Sportvereine in der Energiekrise

Kalte Duschen in den Sporthallen: Landkreis begründet drastische Maßnahmen

Die Sportler im Landkreis Fulda müssen beim Duschen auf die Zähne beißen
Symbolbild: pixabay

05.10.2022 / FULDA - Die Energiekrise macht auch vor den Sportvereinen nicht halt. Besonders hart erwischt es derzeit die Vereine in und um Fulda. Denn Stadt und Landkreis haben sich, anders als andere Kommunen, unter anderem dazu entschlossen, das Warmwasser in den Sportstätten abzustellen. Diese Entscheidung stößt nicht bei allen auf Verständnis. 

Wer selbst einmal Sport gemacht hat, weiß, dass es nach einer Trainingseinheit bei Kälte, Regen oder Schnee wohl nichts Schöneres gibt, als eine warme Dusche danach. Viele Fuldaer Sportler müssen aber genau darauf in den nächsten Wochen und Monaten verzichten. Denn in den Sportstätten von Stadt und Landkreis bleiben die Duschen vorerst kalt. Insgesamt sind mehr als 80 Sportstätten von den drastischen Maßnahmen betroffen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: die explodierenden Energiekosten. 

Landkreis will bis zu 15 Prozent Energie sparen

"Beim Sparen von Energie handelt es sich um eine Gemeinschaftsaufgabe, die Deutschland nur zusammen meistern kann. Deshalb liegt es auch in der Verantwortung eines Kreises, dazu beizutragen, dass Energie gespart wird", teilte der Landkreis Fulda auf Nachfrage mit. Deshalb wird neben anderen Maßnahmen die Raumtemperatur in den Sporthallen auf 17 Grad abgesenkt und das Warmwasser abgestellt. Aktuell geht der Landkreis Fulda dabei von einem Einsparpotential von 10 bis 15 Prozent aus. Die Zahlen zum Einsparpotential werden in den kommenden Monaten regelmäßig evaluiert. 

Für die Sportvereine hat das teils dramatische Konsequenzen. Beispiel Teutonia Großenlüder. Die Gruppenliga-Fußballer duschen in der Sporthalle der Lüdertalschule. Den Spielern bleibt also nichts anderes übrig, als kalt zu duschen, oder sich ungeduscht ins Auto zu setzen. In den kalten Herbst- und Wintermonaten nicht die angenehmsten Aussichten. Zumal sich auch die Frage stellt, ob es förderlich für die Gesundheit ist, wenn man sich nass und durchgefroren noch unter eine kalte Dusche stellen muss. 

"Der ein oder andere überlegt, ob er noch zum Vereinssport geht"

Die Sparmaßnahmen könnten auch einen besorgniserregenden Trend verschärfen. Schon seit Jahren treiben immer weniger Kinder Vereinssport. Die Einschränkungen während der Corona-Pandemie haben dazu geführt, dass die Zahlen noch weiter gesunken sind. Nun befürchten einige, dass auch die Energiekrise auf den Rücken der Kinder und Jugendlichen ausgetragen wird. Eine Mutter von vier sporttreibenden Kindern schrieb etwa: "Ihnen (den Kindern) wird nach dem Sportverbot in Coronazeiten jetzt auch noch das warme Wasser abgestellt. Alle reden davon, dass zu wenig Sport gemacht wird. Immer weniger Kinder sind in Vereinen. Der ein oder andere überlegt, ob er noch zum Vereinssport geht." 

Beim Landkreis sieht man das jedoch anders. "Dem Landkreis Fulda ist es wichtig, dass die Turnhallen – wie auch in der Flüchtlingskrise – geöffnet bleiben, da der Vereinssport ein besonderes Anliegen des Kreises ist." Die Hallen würden den Vereinen im Rahmen der Sportförderung kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auch seien die Auslastungszahlen nach dem Abschalten des Warmwassers nicht gesunken. "Die Hallen sind in den Abendstunden immer noch zu 95 Prozent ausgelastet." 

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg geht man hingegen einen anderen Weg. Dort bleiben die Duschen warm. Fuldas Sportler dürften sich also freuen, wenn es für ein Auswärtsspiel in den Nachbarlandkreis geht. (fh)+++

In den Hallen wird die Temperatur auf 17 Grad runter gekühlt
Symbolbild: Jonas Wenzel - yowegraphy
Auch die Fußballer aus Großenlüder haben mit den Maßnahmen zu kämpfen