Fazit beim Verbandsliga-Spitzenreiter

Johannes Helmke: Die Mannschaft funktioniert top. Der Zusammenhalt auch

Kevin Krieger (l.) und seine Kollegen vom Hünfelder SV haben derzeit gut lachen
Archivfotos: ON/Carina Jirsch

22.11.2022 / HÜNFELD - Es ist nicht überliefert, ob sich die Fußballer des Hünfelder SV die Tabelle der Verbandsliga Nord unter den Weihnachtsbaum hängen. Als kleines Geschenk taugt sie schon. Mehr aber noch als Motivation. Denn den Anspruch, das Erarbeitete im kommenden Jahr zu verteidigen, sollte jeder haben. Die Bilanz nach dem abschließenden Spiel des Jahres - der 2:0-Heimsieg vom Samstag gegen den FSV Dörnberg war der Auftakt zur Rückrunde - liest sich rosig: 17 Spiele, 34 Punkte - mit 47 Toren die mit Abstand am meisten geschossenen der Liga, mit 19 auch die am wenigsten erhaltenen. Andererseits: In der Rhönkampfbahn waren schon immer Momente vergraben, die daran erinnerten, den Ball flach zu halten.

Vier Siege und 13:3 Tore aus den letzten vier Spielen oder - der noch bessere Fingerzeig der Formkurve - 19 Zähler aus den vergangenen acht Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Die der gewonnenen Stabilität und Konstanz. Hünfelds Kicker aber als Favoriten oder gar Top-Favoriten für die laufende Saison hinzustellen, das würde der Sache nicht gerecht. Die aktuelle Verfassung mag zum Träumen Anlass geben - doch wer weiß schon, wie das nächste Jahr verläuft. "Die ersten neun Mannschaften der Tabelle können noch um Platz eins oder zwei spielen", sagt HSV-Trainer Johannes Helmke. Zehn Punkte trennen Spitzenreiter Hünfeld vom derzeit Neunten, Barockstadts U23, die ein Spiel weniger ausgetragen hat.

"In der Defensive sind wir stabiler geworden"

Die für ihn wichtigste Erkenntnis im Entwicklungsprozess seines Teams liefert Helmke alsbald nach. "In der Defensive sind wir stabiler geworden. Nach einer 1:0-Führung müssen wir nicht zu offensiv werden." Wie im jüngsten Spiel gegen Dörnberg bestens zu beobachten. Hünfeld lag durch Leon Zölls Freistoßtor vorn - ließ zwar in der Folge einige Chancen liegen, bewies aber Geduld, bis der Ex-Horaser Mark Zentgraf zum 2:0 abstaubte. "Wir machen auch weniger Fehler", ergänzt der Coach. Das mannschaftliche Verhalten, das Sich-untereinander-Helfen klappt gut - auch weil weiter vorn eingesetzte Spieler ihren Beitrag fürs Team leisten, indem sie nach hinten arbeiten.

Weitgehend kompakt trat der HSV auf gegen Dörnberg, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen stimmten - auch wenn sich in den defensiven Halbräumen hier und da Löcher auftaten. "Unsere Leistung war gut. Aber nicht so, dass wir sagen könnten, wir marschieren jetzt durch die Liga. Die hundertprozentige Stabilität war noch nicht so ganz da", weiß der Coach. 

Breiter und qualitativ guter Kader - jeder stellt sich in den Dienst der Mannschaft

Dennoch sind - und das ist kein Widerspruch - Helmke die Vorzüge seines Teams bewusst. "Wir verfügen über einen breiten und qualitativ guten Kader. Wir sind grundsätzlich flexibel." Auch, weil jeder begriffen hat, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Oder auch mal auf Positionen zu spielen, die er nicht gewohnt ist. So half Marcel Dücker, eine Art Paradebeispiel eines Sechsers, in den letzten vier Spielen vorzüglich in der Innenverteidigung aus. Besitzt Helmke mit Gadermann, Zentgraf, dem noch gesperrten Simon und Dücker vier Optionen für zwei Sechser-Positionen. Hat der Ex-Hofbieberer Maximilian Fröhlich endlich die Lust am Toreschießen entdeckt - und schält sich Karlo Vidovic in der Spitze als ernsthafter Neuner heraus. Was er fußballerisch bot gegen Dörnberg, war aller Ehren wert.

Aber als Optionen fürs Angriffszentrum stehen dem Coach ja auch noch Max Vogler und David Brähler, der aus langen Verletzung herauskam, zur Verfügung. Beide trafen beim letzten Auswärtsspiel, dem 4:2-Sieg in Willingen, doppelt. Das Bauchgefühl, so sagt man, täuscht oft nicht. Und so spürte Helmke, dass es nach dem 3:0-Sieg beim CSC Kassel Anfang Oktober "in die richtige Richtung" ging. Auch wenn es - wie beim Derby in Ehrenberg oder der Niederlage bei Aufsteiger Wabern - immer mal wieder Rückschläge gab.

Das hindert Helmke nicht daran, sich derzeit wohlzufühlen in seiner Haut. "Die Mannschaft funktioniert top. Der Zusammenhalt stimmt. Das sieht man im Training. Vor dem Spiel und nach dem Spiel. Das ist für uns wichtig. Aber auch für den Verein." Und in der Regel glaubt man das, was Trainer sagen. Am 26. Februar nächsten Jahres geht's weiter. Dann tritt der HSV im Derby bei der SG Johannesberg an. (wk)


Zur Lage

Die Fußball-Verbandsliga Nord kommt in dieser Serie als attraktivste Liga Osthessens daher. Gleich acht Teams sind vertreten - und das Beste: Fünf befinden sich unter den ersten Sieben, nimmt man die U23 der SG Barockstadt hinzu, sind es sechs unter den ersten Neun. In der oberen Tabellenhälfte also. Hünfeld ist Erster, Flieden 3., Aufsteiger Bronnzell 4., Bad Soden 5., Eichenzell 7. - und Barockstadt II 9.

Bleiben zwei aus Osthessen, die um den Klassenerhalt kämpfen: die SG Johannesberg und die SG Ehrenberg. Bei fünf Absteigern wird das alles andere als ein leichtes Unterfangen. Die SGJ ist Drittletzter, die SGE bildet das Schlusslicht. Noch ist der Kontakt zu Nicht-Abstiesrängen für beide gegeben. Im Haifischbecken Verbandsliga. +++



Hünfelds Trainer Johannes Helmke