Großer Festkommers zum 50. Jubiläum

"Wenn es den Vogelsberg nicht geben würde, müsste man ihn erfinden"

Alexander Tönnies, Landrat des Partnerkreises Oberhavel, Manfred Görig mit seiner Frau und Dr. Jens Mischak.
Fotos: Carina Jirsch

23.09.2022 / REGION VB - 50 Jahre Vogelsbergkreis - das muss gefeiert werden! Ein halbes Jahrhundert ist es nun her, dass die selbständigen Landkreise Alsfeld und Lauterbach und die Stadt Schotten zu einem neuen Kreis - dem Vogelsbergkreis - zusammengeführt wurden. Bei einem feierlichen Festkommers im Wartenberger Oval blickten Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft auf die letzten 50 Jahre zurück - und wagten auch einen Blick in die Zukunft. 

"Wir wollen dieses Jubiläum nicht einfach vorbeigehen lassen - sondern feierlich begehen", eröffnet Kreistagsvorsitzender Dr. Hans Heuser den Abend. In seiner Begrüßung ließ er die letzten 50 Jahre im Schnelldurchgang Revue passieren - positive als auch negative Ereignisse prägten die vergangenen Jahre. "Der Start der neuen Kreise wurde erheblich erschwert, weil im Jahr 1972 noch nicht entschieden war, ob Lauterbach oder Alsfeld Kreisstadt wird." Nach heftigen Diskussionen und einer gerichtlichen Auseinandersetzung später fiel die Entscheidung auf Lauterbach. Doch auch erfreuliches hatte Heuser zu berichten: Der Vogelsbergkreis war beispielsweise im Jahre 1992 bundesweit der erste Landkreis, der ein Kinder- und Jugendparlament gründete. 

Weitere prägende Ereignisse, wie die Flüchtlingswelle im Jahr 2015, die Corona-Pandemie zu Beginn 2020 oder der Krieg in der Ukraine waren Teil seines Rückblicks. Einen Appell hatte er am Schluss seiner Rede vor allem für die jüngere Generation: "Bewahrt die Demokratie in unserem Lande und in unserem kommunalen Gemeindewesen. Denn wer in der Demokratie leben will, muss etwas dafür tun und sich aktiv dafür einsetzen."

"Wir haben hier echte Champions"

Glückwünsche vom Regierungspräsidium und der hessischen Landesregierung brachte Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich: "Sie können alle stolz auf dieses Jubiläum sein - durch Sie ist der Vogelsberg das geworden, was er heute ist." In diesem Zusammenhang sprach Ullrich von der beeindruckenden Bildungsregion, die mit starken Unternehmen bestens aufgestellt sei. "Von außen denkt man vielleicht, hier ist vor allem viel Landschaft. Der Vogelsberg kann aber viel mehr. Es gibt tolle wirtschaftliche Strukturen, wir haben echte Champions, Weltmarktführer hier." Darüber solle in Zukunft mehr geredet werden, denn die Region habe es verdient. Zum Ende überreichte er Landrat Manfred Görig und Vize-Landrat Dr. Jens Mischak als Symbol einen Regenschirm. "Wir lassen Sie nicht im Regen stehen."

Der Geschäftsführer des hessischen Landkreistags, Jan Hilligardt, begann seine Rede mit einem Zitat vom ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau: "Wenn es Landkreise nicht gäbe - dann müsste man sie erfinden" - und projizierte dies sogleich auf den Vogelsbergkreis. "Wenn es den Vogelsbergkreis nicht gäbe, müsste man ihn erfinden." Aus vielen guten Gründen: Es ist zwar mit 105.000 Einwohnern der drittkleinste Landkreis in Hessen - doch die besonderen Herausforderungen meistert der Kreis. "Der Vogelsberg hat kein Oberzentrum, dafür Natur, die andere so nicht kennen. Landwirtschaft, erneuerbare Energien oder Tourismus - all das kann sich sehen lassen." Und auch in Zukunft gäbe es viele Aufgaben und Herausforderungen, "die man noch gar nicht kennt". Doch wichtig sei es, gemeinsam in die Zukunft zu schauen. 



Der im April frisch gewählte Landrat aus dem Landkreis Oberhavel, Alexander Tönnies, ließ es sich nicht nehmen, ein Grußwort aus der Partnergemeinde zu sprechen. Er blickte auf das Jahr 1991 zurück, wo ein Ereignis die beiden Landkreise stark prägte: die besiegelte Partnerschaft. Über 30 Jahre später ist die Zusammenarbeit noch immer lobenswert, "alte Liebe rostet eben nicht", so der Landrat lachend. Auch für die kommenden Jahre erhoffe er sich eine solch gute Partnerschaft. "Die Silberhochzeit haben wir schon geschafft. Es ist ein verlässlicher Pakt, wir sind miteinander verbunden."

Görig: "Durch Ehrenamt wird Region zu unserer Heimat"

Das Schlusswort des Abends gehörte Landrat Manfred Görig. Seine Rede widmete er ganz dem Ehrenamt und den Bürgern, die sich dafür einsetzen. "Die Vogelsberger Erfolgsgeschichte - geringe Arbeitslosenquote, geringe Kriminalitätsrate, der Zuzug von zwei Dörfern pro Jahr - geht nur, wenn viele Menschen mithelfen. Sie haben viel dafür getan, dass die Region zukunftsfähig wird. Gemeinsam mit vielen Menschen vor Ort anpacken - das ist die Devise im Vogelsberg." Der Landkreis stehe für pure Lebensqualität - und das gehe nur mit den Bürgerinnen und Bürger. "Mein besonderer Dank gilt jedem, der sich für die Region, sein Dorf, mit Herzblut einsetzt. Ihr Einsatz wird viel zu oft als selbstverständlich angesehen", so Görig. Gleichzeitig regt er zum Nachdenken an: "Was wäre, wenn es die Freiwillige Feuerwehr nicht gäbe? Wer fährt hin, wenn ein Haus brennt? Ähnlich in der Kommunalpolitik: Wenn das niemand mehr macht, wer besetzt die Plätze? Wer hilft der alten Dame mit ihren Einkäufen, wenn es die Nachbarschaftshilfe nicht geben würde?"



Das Ehrenamt sei unersetzbar - denn Kreis oder das Regierungspräsidium können nicht alles lösen. Dafür gibt es im Vogelsberg eben tausende von Ehrenamtler, die sich tagtäglich für ihre Heimat einsetzen. Beispielsweise 45.000 Mitglieder in 230 Sportvereinen, oder 24.000 Mitglieder bei den Freiwilligen Feuerwehren. Zahlen, die sich sehen lassen können - und die den Landrat stolz machen. "Durch Sie wird Region zu unserer Heimat."

Höhepunkt am Abend war unter anderem die Chronik, die vom Wikom-Verlag feierlich übergeben wurde. Am Buch "50 Jahre Landkreis Vogelsberg" wurde vor allem vonseiten der Pressestelle des Vogelsbergkreises in den vergangenen Wochen und Monaten fieberhaft gearbeitet. (ld) +++