Bertram Lenz zur Neuordnung der Pfarreien

Es muss sich etwas ändern - weil alte Muster nicht mehr funktionieren

Der Dom zu Fulda.
Archivfoto O|N Bistum Fulda

24.09.2022 / REGION - Wenn die katholische Kirche eine starke Stimme und Stütze für die Menschen sein beziehungsweise wieder werden will, dann muss sie sich verändern. Die Zahl der Austritte, nicht zuletzt aufgrund diverser Skandale und Verfehlungen, spricht für sich. Immer mehr Gläubige sehen sich von der Kirche nicht mehr wahrgenommen und fühlen sich heimatlos. Was schlecht ist, denn gerade in diesen aktuell unruhigen Zeiten braucht es Orientierung und Halt. 



Vor diesem Hintergrund kommt sowohl der Frage, wie es mit dem synodalen Prozess weiter geht, ebenso hohe Bedeutung bei wie jener, in welche Richtung sich die Kirchengemeinden entwickeln. Und da geht das Bistum Fulda einen entscheidenden Schritt in die Zukunft, stellt seine Pfarreien und sich neu auf. Die Verantwortlichen um Bischof Dr. Michael Gerber und Generalvikar Prälat Christof Steinert haben am Freitag wichtige Weichenstellungen öffentlich gemacht -  wohl wissend, dass es ohne die wichtigsten Mitstreiter nicht geht: die Menschen.  

Diese müssen auf dem Weg mitgenommen werden und an dem Veränderungsprozess aktiv mitwirken können - was in jüngster Vergangenheit auf lobenswerte Weise ja auch geschehen ist. Denn die Frage, wie die Kirche Zukunft gestalten und sich behaupten kann, orientiert sich wiederum auch daran, wie sie die Menschen dabei unterstützen, begleiten und zu stärken vermag. Denn die Kirche kann und darf ihre Augen nicht davor verschließen, dass unsere Gesellschaft einem radikalen Wandel unterworfen ist und die gewohnten (und vertrauten) Muster nur noch begrenzt angewandt werden können. Nun wird es im Bistum Fulda darauf ankommen, für die angedachten (tiefgreifenden) Veränderungen in den rund 200 Gemeinden, aus denen 28 neue Pfarreien erwachsen sollen, weiter offensiv zu werben.

Das Bistum setzt damit konsequent einen Weg fort, der bereits seit Längerem beschritten wird: Sichtbares Zeichen für die nötigen Weichenstellungen und den Kulturwandel ist seit Beginn des Jahres 2021 unter anderem das neue Logo, das in der Kommunikation das frühere Wappen des Bistums (beziehungsweise des ehemaligen Fürstbistums und Hochstiftes) abgelöst hat. Bei der Logo-Entwicklung hatte das Bistum Fulda mit dem Bistum Münster kooperiert. Dort war das Ziel ausgegeben worden, "eine offene, lebendige Kirche zu sein, die nicht (mehr) von der Kanzel herab zu den Menschen spricht. Stattdessen öffnet sie sich dem Dialog, anderen Meinungen, alternativen Lebensmodellen, um Beziehung aufzubauen und zu fördern."  Dem ist nichts hinzuzufügen.

Auf die am Montag in Fulda beginnende traditionelle Herbstkonferenz der deutschen katholischen Bischöfe darf man im Übrigen sehr gespannt sein. Denn auch dann wird es um Weichenstellungen für die Zukunft gehen. Und um die richtige Richtung.
(Bertram Lenz) +++

O|N-Redakteur Bertram Lenz.
Foto: Archiv O|N/ Carina Jirsch

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