Richter will in den Landtag

Szymon Mazur soll SPD-Kandidat im Wahlkreis Fulda I werden

Dr. Szymon Mazur möchte für die SPD in den Hessischen Landtag.
Archivfoto: O|N/Carina Jirsch

24.11.2022 / FULDA - Der SPD-Stadtverband Fulda hat kürzlich Dr. Szymon Mazur als Kandidaten für die Landtagswahl im kommenden Jahr vorgeschlagen. Mazur, geboren 1978 in Oberschlesien, ist seit 2017 Richter am Amtsgericht Fulda und seit 2019 Vorstandsmitglied des SPD-Unterbezirks. OSTHESSEN|NEWS befragte den möglichen SPD-Kandidaten für den Wahlkreis Fulda I über Privates und Politik.

Nach Abitur und Zivildienst in Brasilien, wo er auch seine heutige Ehefrau kennenlernte, studierte er von an der Universität Tübingen Rechtswissenschaften. Auch ein Auslands-Studienjahr in Niterói (Brasilien) absolvierte er.  "Bis zu meiner Lebenszeiternennung war ich seit 2012 als Richter am Amtsgericht Fulda und Hünfeld sowie am Landgericht Fulda tätig." Mazur ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 13 und zehn Jahren. Seit knapp acht Jahren ist er Mitglied des Pfarrgemeinderates der katholischen Innenstadtpfarrei, seit 2019 zusätzlich Sprecher des Pfarrgemeinderates. "Mitglied der SPD bin ich seit 2017", so der engagierte Lokalpolitiker.

Ziele für Wiesbaden

Nach dem Vorschlag seines SPD-Ortsvereins Fulda-Mitte soll Mazur im kommenden Jahr für die SPD in den Hessischen Landtag gewählt werden. "Ich war schon seit meiner Jugend sozial engagiert", so Mazur über seine Gründe, sich politisch zu engagieren. Seine Ergahrungen in Brasilien verstärkten diese Einstellung, politisch aktiv zu sein.

"Der Bereich der sozialen Grundrechte war natürlich der Schwerpunkt meiner wissenschaftlichen Arbeit. Auch bin ich seit Jahren im Betreuungsrecht nicht nur als Betreuungsrichter, sondern auch als Autor von Fachartikeln, Büchern und Mitautor eines Großkommentars aktiv. Sicherlich würde ich mich sehr freuen, wenn ich im hessischen Landtag in diesem Bereich meiner Schwerpunkte setzen könnte", so Mazur gegenüber O|N. "Mein größter Wunsch wäre, als Mitglied einer Regierungsfraktion das klägliche Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz reformieren zu können und dabei mitzuwirken, dass die Versorgung von Menschen mit psychischer Erkrankung in Hessen deutlich verbessert wird. Aber natürlich spielt die gesamte gesundheitliche Versorgung für mich eine erhebliche Rolle. Wie wichtig unser Krankenhäuser sind, haben wir in der Pandemie gemerkt", sagt Mazur über das, für das er sich als Landtagsabgeordneter in Wiesbaden einsetzen möchte.

"Auch eine qualifizierte Nachmittagsbetreuung an den Schulen mit professioneller Hausaufgabenbegleitung, mit einem für alle Familien bezahlbaren und gesunden Mittagstisch sind ebenfalls sehr, sehr wichtig für mich. Schließlich ist mir wichtig, auch andere komplexe Bereiche, die durch die anderen Parteien recht verkürzt dargestellt werden, kritisch zu hinterfragen. Das gilt insbesondere für den Bereich der Sicherheitspolitik. Es ist sicherlich populär und beliebt, nach härteren Strafen zu rufen. Dabei ist es bereits wissenschaftlich erwiesen, dass nicht die härteren Strafen, sondern eine schnelle und konsequente Strafverfolgung das bessere Mittel ist. Hierfür brauchen wir einfach mehr Stellen bei der Polizei und in der Justiz", sagt Mazur.

Bisher keine weiteren SPD-Bewerber für den Wahlkreis I

Bisher ist noch nicht klar, ob sich weitere Bewerber für den Wahlkreis Fulda I melden. "Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn es weitere Bewerberinnen oder Bewerber geben würde. Es wäre schön, wenn die Genossinnen und Genossen sich nicht nur für oder gegen mich entscheiden müssten, sondern auch eine Auswahl hätten", sagt der Richter. Von einer möglichen "Kampfkandidatur" möchte er jedoch nicht sprechen. "Wir sind eine Partei und treten für dieselben Ziele ein. Ich werde antreten. Wenn sich die Partei für eine andere Kandidatin oder Kandidaten entscheidet, werde ich selbstverständlich die gewählte Kandidatin oder den gewählten Kandidaten mit all meinen Kräften unterstützen. Es geht hier nicht um die kandidierende Person, sondern um die Inhalte", konstatiert Mazur.

Aus seiner Sicht sei es "extrem wichtig", dass die Region Fulda mit mindestens einer Stimme in Wiesbaden vertreten sein soll. Zumal seine Parteikollegin MdL Sabine Waschke angekündigt hat, nicht mehr für den Wahlkreis Fulda II anzutreten. "Das kann man auch am Beispiel der Neufassung des Landesentwicklungsplanes sehr deutlich sehen. Der Landkreis Fulda klagt neben anderen Kommunen gegen die Neufassung des Landesentwicklungsplanes, der allerdings die beiden im Landkreis direkt gewählten Landtagsabgeordneten zugestimmt haben. Diese Neufassung führt zu einem Verlust von 6,5 Millionen Euro in den Gemeinden Fulda, Petersberg und Künzell aus dem kommunalen Finanzausgleich des Landes. Wenn aber die beiden direkt gewählten Vertreter unseres Landkreises, von denen einer sich zur Wiederwahl stellt, nicht bereit sind, die Interessen unseres Landkreises wahrzunehmen, bedarf es eines Gegenpols in Wiesbaden, damit die Interessen Osthessens auch in Wiesbaden geltend gemacht werden können", so Szymon Mazur.

Entscheidung im Februar

Wer für den Wahlkreis Fulda I, der die Städte und Gemeinden Bad Salzschlirf, Fulda, Großenlüder, Hünfeld und Nüsttal umfasst, für die SPD antreten wird, soll am 25. Februar des kommenden Jahres auf der Wahlkreisdelegiertenkonferenz entschieden werden. (Christopher Göbel) +++