Kommentar von Felix Hagemann

Stadt und Landkreis verkennen den Stellenwert des Sports

Die Energiesparmaßnahmen treffen vor allem Kinder und Jugendliche in den Sportvereinen
Symbolbild: ON

06.10.2022 / REGION FD - Wie umgehen mit der Energiekrise? Diese Frage beschäftigt uns alle, die Antworten darauf sind komplex und vielschichtig. Klar ist nur: Es muss Energie gespart werden. Die Entscheidung von Stadt und Landkreis Fulda, das Warmwasser in den Sportstätten abzustellen, wirkt dabei auf den ersten Blick völlig logisch - und ist dennoch falsch. Denn wieder einmal wird der Stellenwert des Sports nicht erkannt.

Deutschland ist ein Land der Sportvereine. Rund 90.000 davon gibt es hierzulande, mit insgesamt mehr als 27 Millionen Mitgliedern. Doch wie lange bleibt das noch so? Schon vor Corona waren immer weniger Kinder Mitglied in einem Sportverein. Die Pandemie hat diesen Trend noch verstärkt. Die Folgen davon wird die Gesellschaft erst in einigen Jahren richtig spüren.   

Die Kabine als sozialer Raum 

Sport ist aber mehr als reine Gesundheitsförderung. Der Vereinssport ist ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenlebens und fördert insbesondere bei Kindern und Jugendlichen wichtige Sozialkompetenzen. Nach zweieinhalb harten Corona-Jahren sollte man deshalb alles dafür tun, dass der Vereinssport ohne Einschränkungen weiter laufen kann. 

Bei Stadt und Landkreis geht man leider einen anderen Weg. Jetzt mag der ein oder andere sagen, die Hallen bleiben geöffnet, der Sport läuft doch weiter. Das ist richtig, aber es gehört eben mehr dazu als die reine Trainingseinheit oder der Wettkampf am Wochenende. 

Vielleicht muss man selbst Sportler gewesen sein, um das nachvollziehen zu können. Die Kabine ist ein eigener sozialer Raum. Dort entstehen Freundschaften, Kontakte werden geknüpft, es wird gemeinsam geschnackt und über dies und jenes gesprochen. Für viele Kinder und Jugendliche sind das die schönsten Momente und ein Hauptgrund, warum sie überhaupt zum Sport gehen.  

Am Ende leiden die Gemeinschaft und das soziale Gefüge

Auf all das werden die jungen Sportler in Stadt und Landkreis in den nächsten Wochen und Monaten verzichten müssen. Wer durchgefroren und nass vom Trainingsplatz kommt, will sich - verständlicherweise - nicht noch unter die kalte Dusche stellen. Viele dürften vom Trainingsplatz also direkt ins Auto springen. Am Ende leiden wieder einmal die Gemeinschaft und das soziale Gefüge - wie schon unter Corona. Womöglich stellt sich der ein oder andere sogar die Frage, ob er überhaupt noch zum Sport gehen soll.

Und all das für ein paar Prozent Energieersparnis? Wobei man bezweifeln darf, ob überhaupt Energie gespart wird. Denn die Sportler verlagern das Duschen ja einfach nur nach Hause. Stadt und Landkreis sparen also vor allem Geld. Ob das die möglichen Folgeschäden rechtfertigt, darf bezweifelt werden. Kinder und Jugendliche litten schon unter Corona wie kaum eine andere Bevölkerungsgruppe. Man sollte nicht auch noch die Energiekrise auf ihrem Rücken austragen. Energiesparpotenzial besteht auch an anderer Stelle. (fh)+++