TV Hersfeld bezwingt TG Rotenburg 25:24

Spannungsgeladenes Derby in der Geistalhalle - Erster Saisonsieg des TVH

TVH-Trainer Christian Weiß
Archivfotos: O/N

03.10.2022 / BADHERSFELD - Karl-Heinz Hüter hat im Handball schon viel miterlebt. Doch am Samstagabend freute auch er sich über alle Maßen in der vollbesetzten Geistalhalle. "Das war ein Highlight. Ein echtes Lokalderby. Die Stimmung war sehr gut. Halt Lolls-Vorfreude", entfuhr es dem Handball-Chef des TV Hersfeld. Der hatte kurz zuvor das Nachbarschaftsduell der Landesliga Nord gegen die TG Rotenburg mit 25:24 (12:14) gewonnen. Es war der erste Saisonsieg des TVH. In einem wieder einmal wahrhaften Duell der Emotionen.

Auch Christian Weiß sah ein sehr spannungsgeladenes Duell. "Es hatte nicht unbedingt die spielerische Substanz. Aber das war auch nicht anders zu erwarten. Wir standen mit dem Rücken zur Wand." Der Trainer des TVH freute sich, dass sein Team zur passenden Spielzeit spielerische Lösungen gefunden und vor allem den Kampfgeist gezeigt habe, um dagegenzuhalten. Der Oberhauner spürte die Rückkehr zu kämpferischen Attributen - auch wenn es noch nicht so ganz der Handball ist, den er sich wünscht. "Unser Aufbau ist noch zu langsam oder pomadig. Die Abläufe sind noch nicht so ganz da."

Rückhalt des TVH: Die Torhüter Niklas Kürten und Sascha Kepert

Die Turner konnten sich an diesem Abend auf zwei sehr starke Torhüter verlassen: Niklas Kürten und Sascha Kepert. Kürten hielt in der ersten Halbzeit stark, wehrte drei Siebenmeter ab und blieb nach drei Rotenburger Gegenstößen der Sieger. Routinier Kepert hielt seinem Team im zweiten Abschnitt den Rücken frei. "Ab der 45. Minute hatten wir das Spiel mehr oder weniger im Griff", fand Weiß. Sein Gefühl aber trog ihn nicht so ganz. "Wenn du im Handball nicht mit fünf Toren führst, kann es knapp werden." Und das wurde es. Trotz allem empfand er: "Dem Spielverlauf der zweiten Halbzeit nach war unser Sieg verdient. Wir haben uns gegen Ende das Leben selbst schwer gemacht."

Eine strittige Szene gab es gegen Spielende. Die TGR überlegt, Einspruch gegen die Spielwertung einzulegen. Beide Trainer konnten die Szenerie nicht so genau beobachten. "Die Uhr war schon abgelaufen", sagt Weiß, "ich habe es nicht so genau gesehen. Angeblich ist einer unserer Spieler zu früh aufs Feld gelaufen ..." Auch sein Gegenüber kann den Ablauf nicht exakt schildern. "Grundsätzlich sind einige auf unserer Seite der Meinung", meinte Rotenburgs langjähriger Coach Robert Nolte, dass dem einen Wechselfehler noch ein zweites Vergehen gefolgt sei. Als der Gast einen Freiwurf bekam, hätten jedenfalls fünf Hersfelder in der Abwehrmauer gestanden, vier aber hätten es nur sein dürfen. "Ob das für einen Protest ausreicht, weiß ich nicht", folgerte Nolte.

Robert Nolte: Haben sehr unglücklich und unnötig verloren

Vielmehr aber ärgerte den Gästetrainer das Zustandekommen sowie die Art und Weise der Niederlage seines Teams. "Wir haben aus meiner Sicht sehr unglücklich und absolut unnötig verloren", bekannte der erfahrene Sportler. Mit drei Toren (18:15) lag die TGR schon vorn, als die Uhr Richtung der 40. Minute lief. Nolte schmerzte es, dass seine Mannschaft die Führung so leicht aus der Hand gab und - was aber nicht ursächlich war - vier Siebenmeter verwarf. Seiner Ansicht nach habe Hersfeld nicht gewonnen, weil es im Verlaufe des Spiels besser geworden sei - sondern, weil sich sein Team in entscheidenden Situationen nicht richtig verhalten habe.

Dennoch: "Die Punkte sind erst mal weg. Glückwunsch an den TVH", bekannte Rotenburgs Trainer, "seine Spieler haben gekämpft. Ein Lob auch an die Torhüter." Einen Vorsprung abgegeben und quasi "hergeschenkt" zu haben, das sei der TGR schon im Spiel gegen Gensungen passiert. "Da haben wir mit vier Toren geführt und am Ende unentschieden gespielt. Also auch wie jetzt in Hersfeld den Deckel nicht drauf gemacht." Nolte rätselte, ob es Unkonzentriertheit sei, weil man das Gefühl habe, die bessere Mannschaft zu sein? Man müsse den Fokus darauf richten, die Leistung bis zum Schluss abzurufen, und jeder müsse daran arbeiten. Dieser Prozess "fällt uns schon auf. Wir werden darüber reden". 

Die TGR befindet sich derzeit in einer Phase des Umbruchs, nachdem einige Leistungsträger wie Luca Schumann den Verein verlassen haben. Auch das sieht der Übungsleiter als Prozess, die zweite Mannschaft solle sich, was schwer genug ist, in der Bezirksoberliga stabilisieren - und auch Nachwuchsspieler würden im Team an der Fulda mehr und mehr eingebaut. Rotenburgs Team spielt am nächsten Samstag in eigener Halle gegen die TSG Dittershausen - der TV Hersfeld bei der MSG Körle/Guxhagen. Und dann ist Lolls. Nicht nur Karl-Heinz Hüter freut sich darauf. (wk)


TV Hersfeld: Kürten, Kepert -Kehl (2), Abad (2), Holzapfel, Schikarski, Koch (7), Petersen (3), Becker, Krause (5/2), Thole (1), Schmidt, Kromm, Berger (5)

TG Rotenburg: Dick, Fischer - Harbusch (1), Janik Hagemann (1), Luca Hagemann (1), Tomislav Balic (3), Golkowski (1), Reyer (3), Boze Balic (3), Dobriczikowski (5), Holl (2), Culura (3), Krapf (1)

Schiedsrichter: Niemann/Schetzkens
Siebenmeter: 2/3 - 5/1
Zeitstrafen: 10:8 Minuten +++