Mehr als bloß Nudelsuppe

Vom Anime inspiriert: Erste Ramen-Bar "Tomasu-san" in der Domstadt

Vor der künftigen Ramen-Bar: Japanerin Moe Itoh gemeinsam mit Thomas van de Scheck.
Fotos: Maria Franco

24.01.2023 / FULDA - Japanisches Gericht mit Kult-Status: Thomas van de Scheck bringt die erste Ramen-Bar nach Fulda. In der Löherstraße 19 eröffnet er Anfang März das "Tomasu-san". An seiner Seite ist die Japanerin Moe Itoh. Beide sind vom köstlichen Sattmacher überzeugt: "Es ist nicht nur eine einfache Nudelsuppe, es ist das Soul-Food Nummer 1."

Thomas van de Scheck ist Musiker und Fotograf. Während der Corona-Pandemie lagen die Aufträge brach. In dieser Zeit entdeckte der 58-Jährige die Welt der Animes für sich. "Die letzten Glühwürmchen" aus dem Studio Ghibli waren in der Reihe der japanischen Zeichentrickfilme nur der Anfang. Bei "Ponyo - das große Abenteuer am Meer" blieb ihm besonders eine Szene im Gedächtnis hängen. Die Protagonistin der Geschichte bekam zum ersten Mal Ramen vorgesetzt, "das hat solche Emotionen bei ihr freigesetzt und meine Neugierde geweckt". Er informierte sich über das Rezept, griff selbst zum Kochlöffel – und machte sich somit ein ganz eigenes Bild von der beliebtesten Speise Japans.

Ramenstand am Löherstraßenfest

Der Feinschmecker und jetzige Inhaber von "Tomasu-san" feilte fleißig an seinem Rezept. Nicht nur Freunde und Familie bekochte er. Auf dem Löherstraßenfest punktete er mit seinem Ramenstand. Die Idee eines Restaurants nahm immer mehr Gestalt an. "An diesem Tag traf ich auf Moe", erinnert sich van de Scheck. "Sie gab mir den entscheidenden Hinweis, die Suppe nicht mit Gemüsebrühe zu kochen. Die gehört da wohl definitiv nicht rein." Kurzerhand folgte eine Einladung seitens der 38-Jährigen zu einem Essen mit ihrer Familie - ein genüsslicher Einblick in die japanische Küche. "Auf der Basis meines Gerichtes tüftelten wir beide nach und nach an einer unendlichen Tiefe für das Rezept."

Fokus auf Authentizität

Das Projekt "Tomasu-san" hat inzwischen Form angenommen, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Zu Beginn ist eine kleine Karte geplant mit zwei Ramensorten: Miso und Shoyu. Saisonal gibt es Tantanmen. "Viele verbinden auf den ersten Blick vor allem Sushi mit der japanischen Esskultur, aber Ramen gehört ebenfalls dazu", erklärt Itoh, die seit neun Jahren in Deutschland lebt. Sie konkretisiert: "Wir legen den Fokus auf Authentizität - Suppe, Nudeln, und Topping müssen stimmen. Dafür haben wir die fünfte Geschmacksrichtung - Umami - intensiv herausgearbeitet."

Washitsu

Doch nicht nur eine Ramen-Bar ist im Entstehen. In einer weiteren Räumlichkeit nebenan lädt künftig ein Washitsu (Japanisches Zimmer) zum deutsch-japanischen Austausch ein. "Natürlich mit Tatami (Reisstrohmatte) und Shoji (Reispapierwänden). Hier servieren wir im kleinen Kreis außerhalb der Ramen-Bar-Öffnungszeiten traditionelle Hausmannskost als Menü", sagt van de Scheck. Teezeremonien, Knigge-Kurse sowie kleine Konzerte sollen das Angebot zusätzlich abrunden. 

Fest steht: Das Japan-Fieber hat van de Scheck voll gepackt. Er freut sich schon jetzt auf seine "Oase der Ruhe", "auf das Aufeinandertreffen der Kulturen". Wichtig ist ihm der wertschätzende Umgang seinen Mitmenschen gegenüber. "Die japanische Kultur lebt eine spezielle Form von Höflichkeit und Respekt. Diesen Geist möchte ich in meinen Laden bringen." (Maria Franco) +++