Verkehrsoptimierung rund um die Feuerwache

Die Stadt entwickelt ihre Datenplattform mit der ekom21 weiter


Foto: Datenplattform Bad-Hersfeld

23.11.2022 / BAD HERSFELD - Die Stadt Bad Hersfeld setzt seit 2016 eine eigene Datenplattform für eine Vielzahl von städtischen Vorhaben und Anwendungsfällen ein. Dort werden großen Datenmengen in Echtzeit eingespeist und für die Arbeiten und Auswertungen in der Stadtverwaltung aufbereitet.

Die Datenplattform wurde bislang, wenn auch sehr erfolgreich, im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft betrieben. Das heißt, fall- und bedarfsweise wurden neue Anforderungen, Spezifikationen und Schnittstellen eingearbeitet. Dieser Status eines "lebendigen Labors" wird nun in eine dauerhafte stabile Konstellation überführt: Anfang November hat der Magistrat der Kreisstadt beschlossen, beim Betrieb der Datenplattform zukünftig mit der ekom21 zusammenzuarbeiten.

Die ekom21 ist als Kommunales Gebietsrechenzentrum in Hessen zentraler IT-Dienstleister für kommunale Einrichtungen. Bei der ekom21 handelt es sich um eine seit den 1970er Jahren bestehende besondere Form der interkommunalen Kooperation in öffentlich-rechtlicher Ausgestaltung.

Bürgermeister Thomas Fehling zu der Entwicklung: "Die frühe Entscheidung für eine umfassende städtische Datenplattform hat sich mehr als bezahlt gemacht und uns große Dienste geleistet. Ohne sie wären viele unserer Projekte gar nicht handhabbar gewesen. Ich freue mich, dass durch die Zusammenarbeit mit der ekom21 die Plattform jetzt in einen regelmäßigen Betrieb übergeht, in dem auch unsere zukünftigen Projekte sicher und effizient abgearbeitet werden."

Das gilt auch für zwei wichtige aktuelle Vorhaben der Stadt. Dies ist zum einen ein Projekt für und mit der Feuerwehr. Das Problem: Die Zufahrt der freiwilligen Feuerwehrleute im privaten Pkw zur zentralen Feuerwache an der Wehneberger Straße und die Ausfahrt der Einsatz-Fahrzeuge zum Einsatzort wird zunehmend durch häufige Staus auf den innerstädtischen Bundesstraßen stark verzögert. Die Lösung sehen die Stadt und das Land in der Entwicklung eines Algorithmus auf Basis von Künstlicher Intelligenz. Dafür müssen komplexe Daten in Echtzeit über die Datenplattform verarbeitet werden – etwa die aktuelle Verkehrslage um die Feuerwehrstation durch lokale Detektoren, die aktuellen Standorte der Feuerwehrleute auf dem Weg zur Feuerwehrstation, die Wetterdaten, bestehende Verkehrsrechner, der Status der Ampelschaltungen etc. Am Ende des rund zweijährigen Vorhabens sollen dann jeweils optimale Anfahrtsrouten für private Fahrzeuge der Feuerwehrleute stehen. Für ausrückende Einsatzfahrzeuge sollen Vorrangschaltungen und eine Räumungsstrategie entstehen.

Zweitens wird über die Datenplattform die neue Steuerung für die intelligente Straßenbeleuchtung organisiert. Bei einem kürzlich abgeschlossenen Pilotprojekt konnte die Stadt herausragende Ergebnisse erzielen.

Durch Einsatz von Leuchten der neuesten Generation, durch eine Vielzahl von Sensoren und Messpunkten sowie durch eine eigens entwickelte Lichtsteuerung konnten in drei Bad Hersfelder Gebieten Energieeinsparungen von durchschnittlich 77% gegenüber dem Istzustand erzielt werden. Diese Werte konnten mit Einsatz der dynamischen Lichtsteuerung in bestimmten Situationen bis auf 91% gesteigert werden!

"Schnelle Erfolge in der aktuellen Diskussion ums Energiesparen"

Die Ergebnisse sollen auch auf etwa 1.500 bis 2.000 Straßenleuchten in Bad Hersfeld ausgeweitet werden, die bisher noch nicht energetisch modernisiert sind. Die großen Datenmengen werden in Echtzeit an die Datenplattform übermittelt, dort analysiert– und für die Lichtsteuerung wieder an die Straßenleuchten zurückgesendet.

Bürgermeister Fehling abschließend: "Ein idealer Anwendungsfall für eine Datenplattform als Analyse- und als Steuereinheit. Mit dem Projekt hat Bad Hersfeld einen neuen Weg gefunden, wie Städte und Gemeinden schnell Erfolge in der aktuellen Diskussion um Energiesparen und CO2-Reduktionen erzielen können."

Matthias Drexelius, Direktor der ekom21, zu der Zusammenarbeit: "In Hessen war Bad Hersfeld schon früh Vorreiter für den Einsatz einer Datenplattform, um die Herausforderungen von Kommunen datenbasiert anzugehen. Bei den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen brauchen wir solche Lösungen für die unterschiedlichsten Einsatzszenarien, um auf Basis von idealerweise Echtzeitdaten die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und den gemeinsamen Ausbau weiterer Dienste. Besonders wertvoll sind die in Bad Hersfeld gemachten Erfahrungen auch für alle anderen hessischen Kommunen, die sich gerade auf den Weg machen oder auch erst anfangen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Auch bei SmartCity/SmartRegion zeigt sich also, wie wichtig eine starke kommunale Gemeinschaft ist." (pm) +++

Bürgermeister Thomas Fehling
Foto: O|N-Archiv / Carina Jirsch