Aus Wolle wird Wachstum
Regierungspräsident in der Rhön: Weinmeister informiert sich über Wollets
Fotos: Carina Jirsch
01.08.2025 / GERSFELD (RHÖN) -
Schwarzer Kopf, weiße Wolle, treudoofer Blick: das Rhönschaf ist nicht nur ein waschechter Regionalheld, sondern seit vier Jahren auch Düngerlieferant. Klaus Keidel hat fast 200 Exemplare auf seinen Weiden stehen und betreibt seine Schäferei mit Leib und Seele. Der Regierungspräsident Mark Weinmeister hat anlässlich seiner Sommerreise die Schäferei Keidel am Donnerstagmittag besucht, um sich über den Bio-Dünger aus der Rhön zu infomieren. Dabei kam er nicht nur mit dem Schäfer, sondern auch mit Vertretern der Politik und den Verantwortlichen des Biosphärenreservats ins Gespräch.
Geburtsstunde der RhönWollets
"Ich betreibe meine Schäferei seit über 30 Jahren im Nebenerwerb und habe aktuell 100 Muttertiere, 27 Ziegen und auch noch viele Lämmer", erklärte er, "Meine Schafe müssen natürlich auch geschoren werden. Das Geld, das wir Schäfer für ein Kilo Wolle bekommen, hat irgendwann aber nicht einmal die Kosten für den Scherer gedeckt." Daraufhin habe die Rhön GmbH und das Biosphärenreservat angefangen zu recherchieren und man sei dann in 2021 auf die Pellets gestoßen. Janet Emig erklärte: "Dann galt es, einen Dienstleister zu suchen. Den haben wir dann mit der Firma Nature Power Pellets auch gefunden. Zur Herstellung wollten sie dann zwei Tonnen Wolle haben, die hatten wir mit 13 Schäfern natürlich schnell zusammen." Die Firma stellte die Pellets her und die Schäfer bekamen ihre Wolle zu 100 Prozent in Form der Pellets wieder zurück. Damit waren die RhönWollets geboren. Hygenisierung ist Pflicht
Das Problem an den Wollets? Wolle gilt als Schlachtabfall. "Wenn man Wolle weiter verwenden möchte, muss sie hygenisiert werden, das sind einfach zusätzliche Kosten. Das macht das Produkt für den Verbraucher auch verhältnismäßig teuer, weil wir zusätzlich auch den Dienstleister, die Verpackung und den Transport zahlen müssen", bedauerte Emig, "Es ist aber schon ein Anfang, so bekommen die Schäfer wenigstens die Kosten für den Scherer wieder rein und auch die Wolle wird ein bisschen vergütet." Wolf und Seuche ist Problem
Neben hohen Kosten macht Klaus Keidel aber auch der Wolf Sorgen. "Ich habe 30 Jahre angstfrei gelebt, aber da ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn der Wolf so nah an die Schafe kommt. Ein Schaf hat er bei mir auch schon in den Zaun getrieben und immer wieder gebissen. Das ist mir dann nach drei Tagen verendet", äußerte er. Auch die Blauzungenkrankheit hat seine Schafe im letzten Jahr hart getroffen. Er erzählte: "Ich habe letztes Jahr trotz Impfung 40 Tiere verloren. Das sind nicht nur finanzielle Einbußen, sondern auch eine emotionale Belastung. Wenn man die Tiere selbst aufgezogen hat, nimmt einen das schon mit."