Abbau von Stellen wird kritisiert

Nach O|N-Interview: GdP-Kreisgruppe fordert mehr Personal

Die GdP-Kreisgruppe Hersfeld-Rotenburg sieht die Polizisten am körperlichen Limit.
Symbolbild: Kevin Kunze

24.09.2022 / KREIS HEF-ROF - Bezugnehmend auf das große OSTHESSEN|NEWS-Interview mit dem Leiter der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg Christian Golomb hat der Kreisgruppe der GdP (Gewerkschaft der Polizei) sich mit einer Stellungnahme an unsere Redaktion gewandt. Dabei kommt zum Ausdruck, dass die Polizisten zwar eine sehr gute Arbeit verrichten, allerdings an ihre körperlichen Grenzen kommen.

Die Stellungnahme der GdP-Kreisgruppe im Wortlaut:


"Ja, wir haben an allen Standorten innerhalb der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg wirklich sehr fähige, kommunikative und motivierte Polizisten, was auch die Grundlage für gute Polizeiarbeit ist. Ja, wir sind dafür verantwortlich, dass sich die Menschen in der Region sicher fühlen können. Und ja, dies wird durch die Kriminalstatistik auch untermauert – die Frage ist nur, zu welchem Preis?

Die Kolleginnen und Kollegen bauen Berge von Überstunden auf, verzichten auf ihre Freizeit, um die Sicherheit in der Region zu gewähren. Die Aufgaben sind vielfältiger geworden, neue Deliktfelder sind hinzugekommen. Personalmehrungen, welche für die Kollegen an der Basis vorgesehen waren, werden durch die neu anfallenden und mehr werdenden Aufgaben 'aufgefressen'. Des Weiteren ist das Polizeipräsidium Osthessen 'Endverwenderdienststelle', das heißt, die Kolleginnen und Kollegen bleiben bis zu ihrem Ruhestand in der Behörde.

Sie bauen die in ihrem Dienst angehäuften Überstunden oftmals sogar bis zu einem halben Jahr vor der Ruhestandsversetzung ab und stehen ihrem Dienstherrn somit nicht mehr zur Verfügung. Auch der Berg der Stunden der Lebensarbeitszeitkonten holt uns nun mittlerweile ein. Eine von der GdP geforderte reduzierte Wochenarbeitszeit wäre tatsächlich aussagekräftiger gewesen und wir hätten heute nicht den Personalmangel durch den Abbau von Überstunden. Außerdem fehlen die Kolleginnen und Kollegen, die ihren regulär zustehenden Jahresurlaub nehmen, sowie die übliche Krankheitsrate (die eine der niedrigsten in Hessen ist).

Durch das ausgedünnte Personal im Wechselschichtdienst müssen die Kolleginnen und Kollegen im Tag- und auch im Nachtdienst, außerhalb ihrer Schichtfolge, viele weitere Zusatzdienste in anderen Dienstgruppen übernehmen. Dies ist der Gesundheit der Beamtinnen und Beamten nicht dienlich. Für hessenweite Projekte werden Kolleginnen und Kollegen aus den Präsidien abgeordnet und fehlen auf ihren eigenen Dienststellen. Auch Einsätze, wie z.B. Demonstrationen müssen von den gleichen Kolleginnen und Kollegen, meistens an den Wochenenden, gefahren bzw. übernommen werden.

Die Sicherheitspakete der Landesregierung sind gut gemeint, reichen aber bei weitem nicht aus. Leider fehlen am Ende der Ausbildung wieder circa 15 Prozent derer, die mit dem Studium begonnen hatten. Junge Menschen orientieren sich beruflich um, oder erreichen leistungsbedingt nicht das Ziel. Auch dies versucht man auszugleichen, jedoch besteht nach wie vor eine personelle Unterdeckung bei einzelnen Dienststellen. Die geburtenstarken Jahrgänge der 60er bauen nun ihre Überstunden ab und gehen in den Ruhestand. Zusammen mit den vielen neuen Aufgabengebieten hinterlassen sie große Löcher in der Personaldecke.

Es rächt sich jetzt, dass in den letzten Jahrzehnten nicht nur bei der Polizei, sondern überhaupt im öffentlichen Dienst, Personal im Beamten- als auch im Tarifbereich abgebaut wurde. Ja, wir haben an allen Standorten innerhalb der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg und übrigens im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Osthessen wirklich sehr fähige, kommunikative und motivierte Polizisten, was die Grundlage für gute Polizeiarbeit ist - aber leider zu wenige Kolleginnen und Kollegen, die für den Dienst zur Verfügung stehen. Nur weil unsere Beschäftigten, dazu zählen auch die Tarifbeschäftigten, sich ihrer ehrenvollen Aufgabe bewusst sind und sich 24 Stunden an 7 Tagen der Woche für die innere Sicherheit einsetzen." (kku/pm)+++


"Region gut aufgestellt": Christian Golomb (43) leitet die Polizeidirektion