nicht fortzusetzen sei alternativlos gewesen, auch wenn Fliedens Spieler zunächst weiterspielen wollten: "Ich muss unseren Trainer loben, er hat sich schützend vor die Mannschaft gestellt."
Auf Seiten der Gastgeber kam das gar nicht gut an, zumal der Stammverein DJK-SSV Großenlüder sein Sommerfest feierte und rund 200 Zuschauer in der Halle waren. "Das ist für uns, sage ich mal vorsichtig, unglücklich gelaufen. Das Spiel war in keinster Weise überhart geführt, da gab es früher andere Duelle mit Flieden. Dass unsere ersten vier Tore per Siebenmeter gefallen sind, sagt aber auch schon einiges aus", sagte HSG-Betreuer Christoph Dimmerling.
Ähnlich sah es Thorsten Seng, der zwar zwei aggressiv, aber nicht unfair agierende Mannschaften sah – mit Ausnahme der zwei Szenen, die letztlich zum Abbruch führten. Eine Strafe, weil der TVF für den Spielabbruch verantwortlich ist, würden Seng und der Klub "in Kauf nehmen". (Mediennetzwerk FZ/Tobias Herrling) +++